| Typisch Deutsch? - Typisch Deutsch!, oder wie wir uns bemerkbar machen |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Dienstag, den 22. November 2011 um 00:00 Uhr |
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Episode 1 – Die Geschichte mit dem BankautomatenKurz zur Episode. An dem besagten Tag wollte ich wie bereits erwähnt mein Konto um etwas Bargeld erleichtern. Ein Schild meiner Hausbank, an einem Ort an dem ich noch niemals Geld abgehoben hatte, förderte meine spontane Entscheidung dieser Handlung freien Lauf zu lassen. Also ging ich mit entschlossenem Schritt zu der Tür, hinter der sich nach meiner Vermutung der Bankautomat befand. Leider war ich nicht der Erste der diese Idee hatte. Und so befand ich mich wenige Sekunden später mit einem weiteren Bankkunden vor dem Automaten, der jedoch schon seine Karte in den Automaten hineingesteckt hatte. „Kein Problem“, dachte ich mir. „Dann warte ich halt.“ Allerdings schien meine Anwesenheit ihn zu stören. War es, dass wir uns nur zu Zweit in dem Raum befanden und es ansonsten keine Möglichkeit gab irgendwo anders hin zu entweichen? Oder dachte er vielleicht, dass ich vorhatte ihn auszurauben und ihm das Geheimnis seiner Geheimzahl zu entlocken? Ich weiß es nicht. Denn bis auf einen etwas mysteriösen und gleichzeitig psychopathisch starren Blick, erhielt ich keine weiteren Informationen. In diesem Augenblick stellte ich mir eine Frage: „Kann es sein, dass wir Deutschen ein Problem damit haben eine Bitte verbal zu äußern?“ Mir war klar in welche Richtung der Blick zielte. Der Andere fühlte sich durch meine Anwesenheit massiv gestört und erwartete von mir, dass ich doch bitte den Raum verlassen sollte. Nur leider erwähnte er dies nicht wörtlich, sondern berief sich auf sein wahrscheinlich deutsches Grundrecht, dass ich seine Gedanken lesen müsste.
Episode 2 – Die Geschichte mit dem EinkaufswagenLeider bin ich dazu nicht in der Lage. Doch rief mir dieses Ereignis ein weiteres Ereignis in Erinnerung, welches ich erst ein paar Tage zuvor beobachtete. Ort des Geschehens war ein Supermarkt. Und wie es üblich ist in einem Supermarkt, cruisen in diesen jede Menge Menschen mit jeder Menge Einkaufswagen umher. Was geschieht aber in einem deutschen Supermarkt, wenn man mit seinem Einkaufswagen irgendwo vor einem Regal steht, den Gang versperrt und ein Dritter genau durch diesen Gang mit seinen Einkaufswagen hindurch möchte? Wird man gebeten zur Seite zu gehen? Äußerst selten, denn anstatt zu fragen, bleiben die Betroffenen solange demonstrativ vor den Anderen stehen, bis diese zur Seite gehen. Höflichkeit?, wohl eher nicht. Ich tippe auf dieselbe Situation wie bei dem Bankautomaten. Vielleicht denken wir Deutsche, wir könnten mit Telepathie unseren Gegenüber signalisieren, was uns stört und wie er sich verhalten soll.
Auch Auftreten mit Füßen und laut Atmen ist typisch DeutschVielleicht irre ich mich aber auch und ich bin nur auf ein paar deutsche Zeitgenossen gestoßen die einen schlechten Tag hatten. Kann gut sein, weswegen ich nach diesen Ereignissen einfach ein paar Menschen befragte, die erst vor Kurzem in dieses Land gezogen waren. Schon wenige Minuten nachdem ich eine der beiden Geschichten erzählte, erntete ich nur heftiges Kopfnicken. „Dies ist typisch Deutsch!“, versicherte man mir. Wobei ich bei meinen Geschichten noch Glück hatte, wie man mir versicherte. Normal wäre es, dass der Andere sich irgendwie mit Geräuschen bemerkbar machte. Sei es in dem man laut mit den Füßen auftritt in der Hoffnung, dass man registriert wird. Oder aber indem man mehrmals tief durchatmet, was denselben Effekt erzielen soll. Ich werde diese Dinge mal weiter beobachten und falls man sich in Zukunft mal über den Weg laufen sollte, bitte nicht wundern, wenn ich mich atypisch Deutsch verhalten sollte.
