Wachstum, Wachstum über Alles – Wo liegen die Grenzen des Wachstums?

wachstum-fruehjahrZum Ende des letzten Jahres, sprach ich mit mehreren Menschen, in erster Linie Unternehmer und Selbständige. Ich fragte sie, was sie sich für nächstes Jahr vornehmen würden und die häufigste Antwort war. “Ich will mit meinem Unternehmen weiter wachsen.” Okay soweit so gut, doch eins interessierte mich aufgrund dieser Antwort brennend, wie weit sie wachsen möchten. Meistens erntete ich fragende Blicke oder ein Achselzucken, doch viel mehr konnte man mir nicht sagen. Mich wunderte diese Reaktion weniger, denn durch unsere Gesellschaft ist der Gedanke an Wachstum fest in uns verwurzelt. Wachstum scheint die Lösung für all unsere Probleme zu sein. Ich sehe dies etwas anders, denn grenzenloses Wachstum ist der schnellst Weg zum Zusammenbruch.

Techniker, Physiker und Mathematiker wissen es seit längerem schon: Wenn etwas unbegrenzt wächst dann bricht es irgendwann auch zusammen. Doch unsere Gier nach Wachstum scheint grenzenlos. Jeder will wachsen, irgendwie und irgendwohin. Nur wissen die Meisten scheinbar nicht wo ihre Grenzen des Wachstums liegen. Ich beobachte dies seit Jahren mit Erstaunen und frage mich, warum viele Menschen erst zusammen brechen müssen, bevor sie verstehen, dass grenzenloses Wachstum in einer begrenzten Welt unmöglich ist. Einen Beleg dafür, das Gegenteil zu beweisen, habe ich bisher nicht gefunden. Bei uns Menschen ist dies unter anderem der Tod, mit dem jegliches Wachstum beendet wird. Wenn aber grenzenloses Wachstum nicht möglich ist, wo liegen dann die Grenzen? Und wenn es Grenzen gibt, sind diese bereits gesetzt oder können diese von uns selber gesetzt werden?

Growth
Image by:Alec Couros

Eine Grenze des Wachstums kennen wir alle. Diese erlebt jeder Mensch in seinem Leben. Ich spreche nicht von unserer Lebenszeit sondern von unserer Größe. Der Mensch wächst bis zu einem bestimmten Punkt und ab diesem geht es wieder leicht abwärts. In der Natur kann man dasselbe Schauspiel erleben. Das Wachstum erreicht irgendwo immer eine natürliche Grenze. Alles was danach kommt ist entweder ein stabiler lang anhaltender Zustand oder ein schneller Zusammenbruch. Diese Naturgesetze gelten selbst für Organismen, die sich scheinbar grenzenlos vermehren. Doch viele Menschen glauben, man könne diese bestehenden Gesetze einfach überwinden. Meistens mit katastrophalen Folgen.

tree growth
Image by:Di Bédard

Ich beobachte dies immer wieder bei jungen Unternehmen oder Menschen die gerade etwas Neues anpacken. Zum Beginn ist alles erst einmal auf Wachstum getrimmt. Junge Unternehmen suchen sich die ersten Kunden, testen neue Produkte oder Dienstleistungen aus, verdienen ihr erstes Geld und irgendwann mit Fleiß und etwas Glück sprudeln die Einnahmen kontinuierlich ins das Unternehmen. Dasselbe wenn sich neue Vereine, Organisationen oder Parteien gründen. Am Anfang herrscht Euphorie und Aufbruchstimmung. Man scheint grenzenlos wachsen zu können und freut sich über jede noch so kleine Errungenschaft. Wer sich einmal an diesen Zustand gewöhnt hat, scheint zu glauben, dies würde immer so weiter gehen.

Filming growth
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Das Erwachen kommt meistens schneller als man denkt. Verschiedene Grenzen konnte ich dabei beobachten. Eine der häufigsten Grenzen ist die Zeit. Diese zwingt viele Planungen und begonnene Aktionen schnell in die Knie. Als Nächstes wäre der Mensch selber. Gerade bei schnell wachsenden Unternehmen, aber auch Vereinen, wird die Grenze sehr oft durch verfügbares Personal erreicht. Eine weitere Grenze ist die Anzahl der möglichen Interessenten oder Kunden. Wenn man als Unternehmen schnell wächst und auch immer das passende Personal findet, wird man schnell an die Grenzen der eigenen Produktpalette gelangen. Will man weiter wachsen muss man neue Absatzmärkte erschließen. Geld ist natürlich auch eine Grenze, wenn auch eine von Menschenhand geschaffene. Wo Geld im Überfluss vorhanden ist, können natürliche Ressourcen wie Bodenschätze eine weitere Grenze darstellen. Solche Grenzen finden wir überall. Selbst der Spruch “Die Gedanken sind frei” ist Grenzen unterworfen. Meistens den eigenen, auf jeden Fall aber der Zeit.

growth spurt
Image by:sookie

Wenn wir somit anerkennen, dass Grenzen vorhanden sind, wieso Überschreiten wir diese Grenzen immer wieder? Ich denke, dies liegt an der Wesensart des Menschen, eigene Grenzen immer wieder neu abstecken zu wollen. Wir glauben einfach zu gern daran, dass wir uns grenzenlos weiter entwickeln und bewegen können. Wir vergessen dabei all zu oft, dass das Überschreiten der Grenzen ernsthafte Konsequenzen hat, im günstigsten Fall nur für uns Selber, im schlimmsten Fall auch für Andere. Dies sehen wir derzeit vielerorts auf unseren Planeten. Sei es durch die zunehmende Umweltverschmutzung, die Überfischung der Meere, Spekulationsblasen oder der ungerechten Verteilung von Vermögen. Wir stoßen an Grenzen die unseres ökologisches und ökonomisches Gleichgewicht immer heftiger aus dem Ruder wirft, mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Wie lange wir dies noch verkraften können, wissen wir nicht. Die Frage die ich mir jedoch stelle ist, ob wir dies mittelfristig als Menschheit überleben.

Bildquelle Startbild: D Flam

6 Gedanken zu “Wachstum, Wachstum über Alles – Wo liegen die Grenzen des Wachstums?

  1. Treffen sich zwei Planeten – sagt der eine: Mist, ich habe Menschen – sagt der andere: Keine Sorge, das vergeht von selbst wieder.

  2. @Ronny: Das ist eine schwierige Frage.
    Bewusst ist es vermutlich relativ vielen erst recht wen man es ihnen erklärt. Doch bedeutet es nicht das sie bereit sind etwas dagegen zu unternehmen. Es ist vermutlich so das man das ende vor Augen hat aber es nicht sehen möchte, und schon gar nicht versucht etwas dagegen zu unternehmen.
    Den anderen ist auch komplett egal, nach dem Motto solange es mir gut geht.

    • @Gismo: Dazu fällt mir ein Zitat aus dem Film "Le Haine".: Ein Mensch springt von einem Hochhaus. An jedem Fenster an dem er vorbei kommt, sagt er zu sich "Bis hierher ging es noch gut, bis hierher ging es noch gut." Aber entscheidend ist nicht der Fall, sondern die Landung.

    • Hallo Sven.
      laut der Wikipedia ist Wachstum wie folgt definiert:

      Unter Wirtschaftswachstum wird die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der Summe der Preise der in einer Volkswirtschaft produzierten ökonomischen Güter (Waren und Dienstleistungen), von einer Periode zur nächsten verstanden.

      Deine Definition von Wachstum würde mir jedoch viel besser gefallen. Denn dann hätten wir tatsächlich noch jede Menge Luft nach oben. ;)

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