| Das tragische Ende der Loveparade |
| Geschrieben von: Jens |
| Dienstag, den 27. Juli 2010 um 05:10 Uhr |
Die unfassbaren Ereignissen auf der Loveparade in Duisburg haben mich, auch auf Grund eigener Erfahrungen in der Vergangenheit, aufrichtig sehr betroffen gemacht. Allen Menschen die geliebte Kinder, Enkel, Urenkel, Verwandte, Freunde und Bekannte verloren haben, will ich mein herzliches Beileid aussprechen. Das es gerade auf dieser ausgelassenen Veranstaltung, die auch noch den Namen der Liebe trägt, zu diesen Ereignissen kam, ist besonders dramatisch.Die grauenhafte und von Angst geprägte Situation, in der sich die Verstorbenen, Verletzten und auch die zum Glück unversehrt gebliebenen Besucher befanden, ist sicher nur schwer in Worte zu fassen und zu verstehen. Oft liest man nun in der Presse, das eine aggressive und überreizte Stimmung vor Ort geherrscht hat. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Auf einem kürzlich hier von mir eingestellten Bericht über die BRN 2010, konnte ich ebenfalls Situationen mit angestauten Menschenmassen persönlich erleben. Immerhin drängen sich an 3 Tagen 100.000 bis 150.000 Besucher durch die engen Straßen der Dresdner Neustadt. Ich fühlte mich in diesen Mengen ebenfalls eingesperrt und bedrängt. Auch hier sah ich gereizte und aggressive Menschen. Von eine Panik war die Situation dort stets noch weit entfernt. Zumal man sich auch nicht in einem abgesperrten Gelände befand. Trotzdem kann ich ein wenig die Situation nachempfinden, in welcher sich vorgestern die Menschen befanden. Interessant ist deshalb ein Augenzeugenbericht, den Sie hier finden. Der Besucher der Loveparade beschreibt die Situation sehr plastisch. Schön finde ich, das er auch von sehr vielen hilfsbereiten Menschen spricht, die sich in der schlimmen Lage eben doch noch gegenseitig unterstützt haben. Ob es nun Not tut die Veranstaltung für immer abzuschaffen, wage ich , mit allem Respekt, vorsichtig zu hinterfragen. Wäre das wirklich im Sinne der Verstorbenen? Eine Veranstaltung die Trotz Ihres so unglaublich schrecklichen Ausganges in diesem Jahr, doch stets so lebenbejahend war. Freilich sind die jetzt zu vernehmenden Reaktionen der Veranstalter und aller Involvierter nur allzu menschlich und sehr gut zu verstehen. Weniger nachvollziehen kann ich die Reaktion von Eva Hermann. Die ehemalige ARD Nachrichtenlady hatte sich schon in der Vergangenheit mit hochgradig konservativen und rückwärtsgewandten Meinungsäußerungen, selbst in ein zweifelhaftes Licht gerückt. Jetzt allerdings den Moralapostel nach diesen Vorfällen zu spielen und die Schuld in einer allgemeinen Verderbtheit der Welt zu suchen, das ist eine wahrlich traurige Weltsicht. Selbst besuchte ich die Parade nur einmal. Das war im Jahr 1993. Der Umzug zog dabei noch über den Ku'damm. Mit ein paar Bekannten fuhren wir seinerzeit nach Berlin. Die Jungs waren ausgemachte Technojünger und wollten mich sozusagen auf den Höhepunkt des Jahres in der „Szene“ mitnehmen. Da mich die Musik interessierte, war ich dabei. Von einer Loveparade hatte ich zugegeben noch nie etwas gehört. Im Trabant ging es damals nach Berlin. Friedlich und ausgelassen tanzten wir zusammen mit, ich erinnere mich es müssen ca. 20.000 Teilnehmer gewesen sein, hinter den wummernden Wagen durch Berlin. Das war eine wirklich schöne Veranstaltung. Der ursprünglich politische Hintergrund der Veranstaltung, begann damals bereits ein wenig in Vergessenheit zu geraten. Trotzdem gefiel mir der progressive Spirit, der die Loveparade begleitete. In den Jahren danach wurde mir der Rummel zu viel. Ich bin, wie schon erwähnt, kein Freund davon mich durch Menschenmassen zu drängen. Trotzdem nahm ich das bunte und ausgelassene Treiben in Berlin, immer sehr wohlwollend wahr. Es ist mit Worten nicht zu beschreiben was passiert ist und sehr schade, das gerade diese Veranstaltung so enden musste. Schwer vorstellbar das sich je nochmal jemand wagen wird, unter dem Namen „Love Parade“ die Menschen zum ausgelassenen Feiern einzuladen. Bei all der Trauer und dem vielen Schmerz erscheint es fast wie ein böser Traum, das gerade die Loveparade auf diese Art enden muss. Mit ihr verschwindet ein Stück weit auch eine gewisse Art zu Leben. Die ich nicht als Sodom und Gomorrha, sondern als unverkrampft bezeichne. Jetzt eine Schlammschlacht um Schuldige zu führen oder das Ereignis medial auszuschlachten, ist ein wenig pietätvoller Weg, der hoffentlich nicht beschritten wird. Mögen die schwer getroffenen Angehörigen nun in Ruhe die Gelegenheit zu ihrer Trauer erhalten. In Würde und Respekt. ![]() Bildquelle: Auf Flickr.com hochgeladen von vali... |
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