| Abschaltung des Internets in Ägypten: Regierung fordert „Wir wollen unsere Macht zurück“ |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Samstag, den 29. Januar 2011 um 11:32 Uhr |
Was sich derzeit in Ägypten ereignet, ist aus mehreren Blickwinkeln äußerst interessant. Denn in der arabischen Welt scheint ein Prozess des Umbruches stattzufinden, der vor allem durch die junge Bevölkerung getragen wird, die nach mehr Demokratie verlangt. Diese nutzt zur Kommunikation vor allem das Internet. Dementsprechend reagierte auch die Regierung und sorgte für eine komplette Abschaltung des Internets in den letzten Tagen. Ägypten geht damit als erstes Land in die Geschichte des World Wide Webs ein, das eine Komplettsperre über dieses moderne Kommunikationsmittel verhängte. Ein Leben ohne Internet, kann man sich so etwas heute überhaupt noch vorstellen? Es wird schwierig, wenn man bedenkt, was heute bereits alles vom Internet abhängig ist. Kommunikation, Datenaustausch und für viele Menschen sogar der tägliche Lohn für ihre Arbeit. Dies sind nur ein paar Punkte, für was das Internet heute genutzt wird. Wenn eine Regierung in einem Land somit zu dem Mittel greift und das Internet im eigenen Land abschaltet, bedeutet dies, dass man das eigene Land in das Informationssteinzeitalter zurück bombt. Denn um das Internet zu desaktivieren ist es notwendig, sämtliche Verbindungen, die eine Kommunikation ermöglichen, zu kappen. Welche Auswirkungen dies annimmt, sieht man derzeit in Ägypten. Wer glaubt, man kann den Informationskanal Internet mit der Abschaltung von Servern lahmlegen, der wird schnell eines Besseren belehrt. Um das Internet zum Schweigen zu bringen, ist es notwendig, sämtliche moderne Kommunikationsmittel zum Schweigen zu bringen. Dies bedeutet Verzicht auf Handy, Telefon, Funk und in Zukunft sogar auf Strom, nämlich dann, wenn die technischen Möglichkeiten eine Übertragung von Daten auch über das Stromnetz im breiten Umfang möglich sind. Man kann sich schnell ausmalen, was dies bedeutet. Zumal wenn man noch die Zeiten kennt, in denen man nicht einmal einen Telefonanschluss im eigenen Haus besaß und man zum Telefonieren immer eins dieser gelben Zellen aufsuchen musste, die sich irgendwo im Umkreis befanden. Der Schritt, den die ägyptische Regierung unternahm um den Protesten Herr zu werden, kann man somit nur als Verzweifelungstat von Menschen betrachten. Und dies in einer Demokratie, oder haben wir hier in den letzten Jahren etwas falsch verstanden? Ägypten zählt doch als Demokratie oder zu mindestens als Republik, was bedeutet, es gibt ein Parlament und einen Präsidenten, welche die Geschicke des Landes lenken. Ein Blick in die Wikipedia bestätigt dies. Dort wird erklärt, in Ägypten existiert derzeit ein semipräsidentielles Regierungssystem. Sempräsidentiell bedeutet, die Regierung besteht aus einem Parlament und einem Präsidenten, wobei der Letztere direkt gewählt wird. Ist dies nun eine besondere Regierungsform, die nur in den arabischen Ländern vorzufinden ist? Mitnichten, unsere Nachbarn in Frankreich haben sich auch für diese Regierungsform entschieden, gleich neben Finnland und Russland. Man kann somit nicht davon sprechen, in diesem Land herrsche eine Diktatur oder ähnliches. Trotzdem gehen die Menschen in diesen Ländern auf die Straße. Ich wage jetzt mal eine These, was die Ursache für diese Proteste sein könnte. Und in dieser stimme ich den Herrschenden von Ägypten zu. Ich sehe die Ursache für diese Proteste ebenfalls im Internet oder besser gesagt im World Wide Web. Die Erfindung des World Wide Webs brachte grundlegende Veränderungen mit sich. In Ägypten und auch in Tunesien konnten sich die Menschen auf einmal umfassender informieren. Sie konnte Gedanken und Erfahrungen miteinander austauschen und sich dadurch schneller eine eigene Meinung bilden. Die Macht der alten Nachrichtensender wurde durch das Internet gebrochen. Und damit auch die Macht über die Kontrolle von Informationen, auch wenn in vielen Ländern diese Kontrolle durch eine Selbstkontrolle ausgeübt wird. Die ägyptische Regierung reagierte auf diese Veränderung nicht und regierte weiter wie bisher. Es gibt hierfür auch noch ein weiteres Paradebeispiel, welches man in diesem Zusammenhang erwähnen kann. Und dies ist das Verhalten der Musikindustrie gegenüber dem Internet. Die Parallelen sind unverkennbar, nur das jeder vormalige Machtinhaber seine eigenen Waffen wählte. Die Musikindustrie in Form von Abmahnungen, was eine stille Protestwelle nach sich zog, und die ägyptische Regierung in Form der kompletten Abschaltung des Internets, was jedoch den Lauf der Geschichte auch nicht aufhalten wird. Die Geschichte wiederholt sich auch in diesem Fall. Anstatt miteinander zu kommunizieren, um zu lernen und zu verstehen, wird versucht Macht und Kontrolle aufrecht zu erhalten. Dieses Vogelstraußverhalten kann letztendlich nur in einer Revolution enden. Oder kurz gesagt. „Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.“ |
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Verbote ermöglichen stets die Freisetzung ungeheurer kreativer Energie. So führte das Internetverbot dazu, dass in kurzer Zeit eine Twitterapplikation vorhanden war, die erlaubt, dass Telefonanrufe als Tweet gesendet werden ins WWW.
Insofern könnte man sogar von einem cleveren Schachzug sprechen ;-)