Unterwegs kommen einem immer wieder die besten Ideen. Gestern bei einem Treffen im Elbepark von Dresden fragte ich mich, wie viel Verkaufsfläche steht denn eigentlich derzeit in Dresden den Einwohnern und den Besuchern von Dresden zur Verfügung? Wie kommt man auf eine solche Idee, sich eine solche Frage zu stellen, während man durch ein Einkaufszentrum schlendert? Die Antwort darauf ist einfach, wenn man einen Blick in die leeren Geschäfte wirft, die sich in solchen Einkaufsmeilen aneinander reihen.
Der Wahnsinn mit dem wir uns durch unser Leben bewegen, wird einem erst bewusst, wenn man sich einmal ohne Einkaufswillen in einen der Einkaufstempel begibt. Dann stellt man sich schnell die Fragen „Was mache ich eigentlich hier?“ und „Kann ich meine Zeit nicht sinnvoller verbringen?“ Shoppen gehört schließlich nicht gerade zu den Betätigungen die einem langfristig erfüllen. Umso mehr verwundert es, wenn die Zahl der Verkaufsflächen in einer Stadt wie Dresden auch in Zeiten von „Krisen“ steigen, wobei dieser Begriff wirklich in Anführungszeichen gesetzt werden muss.
Um 2007 betrug die Verkaufsfläche in Dresden rund 826.000 Quadratmeter. Ende 2010 lag dieser Wert bei 865.336 Quadratmeter, laut Auskunft der Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Wirtschaft. Dazu kommen 2011 mindestens noch einmal 18.000 Quadratmeter für die Erweiterung der Altmarkgalerie, macht zusammen rund 883.000 Quadratmeter. Dies bedeutet, für jeden Dresdner stehen rund 1,70 Quadratmeter Verkaufsfläche zur alleinigen Benutzung zur Verfügung.
Was will man mit dieser scheinbar unzähligen Menge an Verkaufsfläche? Verkaufen? Bereits heute kann man in den meisten Einkaufstempeln vermehrt Schilder finden mit dem Hinweis „Zu vermieten“. Ein Großteil der kleinen Händler verkaufen ihre Waren zusätzlich über das Internet. Ein nicht unerheblicher Teil von Ihnen stützt mit diesen Verkäufen die Kosten für das Ladengeschäft. Viele der kleinen Händler sind unterdessen komplett aus diesen Shoppingmeilen verschwunden. Der Grund dafür war unter anderem der Umgang vieler Deutschen mit den verlängerten Öffnungszeiten.
Mir berichtete vor ein paar Jahren, im Zuge der Verlängerung der Öffnungszeiten, eine Managerin eines dieser Einkaufstempel, dass sie sämtliche Ladenbesitzer in diesem Einkaufstempel dazu verdonnern musste, die Kernöffnungszeiten der Einkaufsmeile einzuhalten, weil sich Kunden darüber beschwerten, dass bestimmte Geschäfte erst um 10 Uhr öffnen, während man in den Discountern bereits ab 7 Uhr einkaufen kann. Für die Geschäfte bedeutete dies, Öffnungszeiten von 10 Uhr bis teilweise 22 Uhr. Und dies von Montag bis Samstag. Einige der Händler mussten daraufhin ihre Geschäfte schließen, da sie jeden Tag alleine in diesem Geschäft standen und diese Anforderungen nicht erfüllen konnten.
Die Auswirkungen davon kann man in Dresden sehr gut erkennen. In nahezu allen großen Einkaufsmeilen findet man immer wieder dieselben Geschäfte der großen Ketten, die sich genügend Personal leisten können. Die bunte Vielfalt der kleinen Händler sucht man hier vergebens. Man hat das Gefühl, die Individualität verflüchtigt sich immer mehr ins Internet. Die Masse wird jedoch auch weiterhin in den Shoppingcentern bedient. Na dann, viel Spaß beim nächsten Einkauf.