Bildquellen Flickr.com: David Anderson, Bryan Gosline, Cristiano Betta, joellevand
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Vielen Dank für die ironische Bemerkung. Hättest du aber vielleicht dazu schreiben sollen. Dies versteht doch ansonsten niemand. (typisch deutsch ;)
..aber anders als du es vermutest. Die Geschichte mit dem Bankautomat oder mit dem Einkaufwagen läßt sich auch anders erklären. Muß man in diesen Fällen ein Problem damit haben eine Bitte verbal zu äußern, oder setzt man einfach ein bißchen Rücksichtnahme und Mitdenken des anderen vorraus? Zugegeben, Rücksichtnahme ist heutzutage nicht mehr so furchtbar angesagt, aber was ist so merkwürdig daran, wenn der am Automat stehende Bankkunde sich nicht wohlfühlt, wenn dicht hinter ihm ein anderer Kunde wartet? Also ich finde das Erstaunen darüber typisch Deutsch.
Ein sehr schöner Einwurf. Wie seht ihr dies? Befinde ich mich mit meiner Meinung auf den Holzweg und ist dies ein Mangel an Rücksichtsnahme. Oder habt ihr Ähnliches erlebt, bei dem ihr euch gewünscht hättet, der Gegenüber hätte etwas gesagt?
Also dann garantiert ironiefrei (und somit typisch Deutsch, um hier gleich wieder alle Schubladen zu bedienen): Zum einen wage ich ganz stark zu bezweifeln, dass es "tpyisch deutsch" ist, das Risiko zu scheuen, auf eine auch nur dezente geäußerte Kritik hin von einem potenziellen Raubauken (was weiß ich, wie Du Unbekannter drauf bist?) einen Streit am Hals zu haben oder gar eine aufs Maul zu kriegen. Ich bin selbst auch eher ein Fan von Glasnost und klarer Ansagen - aber dazu muss man niemanden nötigen.
Im Übrigen würde ich das mal an deiner Stelle empirisch angehen: Drängele dich doch mal im tiefsten England in einer Schlange vor und warte ab, ob dich die Engländer verbal angehen. Wenn die dann statt dessen streng gucken, wird das dann lobend "britisches Understatement" genannt.
Und überhaupt: Was soll eigentlich diese ängstliche Dauersuche: "Huch, hab ich jetzt etwas typisch deutsches gemacht? Ich Monster, ich!" So produziert man Klischees am Fließband. Auch muss es arm um eine Nation bestellt sein, die die Gewohnheit annimmt, sich nur noch negativ zu definieren.
Heiko, genannt der Ironiefreie
Deine Bildauswahl ist dafür sehr hübsch. Ich würde mich als Model z. V. stellen, wenn du mal wieder einen grimmig Guckenden brauchst. ;-)
Auf das Angebot des Bildes komme ich gerne zurück. ;)
Eine weitere Frage: Wie oft hast du denn in den letzten 12 Monaten nach äußern einer Bitte eine „aufs Maul“ bekommen? Meine Antwort auf diese Frage würde lauten „Kein einziges mal und auch nicht die Jahre davor.“ Hierzu noch ein schönes Zitat, welches mir heute über den Weg lief: „Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“ von Dietrich Bonhoeffer. Natürlich ist dies eine Abwandlung von „Das einzige was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“
Der Ansatz einer empirischen Studie ist dagegen äußerst interessant. Ich schließe mich auch deiner Meinung an, in England werden die Menschen so reagieren, wie du es vorausgesagt hast. (das Thema wurde von Rowan Atkinson alias Mr.Bean zur Genüge auf die Schippe genommen)
Du sprichst aber mit deiner Aussage zwei interessante menschliche Eigenschaften an: Angst und Unsicherheit im Umgang miteinander. Sind diese Eigenschaften Aspekte unserer Zeit? Und wenn ja, welche Auswirkungen hat dies auf unseren alltäglichen Umgang miteinander? Oder würde ein Mensch, der sich nicht wagt seine Meinung offen zu kommunizieren dir zur Hilfe eilen, wenn du irgendwann mal das Pech haben solltest von einem Rabauken paar auf die Mütze zu bekommen?
Natürlich beeinflusst es die Wahrscheinlichkeit, die Fresse poliert zu bekommen, immens, ob man im Supermarkt "Darf ich bitte mal durch?" fragt, oder ein patziges "Det is doch keen Parkplatz hier!" absondert. Ich habe für mich die Freundlichkeit als Mittel der "sozialen Nötigung" entdeckt, denn wer auch nur Spuren einer Erziehung in sich trägt, mag eine freundlich vorgetragene Bitte nicht so recht ausschlagen ;-)
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Du bist also der Typ, der es mit einem einzigen Einkaufswagen immer wieder schafft, zehn Meter breite Supermarkt-Gänge so zu versperren, dass niemand mehr vorbei kommt. Ist mir egal, ob das typisch deutsch, typisch polnisch oder typisch aztekisch ist: Alle hassen Dich! Mit unfreundlichen (und typisch deutschen) Grüßen
Heiko