Viva la Revolution oder wie wir die Demokratie retten können

Proteste in Madrid in SpanienBis auf ein erstes kleines Lüftchen ist es noch ruhig in Deutschland. Die Menschen gehen ihrer Arbeit nach und versuchen irgendwie über die Runden zu kommen. Dazwischen Parolen, die durch die Straßen hallen. „Schuld an unserem Unglück ist der faule Südländer, der sich jahrelang auf unsere Kosten gemästet hat.“ Einige schenken diesen Worten glauben. Andere stehen diesen Aussagen skeptisch gegenüber. Wer sind denn diese Südländer die da faul auf der Haut rum liegen und sich sonnen? Menschen wie du und ich. Menschen mit Sorgen, Ängsten und Wünschen. Menschen die sich nach einem menschenwürdigen Leben sehnen. Moment mal, gibt es ähnliche Aussagen nicht auch hierzulande?


Die Bewegung ist in Spanien angekommen. In den letzten Tagen versammelten sich tausende Menschen in 60 Städten des Landes, um gegen Korruption, Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit zu demonstrieren. Menschen die keiner bestimmten Partei angehören, keine bestimmte Religion vertreten oder in einer Gewerkschaft organisiert sind. Neben Griechenland gehen somit in einem weiteren Land in Europa die Menschen auf die Straße. Die Parolen gleichen sich. Man sehnt sich nach einer besseren Welt. Man möchte wieder mitentscheiden. Und man will die expandierende Kluft zwischen Arm und Reich schließen. Viele dieser Menschen haben erkannt, dass bestehende System bietet keine Lösungen mehr, sondern sorgt nur noch für weitere Ungerechtigkeiten.

Ich finde die Losungen „Echte Demokratie jetzt“ einfach nur clever. Schließlich wollen die Protestierenden nicht als Gegner der Demokratie wahrgenommen werden. Stattdessen nutzen sie die Parolen, die auch immer wieder von Befürwortern des Kapitalismus verwendet wurden. Indem man Marktwirtschaft und Kapitalismus gleichsetzte und dem Ganzen Konstrukt das Scheinbild der Demokratie überstülpte, konnte man über Jahrzehnte hinweg, die eigentlichen Ursachen für die entstehenden Probleme verbergen. Doch Mathematiker wussten bereits in den Fünfzigern, irgendwann treten diese Probleme zu Tage. Vor über 70 Jahren lösten sie einen globalen Krieg aus. Heute sorgen sie vielleicht für die erste globale Revolution der Menschheitsgeschichte.

Unbequeme Fragen in einer bequemen Gesellschaft

Die Fragen die wir uns heute stellen müssen sind, in welcher Gesellschaft wollen wir zukünftig leben und wie bekommen wir diese Gesellschaft. Hierzu sollten wir lernen zu unterscheiden zwischen den Dingen, die man versucht in einen Topf zu werfen. Wie zum Beispiel Kapitalismus und Demokratie. Funktioniert dies überhaupt? Oder gibt es vielleicht auch hierzu lande Beispiele, bei denen demokratische Rechte zugunsten des Kapitals unterliegen? Oder der Begriff der Marktwirtschaft im Zusammenhang mit Kapitalismus. Kann sich überhaupt ein Markt bilden, wenn Kapital darüber bestimmt, welche Startbedingungen jeder Marktteilnehmer besitzt? Unbequeme Fragen die unbequeme Debatten mit sich bringen werden. Glücklich können wir uns nur schätzen, weil wir wissen, unser derzeitiges System ist kapitalistisch. Was wir nicht wissen, ist inwieweit dieses System die Demokratie bereits unterwandert hat, inwieweit dieses System einen freien Markt behindert und wie weit die derzeitigen Machtinhaber gehen, um ihre Macht zu behalten.

In den Ländern der EU kann sich heute noch keiner vorstellen, dass man auf Demonstranten mit scharfer Munition schießen wird. Diese Bilder verbinden wir immer noch mit den Umwälzungen in den arabischen Ländern. Können wir es deswegen ausschließen? Wir sollten uns darauf einstellen, echte Demokratie, echte Freiheit wird man uns nicht schenken. Solange man einen Weg findet, um das Volk ruhig zu stellen, wird man diesen Weg zu nutzen wissen. Eie Revolution geht niemals von der untersten Schicht aus. Sie startet immer aus der Mitte heraus. Und dies ist die Hoffnung auf die derzeitigen stattfindenden Proteste in Spanien. Denn auf den Plätzen in Spaniens Städten versammelt sich vor allem Menschen, die der verarmten Mittelschicht angehören und genügend Weitsicht besitzen, Zusammenhänge zu erkennen.

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