| 20 Jahre "Bunte Republik Neustadt" – Bilder aus einem Kleinstaat der zur Party wurde |
| Geschrieben von: Jens |
| Montag, den 21. Juni 2010 um 05:14 Uhr |
Dresdens bekanntestes Stadtteilfest feierte dieses Jahr sein 20. Jubiläum. Gerüchte das es sich um die letzte Party dieser Art handeln sollte, wurden bereits dementiert. Das wäre auch sehr schade, denn wer ein paar Regeln beachtet, kann auf der BRN jede Menge Spaß haben.Es war im Jahr 1990. Die Zeit des „wilden Ostens“. Eine neue Nation wurde mitten in Dresden gegründet. Die „Bunte Republik Neustadt“. Schon die Mickey Mouse im Wappen lies erahnen, ganz Ernst kann die Angelegenheit nicht gemeint gewesen sein. Doch hinter der humorvollen Fassade, steckten durchaus engagierte Absichten einiger Andersdenkender. Es ging um neue Lebensformen jenseits des bürgerlichen Einheitsbrei, der in Kürze den frisch befreiten Ostdeutschen serviert werden sollte. Und den man mit Aussicht auf die erhofften Konsumexszesse sich auch zu gerne übergießen lies.Aus dem politischen Anliegen von Einst, wurde zwischenzeitlich eine große Straßenparty. Die bisherigen Veranstalter möchten deshalb das Zepter abgeben, da die heutige BRN nichts mehr mit ihrem eigentlichen Anliegen gemein hat. Vor wenigen Jahren gab es bundesweit negative Schlagzeilen, da sich einige gewaltbereite Mitfeiernde genötigt fühlten, ein wenig Randale zu veranstalten. Mit dem in späteren Jahren installierten Polizeiaufgebot, sind diese Zustände mittlerweile Geschichte. Große Teile der Äußeren Neustadt, rund um die Partyzone, werden von der Polizei abgesperrt. Wer mit verdächtigem Gepäck oder mit Glasflaschen anreist, bekommt selbiges abgenommen. Dosen und Plastikflaschen dürfen jedoch mitgenommen werden. Auch in den Spätshops und ungezählten Getränkeständen wird Flaschenbier grundsätzlich in Kunststoffbechern ausgeschenkt. Bei Preisen zwischen 80 Cent für die Dose 0,5 Liter Paderborner bis maximal zwei Euro der halbe Liter Gerstensaft, kann man auf Mitgebrachtes jedoch auch getrost verzichten. Eine sehr sinnvolle Sicherheitsmaßnahme ist das Glasflaschenverbot in jedem Fall. Mir fiel durchaus auch das bewusst wenig provokante Auftreten der Polizei, im Unterschied zu anderen Jahren, positiv auf. ![]() Die eigentliche Party findet in der Hauptsache auf der Rothenburger-, Görlitzer-, Louisen-, Alaunstraße und rund um den Marthin Luther Platz statt. Hier verteilen sich im Abstand von stets nur wenigen Metern Bands, DJ's und Getränkestände. Viele Bars und Restaurants haben kleine Gebiete abgegrenzt, hinter denen sie auch Sitzplätze anbieten. Selbst Letztgenannte bringen teilweise erstaunliche Musikanlagen mit, um die Aufmerksamkeit des vorüberziehende Partyvolkes zu erhaschen. Dabei ist es erste Aufgabe, einen möglichst hohen Schalldruck zu erzeugen. Was erstaunlicherweise wirklich dazu führt, dass man im Abstand von teils nur 10 – 15 Meter sich in zwei völlig unterschiedlichen Musikzonen, mit jeweils ohrenbetäubender Lautstärke befindet. Mit dem einstmals politisch motivierten Stadteilfest, welches ich als eher (relativ) ruhig empfand, in dem Kleinkunst stattfand und auch einmal ein ungewöhnlicher Film auf eine Hauswand projeziert wurde, hat die BRN heute nichts mehr zu tun. Das kann man bedauern, doch ist nun einmal Stand der Dinge. Wer Freitag auf die BRN geht, findet eine sehr gut besuchte, doch nicht überfüllte Party vor. An den Ständen kann man gut feiern und es wird überall auf der Straße getanzt. Eine wirklich hübsche Geschichte, bei der jeder Feierwillige ordentlich Spaß haben sollte. Das Publikum ist ausgelassen und in bester Laune. So viele junge und hübsche Damen, sieht man in unserer stark überalternden Stadt nicht oft. Samstags bietet sich ein anderes Bild. Die Straßen sind auf nervtötende Weise restlos überfüllt. Unmengen von eher passiven Besuchern verstopfen das Areal. Ein Fortkommen ist kaum noch möglich, oftmals steckt man in den Menschenmassen schlicht fest. Heute sind auch die Dresdner zum „Exoten gucken“ zu Besuch, die sonst tunlichst einen Bogen um die Neustadt machen. Das behindert natürlich auch die Tanzwütigen enorm. Die Stimmung ist aggressiver. Da kann man schon mal eine mehr oder minder gezielte Bierdusche erhalten. Oder man streitet sich kleinlich um einen als Durchgang missbrauchten Biergarten vorm „Max“. Denn das anwesende konservative Publikum möchte sich nicht von am Tisch Vorüberlaufenden stören lassen, um sich in Ruhe an den passierenden Massen ergötzen zu können. Am Albertplatz gab es auch kleinere Prügeleien. Letztlich sind das jedoch nur ärgerliche Randerscheinungen. Diese existieren, doch man sollte sie nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Die BRN ist in den Abendstunden keine Veranstaltung für den Familienausflug mit Kindern. Samstags also ein völlig anders Bild der Party, was aber letztlich von den Besuchern geprägt wird. Mein Tip: Wer einmal auf die BRN möchte, sollte unbedingt Freitags gehen. Da lässt sich trefflich Party feiern. Samstag ist der Laden einfach nur gnadenlos überfüllt und ein Teil des Publikum weniger in Party-, sondern mehr in Beobachterlaune. ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() '*![]() ![]() Quellen: dieneustadt.de: Die letzte BRN |
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