Schleifspuren Cart Ruts auf Malta

Schleifspuren in einer Steinebene auf Malta

Diese halbkreisförmige Schleifspuren (Cart Ruts) sieht man auf einer Steinebene auf Malta. Die Spuren verlaufen immer parallel im selben Abstand und bisher weiß man nicht wirklich wie diese entstanden sind. Man vermutet mit Viehwagen, allerdings erklärt dies nicht warum das Ganze aus der Luft wie ein Güterbahnhof aussieht.

Zu den Cart Ruts kommt man am Besten mit einer Linie des Malta Transport Bus Systems. Wenige Meter von dieser mysteriösen Stelle gibt es eine Haltestelle.

Ein Gedanke zu „Schleifspuren Cart Ruts auf Malta“

  1. Niels C. Kopf

    Cart Ruts und Tempel auf Malta, neu nachgedacht

    Wer heute auf den Inseln Malta oder Gozo seinen Urlaub plant, interessiert sich zunächst meist nur für Sonne und Meer. Und beides ist dort überreichlich zu finden, gastfreundlich und preiswert. Wer aber so „leichtsinnig“ ist, sich vor seiner Reise oder vor Ort durch Literatur oder Internet ein wenig besser über sein Reiseziel zu informieren, wird, ob er will oder nicht, auch von einer ganz anderen Besonderheit dieses Archipels fasziniert sein: von den vielen, oft ungewöhnlich gut erhaltenen Spuren der jahrtausendealten Geschichte dieser Inseln.

    Viele der sichtbaren Relikte dort sind bis heute ungeklärt, rätselhaft, Anlass zu fantastischen Spekulationen und angeblich voller Geheimnisse, nicht nur für den Besucher, sondern auch für Archäologie und Wissenschaft. Und so hat sich die Esoterik, etwa die der Herren Däniken und Zeitlmair dieser Orte und Objekte bemächtigt und phantastische, geradezu kuriose Erklärungen dafür angeboten.

    Ein gutes Beispiel dafür sind da etwas die vielbesuchten „Cart Ruts“. Laut Wikipedia stammen sie aus der Bronzezeit, sind also vier- bis fünftausend Jahre alt und werden als „Schleifspuren“ bezeichnet, „für die bis heute keine vernünftige Erklärung gefunden werden konnte.“

    Dem heutigen Besucher von „Clapham Junction“, einer nur spärlich besiedelten, mit besagten Rillen beinahe übersäten Steinebene nahe der mittleren Südküste Maltas bietet sich ein überraschendes Bild: Er blickt im Umkreis von mehreren hundert Metern auf teils gut erhaltene, teils stark verwitterte Bodenrillen, die paarweise und wie vertiefte, in den Stein geschlagene Schienen im stets gleichen Abstand von 110 cm zueinander in unterschiedliche Richtungen oder gleich mehrfach nebeneinander in der gleichen Richtung verlaufen, bevor sie jeweils nach geschätzten 50 bis 100 Metern ohne sichtbar betonten Abschluss enden.

    Der Besucher, der zuhause vielleicht von einem „Landeplätzen für Außerirdische“ gelesen hat, sucht in seinem Reiseführer oder auf den lokalen Informationstafeln nach irgendeiner vernünftigen Erklärung. Doch was er findet, bezeichnet sich immer nur als „geheimnisvoll“ und „rätselhaft“.

    Wieso geheimnisvoll? Warum rätselhaft?
    Für mich ist das Rätselhafte an diesen Spuren aus der fernsten Vergangenheit, dass sie seit vielen Jahrhunderten ein Rätsel sein sollen. Denn es gibt eine einfache, einleuchtende und allen nur erdenklichen Einwänden logisch begegnende Erklärung dieses angeblich so mysteriösen Phänomens:
    Die als Cart Ruts bezeichneten Spuren aus der Bronzezeit auf Malta und Gozo und in vielen anderen Teilen der damals besiedelten Welt waren Sportanlagen, und die als „Clapham Junction“ bezeichnete Fläche war offenbar das „Stadion“ von Malta. Dort wurden in immer wieder geänderten, mitunter ausgebesserten oder gänzlich neuen Spurrinnen, die in den Felsboden geschlagen worden waren, von Menschen gleichschwere oder möglichst schwere Lasten auf Vorrichtungen mit Kufen oder Rädern, die stets die gleiche Achslänge aufwiesen, möglichst rasch zu einem vorgegebenen Ziel gezogen oder geschoben.

