Skip to content
Site Tools
Increase font size Decrease font size Default font size
Sie befinden sich hier: Home Zeitgeschehen Deutsche Post vermarktet private Adressdaten für Infopostsendungen von Fremdfirmen
Deutsche Post vermarktet private Adressdaten für Infopostsendungen von Fremdfirmen
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Montag, den 08. November 2010 um 05:35 Uhr
deutsche-post-miniVor ein paar Tagen flatterte in meinen Briefkasten ein Katalog vom Möbelhaus Multi-Möbel. Bei solchen Sendungen frage ich mich natürlich als Erstes, habe ich dort jemals etwas gekauft oder wie kommen die an meine Adresse? Ein Blick auf die Rückseite beantwortete mir diese Frage sehr schnell. Kunde bin ich bei Multi-Möbel noch nicht und die Adresse erhielt das Unternehmen von der Deutschen Post direkt GmbH.


Ich fasse noch einmal kurz meinen ersten Eindruck zusammen. Adressen für Infopost werden von der Deutschen Post direkt GmbH, anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt, damit diese im Auftrag der Post, Infopost versenden können. Der Vermerk auf der Rückseite des Katalogs schien dies zu bestätigen. Und ein Blick auf die Webseite der Deutschen Post direkt GmbH räumte letztendlich auch die letzten Zweifel aus. Dort kann man unter der Rubrik Adressqualität und Datenschutz nachlesen. Zitat: “Deutsche Post Direkt vermarktet personenbezogene Daten nach den Regelungen des § 29 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Neben Name und Anschrift gehören dazu bspw. auch Echtinformationen, z. B. zu Konsumverhalten und Kaufabsichten.“

deutsche-post-infopost

Die Deutsche Post sammelt also Daten über jede Person in Deutschland, die einen Briefkasten besitzt und vermarktet diese Daten zu Werbezwecken weiter. Denn wenn man in demselben Dokument zur Adressqualität weiter herumstöbert, stößt man unter anderem auch auf folgende Aussage. Zitat: „Die Datenbank mit mehr als 95 Mio. aktuellen und ehemaligen Privatadressen ist in Deutschland einzigartig hinsichtlich Größe, Vollständigkeit und Aktualität.“ Dies sind also 95 Millionen Adressen bei einer Einwohnerzahl von rund 82 Millionen und 40,2 Millionen Haushalten in Deutschland. Wenn die Deutsche Post somit nicht jeden Einwohner in Deutschland in ihrer Datenbank gelistet hat, dann weiß ich auch nicht weiter.

Zum Schluss schoss mir noch ein weiterer Gedanke durch den Kopf. Gibt es nicht seit 2009 ein neues Datenschutzgesetz, welches die Bürger in diesem Land vor solchen ungewollten Zusendungen schützen sollte? Auch in diesem Punkt wurde ich eines Besseren belehrt. Keine Gesetze ohne Ausnahme. Und im Fall der Deutschen Post kann man nachlesen. Zitat: „ Ohne Kenntnis der Ursprungsquelle ist die Nutzung von Daten zur Neukundengewinnung nur zulässig, wenn für den Betroffenen die für die Nutzung der Daten verantwortliche Stelle (Adresshändler) aus dem Werbemittel eindeutig erkennbar ist und die Daten an einen Dienstleister (Lettershop, Rechenzentrum) geliefert werden. Demnach ist die Ihnen bekannte Miete von Consumer-Adressen aus der Vermietdatenbank weiterhin möglich, wenn die Lieferung an einen von Ihnen beauftragten Dienstleister erfolgt und Deutsche Post Direkt als verantwortliche Stelle im Werbemittel genannt ist.“

Die Deutsche Post darf also regulär über ihr Tochterunternehmen Deutsche Post direkt GmbH weiterhin Adressen von Endverbrauchern an Drittunternehmen vermitteln, wenn der Versand der Infopost über die Deutsche Post erfolgt. Mit dem neuen Gesetz dürfte somit jedes Unternehmen, welches an Adressen von Endverbrauchern direkt herankommt und gleichzeitig ein Adresshändler ist, diese weiter verwenden und  Drittunternehmen überreichen, sofern die Ursprungsquelle genannt wird. Bei diesem Gedanken musste ich sofort auch an Paketdienste, wie Hermes und UPS denken. Zum Glück habe ich aber von denen noch keine Infopost erhalten.

Ich persönlich empfinde solche Zusendungen einfach nur als nervend. Dagegen rechtlich vorzugehen, halte ich aber auch nicht für sinnvoll. Wozu auch. Der Stress mit einem Anwalt und die zusätzlichen Kosten würde schließlich ich tragen müssen und an dem Gesetz würde sich dadurch auch nichts ändern. Stattdessen habe ich mir den Katalog geschnappt, meine Adresse mit einem dicken Edding durchgestrichen und auf die Vorderseite vermerkt „Annahme verweigert“. Der Katalog landete im nächsten Briefkasten und die Deutsche Post erhielt zusätzlich von mir einen Brief, indem ich der weiteren Verwendung meiner Daten zu Infopostzwecken widersprach und um Auskunft meiner gespeicherten Daten bat. Mal sehen ob dies hilft.



Quellen und weitere Infos: Deutsche Post – Adressqualität und Datenschutz, Deutsche Post direkt GmbH, Statistisches Bundesamt Deutschland – Einwohnerzahl und Haushalte 2009, Bundesministerium der Justiz - §29 Bundesdatenschutzgesetz, Brief - Widerruf und Auskunftsersuchen bei der Deutschen Post



 
Kommentare (0)

"Kommentar schreiben

[b] [i] [u] [s] [url] [quote] [code] [img]   

Sicherheit

Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.

Folge uns

rss-mail

Facebook Button

twitter_newbird_boxed_blueonwhite

Neuste Kommentare

  • Penny said Mehr...
    Jens:

    Zunächst mal ist es eine Freude, deine...
  • Micha said Mehr...
    Bei mir wurde jetzt 4 Tage nach digitaler Überm...
  • Micha said Mehr...
    Auch ich bin seit Freitag gesperrt. War gerade ...
  • Ronny said Mehr...
    Zum Glück scheinen sich diese Erkenntnisse auch...
  • Pia said Mehr...
    Klar ist der Zustand des Sozialsystems furchtba...