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Heftige Partynacht in Barock-City: "Mach'n Gobb zu Alder"
Geschrieben von: Jens   
Dienstag, den 07. September 2010 um 16:40 Uhr
bild-evil-smileyEmpfindliche Gemüter seien gewarnt. Dieser Artikel hat das Potential zur Beschleunigung Ihrer Herzfrequenz: Nach einem nächtlichen Partyausflug in der sächsischen Landeshauptstadt frage ich mich, wohne ich in unter Wilden?




Schon mehrmals überlegte ich, etwas über einige meiner Mitbürger zu berichten. Die mir immer wieder mit ihrem, für mich nicht nachvollziehbaren, Verhalten auffallen. Sei es Aggressivität, Unfreundlichkeit oder das Leiden unter einer unerklärlichen Form des "gehetzt seins".

Bisher habe ich das vermieden. Um Ungerechtigkeiten und pauschale Aburteilungen zu vermeiden. Solche Dinge sind immer stark subjektiv eingefärbt. Letzten Samstag platzte mir allerdings der Geduldsfaden. Eine solche Häufung von absonderlichen Verhalten, war auch für mich neu.

Die Ausgangssituation

Eine Party im Norden der Stadt. Scooter, Marusha und weitere Mainstreambarden des 90'er Techno waren angesagt. Nicht unbedingt mein Publikum und meine Musik. Na schön, man kann es zur Abwechslung mal "mitnehmen". Ein Freund hatte mich schon so oft nach meiner Teilnahme gefragt, das ich diesmal nicht abschlagen wollte. Leider fehlten er und seine Crew gerade an diesem Abend komplett. Die Veranstaltung langweilte mich sehr schnell. So war schon 1.30 Uhr Ortswechsel angesagt.

Begleitet wurde ich von meiner Freundin und einer weiteren jungen Dame. Sie trugen einen völlig gängigen, normalen Look. Keinesfalls provokativ oder aufreizend. Mit Jacken, die nicht aus dem Rahmen fallen. Ich war ebenso mit einer unmöglich das Potential zur Polarisierung besitzenden, sportlichen Jacke unterwegs. Also sollten sich weder Rechts noch Links, Alternativ oder Mainstream, Urban oder Dorf, Technos oder Rocker, und welch Gruppierungen es sonst noch geben mag, rein optisch von uns provoziert fühlen.

Die freundliche Tanke

Zu fortgeschrittener Zeit lässt sich die "Elektrische" nur noch stündlich sehen. So wurde ein kleiner Fussmarsch beschlossen, den wir uns mit einer Flasche Wein von der Tankstelle um die Ecke verkürzen wollten. Diese Idee hatten auch Andere.

Vor uns ein Pärchen mit einem, augenscheinlich, weiteren Bekannten. Die Wartezeit verkürzte ich mit etwas lockeren Smalltalk. Mir ist klar, nicht jeder mag meine direkte, gesprächige Art. An diesem Abend, fanden alle Anwesenden unsere Plauderei ganz offensichtlich sehr amüsant. Bis auf den "Bekannten". Irgendwie konnte er wohl wortschatzmäßig bei unserem Kleinen, von Bonmots gespickten Gespräch, nicht ganz mithalten. Aber auch er sollte noch seinen Beitrag leisten: Schon nach kurzer Zeit fing er, wie ein Automat, in meine Richtung an zu brabbeln:

"Mach'n Gobb zu Alder". "Mach'n Gobb zu". "Mach'n Gobb zu Alder".

Immer und immer weiter. Ohne Ende. Irgendwie gelang es mir, das monotone Artikulieren der wenigen Silben zu irgnorieren. Wir hatten ja auch Spaß dabei. Schräg war es trotzdem, denn freundlich waren die Worte nicht vorgetragen. Sein Ende fand die bizzare One Men Show erst, als das Pärchen seine Getränke ausgefasst hatte und weiterging.

Ach ja, für alle Nicht-Dresdner: "Mach'n Gobb zu" heisst: "Halt die Fresse." Üblicherweise wird diese Formulierung nicht in einem freundlichen Kontext benutzt. "Sonst gibt es Prügel" schwingt in den Worten stets stark mit.

Dann waren wir auch schon dran. Ein wenig dreist mag sein, das wir die Öffnung der Weinflasche erbaten. Da kein Öffner in der Tanke zur Hand war, bot uns die freundliche Dame hinter der Scheibe an, irgendeine Flasche mit Schraubverschluß zu bringen. Ja was soll's, wir waren nicht auf Feinschmeckertour. Das Suchen dauerte 2 Minuten. Na und siehe da, jetzt ging das Gemeckere und Gestänkere hinter uns los. Wer hat sich denn da zu uns gesellt?

Drei Jünger der Dreadlock-Fraktion im Strickpullover. An der Tanke kein Betrieb. Nur wir und die Bob Marley Typen. Na aber Hallo, meine Lieben. Schreibt nicht gerade ihr euch die Toleranz immer so fett auf die Fahnen? Es ist Samstag, alle wollen feiern und ganz bestimmt keine negativen Schwingungen. Fehlte denen der Stress aus dem Büro? Oder hatten sie heute noch nichts geraucht?