    Da aber diese Menschen keine Stoppuhren besaßen, musste dies im Wettkampf gleichzeitig auf mehreren gleichlangen Bahnen nebeneinander geschehen. Deshalb enden diese Spuren auch nicht an irgendeinem heute krampfhaft gesuchten „Transport-Ziel“, sondern einfach nach einer vorher bestimmten Strecke.

    An der Logik dieser Interpretation ändern auch die heute an manchen Stellen sichtbaren Abzweigungen aus der einen oder anderen Fahrrinne nichts. Vielleicht waren diese „Spurwechsel“ irgendwann im Laufe der Jahrhunderte Teil neuer Wettbewerbsregeln, boten Überholmöglichkeiten oder dergleichen, vielleicht dienten sie einfach nur der Arbeits-ersparnis: Wenn etwa der obere Teil einer Spur bereits abgenützt und beschädigt war, so konnte man mit der Herstellung einer relativ kurzen Abzweigung den intakten Teil einer nebenliegenden Spur benützen, ohne eine gänzlich neue Rinne in den Stein schlagen zu müssen. Und der heute vieldiskutierte Umstand, dass zwischen den Schienen keinerlei Abnützung durch Hufspuren von Zugtieren zu finden sind, bekräftigt die Vorstellung, dass die Anlagen nur von bloßfüßigen oder nur leichtbeschuhten Personen benützt wurden.

    Die Menschen der Bronze-Zeit hatten Schiffe, brauchten möglichst kräftige, muskulöse Ruderer, benötigten für Überfälle und Auseinandersetzungen möglichst starke Kämpfer, wählten oft sogar ihre Anführer nach deren körperlicher Stärke aus. Und nirgends konnte Kraft besser ermittelt werden als bei derart sportlichen, gewiss auch religiös verbrämten Events, bei denen die besten Vertreter der einzelnen Dörfer, Familien oder Clans gegeneinander antraten. Diese Sportler hatten, wie historische Spuren nahelegen, vor dem Wettbewerb „zuhause“ trainiert, hatten sich anschließend bei lokalen Kämpfen als die stärksten Vertreter der lokalen Gemeinschaft qualifiziert und wurden so für den großen Endbewerb ermittelt. Deshalb finden wir auch nach Jahrtausenden an verschiedenen Orten auf Malta, Gozo oder anderswo immer wieder auch einzelne oder paarweise Schienen, die damals sicher als private Übungsplätze oder für lokale Ausscheidungen benützt wurden.

    Es ist anzunehmen, dass derartige Wettbewerbe, bei denen Männer andere Männer vor Publikum besiegen konnten, ohne sie zu verletzen, an vielen Orten, auch an Orten mit weichem, rasch verwitterndem Untergrund eingerichtet wurden. Aber die sind uns weder erhalten noch scheinen sie sich damals bewährt zu haben. Denn, gleichgültig, ob die Wägen oder Schlitten ein- oder zweiachsig waren: Das naheliegende Problem war lange Zeit offenbar das Fehlen einer lenkbaren Achse. Deshalb machte man sich die Mühe, relativ tiefe Rinnen in den felsigen Boden zu meißeln, damit Räder oder Kufen in der Spur gehalten werden konnten. Diese Notwendigkeit bestand aber nach der Erfindung der lenkbaren Achse nicht mehr, ab diesem Zeitpunkt waren die Steinspuren sogar störend.
    Aus dieser Überlegung könnte ein interessierter Historiker die Zeiträume in etwa eingrenzen, in welchen die Cart Ruts in den Boden geschlagen wurden, wie lange sie Verwendung fanden und ab wann sie überflüssig waren. Ohne mich selbst mit vergleichbaren historischen Daten beschäftigt zu haben, meine ich, dass diese Wettkampfstätten zwar sehr früh entstanden, dann aber nur wenige Jahrhunderte lang genutzt wurden. Denn spätestens in der Eisenzeit waren die Menschen imstande, auf relativ einfache Art ihre Fahrzeuge lenkbar zu machen.

