| Schmalspurbahn Wilder Robert vor dem Aus – Interview mit Jochen Pursche |
| Geschrieben von: Jens |
| Freitag, den 08. April 2011 um 04:13 Uhr |
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Der Freistaat Sachsen will den Wilden Robert in Zukunft nicht mehr finanziell unterstützen. Dies trotz zunehmender Fahrgastzahlen und ihrer wichtigen Bedeutung in einer strukturschwachen Region. Wir befragten dazu Jochen Pursche, der auf dem Wilden Robert noch schmalspurig aus dem Döbelner Hauptbahnhof ausgefahren ist und noch durch Neichen, Strehla und Lommatzsch fuhr. Er kennt sich wie nur wenige andere in Deutschland mit unseren Schienensträngen und ihrer Geschichte aus. Ploync: Jochen, was ist eigentlich ein „Streckenbereiser“? Ein ganz normaler Eisenbahnfan. Genau so verrückt wie alle Anderen auch. Nur sein Hobby ist spezialisiert auf das Bereisen, das „Sammeln“ von Strecken. Die Sammeltrophäe ist sozusagen die bereiste Strecke. Je exotischer, um so wertvoller. Vorsicht vor Gebrauch, es ist ein „Suchtmittel“!
Ploync: Wie bist Du in Kontakt mit den Betreibern des Wilden Robert gekommen? Wie oben schon erwähnt, habe ich Erinnerungen an das ehemals viel größere Streckennetz des Wilden Robert, die bis in meine Kindheit zurückreichen. Meine Großeltern wohnten in Döbeln, so machte ich schon als Kind mit ihm Bekanntschaft und nur so gelang es mir zum Beispiel, noch die Schmalspurgleise zum Döbelner Hauptbahnhof oder die Strecke nach Neichen zu bereisen. Zum jetzigen Kontakt kann ich sagen, dass ich den Aufruf zur Rettung des Wilden Robert im Zuge meiner vielen Kontakte zugesandt bekam und mich spontan entschloss, diesen an meinen kompletten Adressenstamm weiterzuleiten. Ich hoffe, viele haben sich beteiligt. Diese kleine Unterstützung ist für mich auch Ausdruck meiner Verbundenheit mit meiner alten Heimat Sachsen. Ploync: Was genau ist eigentlich der Wilde Robert? Der Wilde Robert ist die volkstümliche Bezeichnung für die Schmalspurbahn Oschatz – Mügeln – Kemmlitz bzw. Glossen, die heute hauptsächlich dem Schülerverkehr dient, aber auch regelmäßig vom Verein „Wilder Robert“ im dampfbetriebenen Touristikbetrieb fährt.
Ploync: Welcher Fahrzeugpark wird betrieben? Wie beinahe überall im sächsischen Schmalspurnetz sind natürlich die „IV K“-Loks im Einsatz, die auch, so lange es sie gibt, hier beheimatet waren. An Personenwagen ist ebenfalls der von allen sächsischen Schmalspurbahnen bekannte Wagenpark im Einsatz. Den Schülerverkehr bewältigen Dieselloks. Ploync: Gibt es besondere Events der Betreiber? Nun, da wäre zur Zeit natürlich die besagte Rettungsaktion zu nennen, an der man sich immer noch beteiligen kann. Jede Stimme ist wichtig! Desweiteren lädt der Verein am 15.04. zum „Andampfen“, also den Start der diesjährigen Dampfbahnsaison, nach Oschatz ein. Alle Events kann man auch auf der Website des Vereins www.doellnitzbahn.de nachlesen.
Ploync: Welche Bedeutung hatte die Strecke in der Vergangenheit, welche hat Sie heute? Die heutige Bedeutung haben wir schon umrissen, es ist der Schülerverkehr zwischen Mügeln und der Kreisstadt Oschatz. Und es ist der Tourismusverkehr, der der strukturschwachen Region zusätzliche Einkünfte durch Tagestouristen, aber auch durch Übernachtungen etc. bringt. Natürlich ist die heutige Bedeutung mit der Früheren nicht mehr zu vergleichen. Der erste Abschnitt zwischen Oschatz und Döbeln wurde 1885 eröffnet. Allein die Tatsache, dass der Bahnhof Mügeln einmal als größter Schmalspurbahnhof Europas galt, unterstreicht das. Haupttransportgut waren immer landwirtschaftliche Erzeugnisse. Zur Rübenzeit im Herbst rollte alles was Räder hatte. Es wurden dann sogar Fahrzeuge von anderen sächsischen Bahnen angemietet. Als der Rübenverkehr ab Mitte der 1960'er Jahre nach und nach auf den LKW überging, blieb die Bedeutung der Strecke trotzdem ausgesprochen hoch, denn inzwischen hatte sich die Abfuhr von Kaolin, dem „weißen Gold“ aus Kemmlitz, erheblich ausgeweitet und brachtet der Schmalspurbahn hunderttausende Tonnen Transportgut pro Jahr. Die Entwicklung nach der Wende verlief wie fast überall und war geprägt von Abwicklung und totaler Verlagerung auf die Straße. Heute ist der Güterverkehr völlig zum Erliegen gekommen. Der Personenverkehr spielte im Netz immer eine untergeordnete Rolle, mit Ausnahme der Stammstrecke Oschatz – Mügeln, die ja auch die Zeiten überlebt hat. Ploync: Der Freistaat Sachsen will die Strecke nicht mehr unterstützen. Was passiert wenn dieser Fall eintritt? Dann wird der von Landesmitteln gestützte Schülerverkehr eingestellt und geht auf den Bus über. Und der Verein „Wilder Robert“ steht dann vor dem Problem, den Tourismusverkehr nicht mehr aus eigenen Mitteln stemmen zu können. Was schließlich auch im „Aus“ enden würde. Dabei wurde vor wenigen Jahren erst der schon mal stillgelegte Streckenabschnitt Nebitzschen – Glossen für den Tourismusverkehr wieder aufgebaut! Also auch eine Verschwendung von Steuergeldern, die Strecke jetzt aufzugeben!
Ploync: Wie können unsere Leser den Erhalt des Wilden Robert unterstützen? Wer in der Nähe wohnt und es kann: Öfter mal hin- und mitfahren. Damit das Geld da bleibt, wo es gebraucht wird. Wer es nicht kann oder weit weg wohnt: Erst mal die Rettungsaktion unterstützen. Das kann man von überall aus. Am einfachsten ist es, die Postkarte ausdrucken (Anmerkung der Redaktion: Hier zum Download klicken), seine Adressdaten eintragen und an den Verein senden. Ploync: Jochen, ich bedanke mich herzlich für Deine Zeit und dieses Interview. Rechte an den Bildern liegen bei Jochen Pursche. Wer diese verwenden möchte: Bitte Anfrage an die Redaktion. |
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Hallo Fans der alten Dampfrösser,
Sehr schöner Artikel mit seltenen Fotos. Schade, dass die finanziellen Mittel noch fehlen. Nicht den Mut verlieren und weiter machen. Es lohnt sich.
Beste Grüße
Chr.