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Endlich gute Karrierechancen für Kriecher, Kleinbürger und Angepasste
Geschrieben von: Jens   
Mittwoch, den 09. Juni 2010 um 05:06 Uhr
angepasste-studenten-startWas waren das für Jahre, diese vergangenen Zwei. Oder waren es doch Drei? Wann sind wir nochmal an der Kernschmelze des Weltfinanzsystems, in Form der übel gebeutelten Lehman Brüder, knapp vorbeigeschlittert? Gefühlte 15 Jahre des Niedergangs und wirtschaftlichen Elends. Ich gebe zu, auch mein Portfolio sieht nicht mehr so rosig aus. Gerade die Bänker traf's ganz hart. Da musste schon mal der vorbestellte Bentley einem schnöden 5er aus München weichen. Und diese ganze Verelendung der Bevölkerung. Schrecklich. Finden Sie nicht auch? Immer mehr Menschen bleiben außen vor und müssen ein tristes Dasein am Rande der Gesellschaft führen. Doch für eine Spezies gab's kürzlich endlich einmal etwas Positives zu erfahren: Den Katzbuckler.




Und da sag ich konsequent Gott sei Dank und Danke schön. Es gab mal Zeiten, da war der gemeine deutsche Student eine Triebfeder der gesellschaftlichen Entwicklung. Und genau hier ist doch die Ursache all des wirtschaftlichen Übels zu finden. Bei unseren Studenten lief jahrelang irgend etwas ganz gewaltig schief. Nicht nur das die schlauen Burschen und Mädchen in ihren stillen Kämmerlein fleißig lernten, um die Welt mit den allerhübschesten Erfindungen zu erquicken. Nein, sie waren auch noch widerspenstige, vaterlandsloseangepasste-studenten-1 Gesellen.

Elendliches, undankbares Pack. Da zahlt ihnen Volk und Kanzlerin über viele Jahre eine grundsolide deutsche Bachelor, meinte Diplomausbildung. Und was tut dieser überhebliche studentische Moloch? Geht auf die Barrikaden, hat an den gesellschaftlichen Zuständen zu meckern, will mehr Bafög, bessere Lernbedingungen. An diese Aufstände 1968, welche die Republik an den Rand des gesellschaftlichen Zusammenbruchs brachten und eine Zeit von Unzucht und Sittenverfall nach sich zogen, will ich gar nicht erst denken.

Doch damit ist nun Schluss. Wir haben Krise. Schlimmer. Wir stecken tief in der größten Depression seit 80 Jahren. Das erkennt auch das studentische Volk und beginnt, sich von seinem destruktiven Gedankengut endlich Schritt für Schritt zu lösen. Ich lob es mir, dass endlich auch das angehende Akademikervolk anfängt aufzuwachen, zu begreifen und sich wieder wie gute Untertanen, oh Entschuldigung, ich meine Staatsbürger aufzuführen.

Jetzt fragen Sie woher ich das weiß? Freilich, ich in meinem gesetzten Alter nicht aus eigenem Erleben. Doch gar regelmäßig studiere ich die Onlinegazetten und stieß dort vor einigen Tagen, in der Zeit-Online, auf hochinteressante Leitfäden zum Handeln für den modernen Studenten („Gestalten Sie Ihr Profil“ & „An der Universität bluffen alle“). Können Sie sich vorstellen wie groß mein Aufatmen war, als ich von Professoren und Medienexperten bestätigt bekam, dass es wieder vorwärts geht im Lande. Hier werden Menschen geformt, wie wir sie in unserem Staate brauchen: Angepasst, Rücksichtslos und ohne eigene Meinung.

angepasste-studenten-2Natürlich. Tun Sie doch jetzt nur nicht so überrascht. Genau das brauchen wir. Wer im Kampf gegen die wirtschaftlichen Gefahren aus Nord, West, Süd und Ost bestehen will, kann auf altbackene Ideale und überholte Moralvorstellungen keine Rücksicht mehr nehmen.

Die gute alte Hackordnung gilt wieder: bigottes Einschmeicheln beim Professor, zurechtlegen von trendigen Fragestellungen, andere Studenten richtig schön alt aussehen lassen und was nicht passt, dass wird frisiert. Bis hin zum eigenen Namen. So sieht die studentische Welt von heute aus und wird, so nehme ich nach dem Studium der Texte an, von allen deutschen Studenten fleißig und brav so gelebt.

Das Motto des Studenten von heute ist, ganz im Sinne der MTV Show, welche den jungen Menschen in jahrelanger Kleinarbeit das letzte bisschen Revoluzzer aus dem Hirn gewaschen hat: „Pimp my Lebenslauf – The Show must go on“. Substanz ist in dieser schönen neuen Welt nichts, der Schein ist alles.

Wissen Sie, ich finde es gut, das in unseren Medien die jungen Menschen, welche sich auf das Studium vorbereiten, so umfassend über die akademische Welt informiert werden. In der sie schließlich bald mehrere Jahre zubringen müssen. So haben sie einen Leitfaden und können von Anfang an gleich alles richtig machen.

Irgendwie scheint mich an der Sache allerdings noch etwas zu stören. Ich habe so ein flaues Gefühl im Magen. An was erinnert mich das nur? Angepasste Menschen ohne eigene Meinung, die blind einem vorgegebenen Ideal nacheifern sollen? Gab es das schon mal?

Ich hab's! Das ist ja wie in der DDR. Na super. Da war doch auch alles bestens! Ich muss mir also keinerlei Sorgen machen.

studenten-opportunisten-angepasste-schafe-1



Bildquellen:
Attituede Study: auf flickr.com hochgeladen von Ramona.Forcella
Demo - gegen Studiengebühren - Mannheim: hochgeladen auf flickr.com von quox / xonb
DSC0815 (Schafe): auf flickr.com hochgeladen von Capellmeister
DDR impressies van een verdwenen Republiek: auf Flickr.com hochgeladen von FaceMePLS



 
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