Buchtipp: Hartmut und ich – Geschichten aus einer Männer-WG in Deutschland

hartmu-und-ich-roman-oliver-uschmann-buch„Hartmut ist Philosoph, vielleicht der letzte echte Philosoph im Ruhrgebiet. Hartmut ist Freidenker und versucht ständig gegen den Strom zu schwimmen. Hartmut ist mein WG-Partner, der mich Öfters in den Wahnsinn treibt. Hartmut ist einfach Hartmut. Und ich? Ich fahre Päckchen aus und hoffe jede Nacht auf meinen wohlverdienten Schlaf.“, mit diesen Worten könnte der Roman von Oliver Uschmann „Hartmut und ich“ beginnen. Doch stattdessen beginnt alles mit einem Umzugswagen in die neue 120 Quadratmeter Wohnung, die für 400 Euros zwei neue Mieter fand.


Warum die Wohnung so preiswert war, erfahren Hartmut und der namentlich unbekannte Mitbewohner, der die Geschichten der Männer-WG erzählt, schon nach wenigen Wochen. Kurz nach ihrem Einzug in die neue Wohnung entdecken sie im Keller eine alte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Und dies soll nicht der einzige Fund bleiben. Denn wenige Monate später erhalten die Beiden eine Nebenkostenabrechnung, die ordentlich gepfeffert ist. Die Ursache dafür ist auch schnell gefunden. Ein Leck in der Wasserleitung im Keller sorgte für die ungewollten Mehrkosten und die notwendigen Einsparungen, die sich in wolligen Decken und mit Pappen zugestellten Fenstern äußerten.

Doch selbst wenn diese unvorhergesehenen Ereignisse nicht eingetreten wären, langweilig wäre es nicht geworden. Denn spätestens Hartmut, der ominöse Mitbewohner der Männer-WG, sorgt immer für ausreichend Abwechslung, die der Schreiber mit Fluchen und Lächeln quittiert. Hartmut ist ein Rebell, wie er im Buche steht. Wenn zum Beispiel in der Nachbarschaft damit begonnen wird, die Fenster weihnachtlich zu gestalten und die Straße in eine angenehme Abendstimmung versetzt, beginnt Hartmut damit, dass eigene Haus zu verdunkeln. Als eine Art Gegenprotest zu den vielen bunten Lichtern. Oder nachdem er sich von seiner letzten Freundin trennte, die immer alles perfekt erledigte, konnte als Gegenreaktion nur die Gründung eines Clubs erfolgen, der „Unperfektsein“ als Lebensziel verfolgt.

Hartmut denkt quer, Hartmut schießt quer und dies in jeder Lebenslage. Doch manchmal ist Hartmut einfach ein Mensch wie Du und ich, mit den Fehlern eines Menschen. Dies äußert sich jedoch bei Hartmut immer etwas exzessiver als bei Anderen. Wenn Hartmut eine depressive Phase durchlebt, sieht er fern. Jedoch nicht wie jemand der halt mal viel fern sieht, sondern Tage- und Nächtelang. Hierzu igelt er sich in seinem Zimmer ein und sorgt für ein dauerhaftes TV-Grundrauschen in der Wohnung. Ein Rauschen was seinem Mitbewohner um den notwendigen Schlaf bringt. Und wenn sich dieser an diesen Zustand gewöhnt hat, ist Hartmuts depressive Phase vorüber und sein Mitbewohner kann aufgrund der plötzlichen Stille nicht mehr einschlafen. Hartmut ist somit wie jemand, der ständig seine Kollegen damit ärgert, koffeinhaltigen und koffeinlosen Kaffee 14tägig zu wechseln.

Der Verfasser des Romans „Hartmut und ich“ Oliver Uschmann schlüpft hierzu in die Rolle des Mitbewohners. Leicht und locker berichtet er über den täglichen Wahnsinn, der in der Männer-WG tobt. Das Buch unterteilt sich in viele kurze Erzählungen, wodurch man den Roman auch gut nebenbei lesen kann. Wer schon immer mal wissen wollte, wie eine Männer-WG funktionieren könnte, dem sei das Buch ans Herz gelegt. Für Querdenker ist das Buch jedoch ein Muss. Nirgendwo erhält man auf so wenigen Seiten, so viele Ideen, wie man dem täglichen Trott schnell und unkompliziert entfliehen kann.

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