Ich stimme Dir zu, den Rückgang der kleinen “Tante Emma – Läden” empfinde ich als Verlust. Die ewig gleichen Filialen in den hießigen Einkaufstempeln langweilen mich unsäglich. Aber was tun ? Klar, wo es noch kleine, eigentümergeführte Geschäfte gibt einkaufen. Lokale Anbieter unterstützen usw. Das tue ich seit langem. Trotzdem gibts immer mehr Einkaufspaläste und weniger Grün. Meines Wissens ist der letzte Plan für die Wiener Baugrube – Begrünung / Parkanlage – auch wieder verworfen worden und angeblich darf man sich auf weitere Einkaufsgelegenheiten freuen…
Ganz ohne Einkaufen gehts auch nicht. Man kann auch nicht nur alles im www. bestellen. Eingaben im Rathaus interessieren dort doch eh keinen. Also – Lösungsvorschläge ???
Ich bringe jetzt mal die Idee des Regionalgeldes zur Sprache. Dazu vielleicht auch noch eine kleine Episode, dir mir vor kurzem berichtet wurde und das Dilemma zeigt. Erzählt bekam ich die Geschichte von jemandem, der Anfang der 90ziger noch in der Zittauer Gegend lebte.
Dort geschah nach der Wende folgendes. Viele der Einwohner in den Gemeinden fuhren zu unserem tschechischen Nachbarn, um dort günstig einkaufen zu gehen. Gleichzeitig wunderte man sich aber, warum im eigenen Dorf die Läden schließen mussten. Noch Fragen?
An diesem Beispiel sieht man, vernünftiges Handeln ist zwar wünschenswert, aber eben nicht möglich. Deswegen ist es empfehlenswert immer eine kleine Erinnerung mit sich herum zu tragen. Diese Erinnerung kann auch in Form von Regionalgeld vorhanden sein. Für kleine Geschäfte und regionale Dienstleister ist dies eine echte Alternative zum globalen Geld. Aber dazu auch mehr, in der Rubrik „Geldfalle“ hier auf ploync.de
…lieber Ronny, die wir schon so oft debattiert haben.
Wie löst Du auch hier das Motivationsproblem?
Ich kann es nicht erkennen, wieso jemand, außer aus nacktem Altruismus, Regionalgeld verwenden sollte.
Unsere Philosophie ist nun mal auf Nutzenmaximierung ausgelegt. Sind wir da überein?
Du und ich müssen das ja nicht so sehen, doch ich behaupte die Masse tut es.
Jetzt ist noch die Frage, was soll maximiert werden? Das Glücksempfinden? Möglichst viele sozialer Kontakt zu haben, Bildung, zufriedene Menschen um sich herum?
All das ist nicht im Fokus.
Der Gedanke der Nutzenmaximierung zielt allein auf die Vermehrung meines materiellen- und Geldvermögens ab.
Wird schwer da Tante Emma da wieder ne Chance zu geben. Man muss einen erkennbaren Mehrwert bieten als Einzelhändler. Ansonsten locke ich niemanden hinter dem Ofen vor.
Die leider allenorts vertretenen großen Ketten mit ihrem Einheitsangebot verfügen über große Einkaufsmacht, die zu günstigeren Preisen als beim Einzelkämpfer führt. Es ist eine Frage der persönlichen Einstellung, des Bewußtseins ob darauf in Zukunft verzichten möchte.
Staatliche Eingriffe halte ich hier generell für wenig zweckdienlich.
Wer würde schon die deutlich höheren Preise beim Laden um die Ecke wirklich dauerhaft in Kauf nehmen? Ich glaube dafür fehlt in der breiten Masse der Wille und die Kaufkraft.
Natürlich kann man auch wieder über dieses Thema stundenlang philosophieren. Aber wieso nicht die Menschen zu Wort kommen lassen, die bereits seit ein paar Jahren eine Regionalwährung aktiv einsetzen? Ein Blick nach Brasilien wäre hier möglich oder einfach mal ins Berchtesgadener Land fahren und mit den Menschen dort vor Ort sprechen, die seit ein paar Jahren einen Großteil ihrer Waren mit dem Sterntaler bezahlen.
Natürlich würden sich an einem solchen Projekt nur Menschen beteiligen, die einen Mehrwert aus dieser Sache ziehen. Doch in Zeiten in denen immer mehr Menschen wie Nomaden durch Deutschland ziehen, nur um ein paar Euros zu verdienen oder sich ständig umschulen lassen, weil ihre Tätigkeit angeblich gerade aktiv nicht benötigt wird, könnte ein Regionalgeld zu mehr Sesshaftigkeit und Zufriedenheit beitragen. Und ist dies nicht letztendlich eines der schöneren Ziele im Leben?