    Derartige Kräftemessen, die nicht nur zur Elitenauswahl sinnvoll sind, sondern vielleicht sogar zu so etwas wie Sport wurden, sind so normal, menschlich und natürlich, dass unsere Kinder auch heute Ähnliches tun, ohne dafür irgendeine Anleitung erhalten zu müssen. Deshalb sind aus den Umstand, dass gleiche Spuren heute an vielen Orten in verschiedenen Gegenden der Welt zu finden sind, noch keine „internationalen“ Kontakte der damaligen Menschen abzuleiten. Denn Sport, Kräftemessen, Wettbewerb in vielerlei Form gehört zum täglichen Leben, nicht nur heute, sondern sicher auch in früheren Zeiten. Daran sollte auch die wissenschaftliche Archäologie mitunter denken, damit sie nicht Gefahr läuft, sofort jedes dargestellte Tier als Opfertier, jede menschliche Figur als Götterstatue und jedes größere Architekturrelikt als Tempel zu bezeichnen.

    In diesem Sinne bin ich auch davon überzeugt, dass die sogenannten „Tempel“ auf Malta keine Tempel waren, sondern gemeinschaftliche, gut gesicherte Lagerhäuser der einzelnen Großfamilien, Dörfer oder Clans. Denn die Menschen auf Malta und Gozo müssen, etwa wie die Wikinger viele Jahrhunderte später, durch ihre Lage und durch den Umstand, dass ja auch ihre Vorfahren per Boot auf die Inseln gekommen waren, überlegene Seefahrer gewesen sei. Und darum waren Maltas wehrhafte Männer während des Sommers, nachdem die Winterstürme vorbei waren, wohl meist auf monatelanger Piratenfahrt, nachweislich an den Küsten Siziliens, Italiens oder Afrikas.
    In diesen Sommermonaten aber waren die Frauen und Kinder zuhause ohne männlicher Hilfe, ohne männlichen Schutz und auch die Felder boten in der heißen, regenarmen Zeit oft nur wenig Nahrung. Deshalb schufen sich die einzelnen Dörfer, Sippen, Familienclans auf Malta während der Wintermonate, in denen die Männer anwesend waren, große Vorsorgehäuser, deren dicke Mauern nicht nur gut und auch von Wenigen von oben herab zu verteidigen waren, sondern in denen vor allem Lebensmittel kühl und sicher aufbewahrt werden konnten. Die bekannte, im Archäologischem Museum in Valletta auf einem Steinfries ausgestellte Kleintierkarawane aus einem derartigen „Tempel“ zeigt also wohl nicht „Opfertiere“, sondern Tiere, die zu einem dieser Gebäude geführt werden, weil sie dort abzugeben waren. Und in diesem Sinn sind auch die relativ kurzen Zugänge, die nicht wirklich in das Innere der Gebäude führen, zu verstehen. Sie sind nach wenigen Metern mit einem unüberwindlich großen Stein verschlossen, der nur im oberen Bereich eine Öffnung aufweist, die bisher fantasievoll als „Weissage-Fenster“ interpretiert wird. Tatsächlich aber waren diese Öffnungen Abgabeschalter, durch die Lebensmittel, Kleintiere oder auch Futtermittel in das Innere gereicht wurden, ohne dass der Überbringer dabei selbst in das gesicherte Gebäude vordringen konnte. Denn wenn man für diese Abgabe eine Türe oder ein Tor hätte öffnen müssen, so hätte wohl die Gefahr bestanden, dass jemand unter dem Vorwand, etwas abgeben zu wollen, mit böser Absicht in das Gebäude eindringt.

