Es sollte ein schöner Abend werden. Denn einer der Hollywood Blockbuster sorgte seit langem mal wieder dafür mich ins Kino zu bewegen. Die Vorschau versprach so einiges und auch die so gepriesenen 3D-Effekte schienen einen spannenden Abend zu versprechen. Doch nach der Vorfreude folgte die bittere Ernüchterung. Und ich stellte mir die Frage, wieso will sich bei mir nicht mehr das Kinofeeling einstellen, welches ich vor ein paar Jahren noch verspürte. Lag es an den Filmen oder gibt es andere Umstände die einen den Spaß am Kinobesuch verderben?
Ich bin, sorry, ich war einmal ein begeisterter Kinogänger. Dies stimmt und davon zeugen unzählige Berichte aus 2006. In diesem Jahr schaffte ich es mindestens einmal pro Woche ins Kino zu rennen. „Wow“, denkt man sich vielleicht jetzt: „Damals müssen ja wirklich viele gute Filme ins Kino gekommen sein.“ Doch sehen wir es mal realistisch. Das war nicht der Fall. Die Filmlandschaft hat sich vielleicht geändert. Aber davon zu sprechen, dass die Filme besser oder schlechter geworden sind, kann ich so nicht bestätigen. Auch 2006 habe ich mir viel Mist ansehen müssen. Aber es gab damals einen entscheidenden Unterschied, warum es mich nicht störte: der Preis für eine Kinokarte.

Es war einmal: Kino für eine Kinokarte zu 3,50 Euro
Ich hab mal nachgerechnet. 2006 besorgte ich mir für mein Lieblingskino eine Bonuskarte. Mit dieser Karte kostete jede Eintrittskarte einen Euro weniger. „Dies ist doch nicht viel!“, könnte man jetzt meinen. Nur 2006 gab es in den meistens Kinos auch noch einen Kinotag. An diesem Tag konnte man für 4,50 Euro ins Kino gehen. Abzüglich des einen Euros, bezahlte ich somit pro Karte nur 3.50 Euro. Und was bot man mir dafür? Nichts weiter außer einen netten Abend, den man gemeinsam mit Freunden verbringen konnte. Dies stimmt, der Film spielte keine Rolle. Wichtig war für mich damals nur, ich wusste was ich am Mittwochabend unternehmen würde. Und dafür unternahm ich einiges. Schließlich wollte ich nicht alleine ins Kino gehen. Der Kinobesuch war ein Teil meiner sozialen Interaktion mit Freunden und deren Freunden. Man traf sich, man lernte neue Menschen kennen, man sprach über Filme und natürlich regte man sich auch über den Mist auf, der in Hollywood produziert wurde.

Es war einmal: Kino ein Ort der Geselligkeit
Irgendwann nach 2006 änderte sich dies jedoch schlagartig. Ungefähr ab 2007 schossen die Kinopreise immer weiter in die Höhe. Bonussysteme wurden abgeschafft oder verteuert. Der Kinotag verschwand auch irgendwann. Der Preis für eine Kinokarte veränderte sich somit von 3,50 Euro auf 9 bis 12 Euro (ich hab gehört, es soll sogar Kinos geben wo man noch mehr bezahlt). Bei diesen Preisen fällt es schwer, andere Menschen davon zu überzeugen mal ins Kino zu gehen. 2006 war der häufigste Grund, wenn jemand nicht mitkam, dass er keine Zeit hatte. Heute hört man immer nur „Ist mir zu teuer. Der Film lohnt sich nicht.“ Das Kino von heute ist mutiert von einem Ort der Geselligkeit zu einem Ort der Produktivität. Und so sieht es auch heute in den meisten Kinos aus. Mussten wir früher für die meisten neugestarteten Filme reservieren, muss man sich darüber heute keine Gedanken mehr machen. Man bekommt immer einen Platz und in den meisten Fällen sogar den Besten, weil man nahezu allein im Kino ist.

Es war einmal: Kino für Kinder und Familien
Wie es zu dieser Entwicklung kam weiß ich nicht hundertprozentig. Mir sagte mal ein Kinobetreiber, früher hätten sie viele Menschen ins Kino holen müssen, damit sie den Preis für einen Film wieder einspielen konnten. Wenn ein Film ein Flop war, lag das Risiko beim Kinobetreiber. Heute richtet sich der Preis für den Film nach den verkauften Kinokarten. An jeder Karte verdient die Produktionsfirma mit. Und wenn der Film floppt, liegt das Risiko bei der Produktionsfirma. Was dabei vergessen wird, sind die Menschen, die zuvor ins Kino gingen. Wie Familien, die einen gemütlichen Sonntagabend im Kino verbrachten. Denn für diese ist ein Kinobesuch kaum noch finanzierbar.
Ich frag mich wohin diese Entwicklung führen wird? Ich prognostiziere mal, in die Schließung von einem Kino nach dem anderen. Warum? Weil die Menschen entwöhnt werden und die nachfolgende Generation mit dem Kino nur noch eins verbinden wird: den Preis für eine Kinokarte.

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