Der Rammstoß

Die beiden Vorkommnisse waren schnell verdrängt. Wir schlenderten eine leicht abschüssige Straße bergab. Der Fußweg reichte gerade für 3 Personen, so das wir mit Körperkontakt nebeneinander liefen. Wir waren in eine lebhafte Unterhaltung vertieft.

Plötzlich schossen zwei junge Männer durch uns hindurch. Wir flogen gemeinschaftlich zur Seite. Sie rannten und rannten. Um was nur? Kein Mensch weit und breit. Außer uns und den Beiden tollkühnen Sprintern. Ja ich gestehe: Natürlich rief ich ihnen eine bissige Bemerkung hinterher. 

Der Lohn kam prompt.

Ihr hattet echt knackige Ärsche Jungs!!!

Respekt und Danke. Und die auf offener Straße so auszupacken. Schöne Show. Wäre der Schreck und der leichte Schmerz nicht gewesen, ich hätte für die kleine Nummer sogar noch was bezahlt.

Alarm am Döner

10 Minuten später. Äußere Neustadt. Wir standen vor einem türkischen Restaurant. Eigentlich wollten wir einen der köstlichen Burger aus der "Kantine" vertilgen. Doch ein Dürüm oder Döner, ist als kleine Stärkung nach dem Gehopse auf der Party auch nicht zu verachten.

Beratend standen wir vor dem Laden. Das bemerkte der sehr nette Inhaber. Er winkte uns ausgelassen zu und deutete an, wir sollten herein kommen. Wir winkten nun zurück und alberten mit dem Mann ein wenig herum. Friedlich, lächelnd , ganz entspannt. Wir hatten wirklich, alle zusammen, Spaß.

Bumm, Krach, Zack!!! Was war das?

Schon saß mir der nächste Rammstoß mit voller Wucht im Rücken. Wieder von hinten und aus dem Dunkeln kommend. 5 Meter weiter sah ich noch, wie der Übeltäter eine junge Frau, die wir nicht kannten, mit brachialer Gewalt aus dem Rennen heraus packte und zu Boden warf.

Spätestens jetzt war ich wirklich ein klein wenig wütend. Ich schrie der Pappnase deutlich hinterher, "was die Scheiße solle". Er war tapfer und kam zurück. Es kam zu einem recht heftigen Wortwechsel. Natürlich war auch bei mir das Adrenalin eingeschossen.
Für solche Fälle schalte ich stimmlich dann immer auf sehr klar, deutlich, überlegen und akzentfrei um. Ich mag keine Prügeleien.

Fragte den Knilch immer wieder: "Was soll das? Was willst Du?"

Und nun die Antwort des energischen jungen Kämpfers an mich:

"Du Scheißdreckswessi. Ich habe genau gesehen, wie ihr den Türken geärgert habt."

Diese Aussage bedarf, ob ihrer Absurdität, keines weiteren Kommentars. Irgendwann zog der Typ von dannen und ging in den Döner.

Auf Nummer sicher

Natürlich ist man, nach mehreren solchen Aktionen hintereinander, emotional aufgebracht. Die Krone setzte jetzt noch auf, das ich in einer recht bekannten Tanzlokation nach meinem Ausweis gefragt wurde. Ich sehe also wie unter 18 aus? Tolles Kompliment.
Meinen Ausweis führe ich, zugegeben, nie bei mir wenn ich ausgehe. Eintritt erlangte ich schlussendlich nur, weil meine Begleitungen in dieser Örtlichkeit besser bekannt sind als ich.

Später wurde ich dann aufgeklärt. Es handelt sich um eine gelegentlich durchgeführte Sicherheitsmaßnahme. Sie soll gewährleisten, das im Falle von "Schwierigkeiten", alle Besucher einen Ausweis bei sich haben. Dadurch soll die Feststellung der Personalien und die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen, besser möglich sein.

Dieser Samstag brachte mich ernsthaft zum Grübeln.
Meine Frage an die werte Leserschaft: Was soll man über einen Ort denken, in welchem solch ein Geist herrscht? Es zu solch einer Konzentration von Aggressivität und Angst gekommen ist?

Oder bin ich einfach zu alt? Kann nicht verstehen, das eine gute Portion "harter Umgangston" und "körperliche Gewalt", heute eben einfach dazu gehören.

In Dresden.



Bildquelle: Evil Smiley Face von KaCey97007 auf flickr.com hochgeladen





 
Kommentare (2)
  • avatarAnonym

    Komm nach Seoul. Hier sind die Leute freundlich, zuvorkommend, für Späße zu haben und wenn mal Not am Mann ist, auch hilfsbereit. Nur mit dem Englischen hapert es hier noch ein wenig. Aber dafür ist kann man das Nachtleben hier auch wirklich noch so nennen. Früh um 2 Uhr - mitten in der Woche - noch volle Fußgängerzonen, offene Geschäfte und Leuchtreklamen, wohin das Auge sich verirrt. :)

    Seoul ist übrigens auch eine der sichersten Städte der Welt. Das hab ich nachgeguckt, nachdem mir in 5 Tagen Aufenthalt nicht einmal eine Polizeisirene zu Ohren kam.

  • avatarJens Färber  - schöner Tip

    Asien wollte ich schon immer einmal besuchen.

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