    Die von mir hier vorgeschlagene Neuinterpretation der bisher durchgehend als „Tempel“ bezeichneten Megalith-Bauten auf Malta legt schließlich auch eine Umdeutung der in manchem dieser Gebäude gezeigten „Opferaltäre“ nahe. Diese schweren, waagrecht auf Trägern liegenden Platten sind aus einem besonderen Gestein, dessen Größe und Härte wohl deshalb gewählt wurde, weil darauf irgendetwas mit Kraft und scharfen Geräten bearbeitet werden sollte. Anders hätte man sich die Mühe, diese Schwergewichte herbeizuschaffen und auf die Stützsteine hochzuheben, wohl nicht gemacht.

    Ich glaube daher, dass diese bisher als „Altäre“ gedeuteten Steintische einfach Küchentische waren, auf denen die eingebrachten Tiere geschlachtet und in Teile zerlegt wurden, bevor man sie verteilte oder etwa durch Räuchern oder Pökeln lagerfähig machte, und auch der Umstand, dass diese Tische meist freistehen und nicht an einer Mauer angebaut sind, deutet auf diese Verwendung hin. Denn so konnten Blut und ungenießbarer Abfall rundum leicht vom Tisch gewischt werden, ohne die gewünschten Stücke zu verunreinigen.
    Und dass heute keinerlei Einkerbungen oder Kratzspuren auf der Oberfläche diesen Arbeitsplatten zu finden sind, ist nach deren langen, ungeschützten Lagerung unter freiem Himmel nicht verwunderlich.

    Natürlich glaube auch ich, dass die Menschen der Vergangenheit ihre Welt oft nur durch ihre Religion erklären und verstehen konnten, und dass sie deshalb große, religiösen Feste gefeiert und häufig auch ihre profanen Gemeinschaftseinrichtungen oder Zusammenkünfte durch religiöse Deutungen erhöht haben. Dennoch bleiben Sportplätze vor allem Sportplätze, auch wenn die Ereignisse dort mit religiösen Feiern verbunden wären. Und gemeinschaftliche Lagerhäuser, die in entbehrungsreichen oder unsicheren Zeiten das Überleben ganzer Bevölkerungsgruppen sichern sollen, haben vor allem diesen sehr realen Sinn und Zweck, selbst wenn an diesen Orten Sonnenwenden beobachtet werden oder Opfer und Weissagungen stattfinden.

    Wenn wir Heutigen über unsere frühe Vergangenheit nachdenken, so bedeutet dies für Viele von uns nicht nur Wissenschaft und Forschung, sondern zurecht auch Fantasie, Kreativität, Träumen, ein Sich-selbst-verstehen-wollen. Und so rauben vielleicht die beiden von mir hier dargelegten, recht nüchternen Neuinterpretationen zweier bisher so fantasievoll und oft auch poetisch diskutierter „Rätsel der Vergangenheit“ manchem Leser oder Besucher dieser historischen Stätten nun das Vergnügen, selbst rätseln und träumen zu können.

    Habe ich also Träume geraubt, Fantasie verhindert, Poesie verkürzt?
    Diese von mir geliebten und schon so oft besuchten Inseln bieten noch genügend ungelöste Geheimnisse und Rätsel.
    So wären da etwa noch die vielen krankhaft übergewichtigen und meist kopflosen Damenstatuen, die bisher immer als Göttinnen oder Priesterinnen bezeichnet werden.
    Warum eigentlich? Weil sie in einem Tempel gefunden wurden, in einem Tempel, der kein Tempel war? Oder weil sie …
    Wenn man dann aber bedenkt, dass …
    Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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