| Bitte keinen Streit – Fehlt in Deutschland eine ordentliche Streitkultur? |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Freitag, den 15. Oktober 2010 um 05:19 Uhr |
Ich gestehe, ich bin ein diskussionsfreudiger Mensch. Diskussionen und das Einholen anderer Meinungen gehören zu meinem täglichen Leben. Ohne diese würde ich viele Ideen nicht weiter entwickeln können. Doch an diesem Punkt, stoße ich hierzulande immer wieder an Grenzen. Meiner Meinung nach, haben wir in Deutschland keine vernünftige Streitkultur. Und dies obwohl durch das Internet auch in Deutschland eine ordentliche Streitkultur entstehen könnte. Doch irgendwie habe ich den Eindruck, so richtig wagt sich Keiner an eine Revolutionierung, der deutschen Form des Streites. Wenn ich mit Menschen Diskussionen beginne, manchmal sehr zum Leidwesen dieser, dann fällt mir eins immer wieder auf. In den meisten Diskussionen geht es darum seine eigene Meinung durchzusetzen. Es gibt nur Hopp oder Topp. Viele Diskussionen schlagen hierzu eine Richtung ein, die zum Teil mit aggressiven Worten ausgefochten werden. Da wundert es nicht, wenn ich des Öfteren zu hören bekomme, „Streit mag ich nicht.“ Doch ist dies nicht genau einer der wichtigen Faktoren, die unsere Gesellschaft prägen und formen? Ich bin davon überzeugt, ohne eine gesunde Streitkultur kann sich eine Gesellschaft nicht nachhaltig positiv verändern. Wer Diskussionen ausweicht und nur seinen eigenen Standpunkt vertreten will, der wird langfristig auf der Stelle treten. Woher jedoch unsere Angst kommt, Streit aus dem Weg zu gehen, da kann ich nur spekulieren. Mir fiel in den letzten Monaten folgendes auf. Sieht man zu unserem französischen Nachbarn hinüber, existiert dort eine andere und aktivere Form des Streites. Diese Beobachtungen bekomme ich auch immer wieder von Freunden bestätigt, die einen intensiveren Umgang mit Franzosen pflegen. Warum die Franzosen aktiver streiten können, ohne dabei Freundschaften in Frage zu stellen, weiß ich nicht. Aber vielleicht konnten die Franzosen, seit der französischen Revolution, eine moderne Streitkultur entwickeln, auch wenn dabei viel Blut floss. Vielleicht sind die Ursachen unserer verkrüppelten Streitkultur ebenfalls in unserer Geschichte zu suchen. Blickt man in diese nur ein paar Jahrzehnte zurück, fällt eins auf. Es existierte in Deutschland immer eine klare Hierarchie. Was der „Obere“ sagte, war Gesetz. Diese Form von Kontrolle kann man immer noch in vielen Familien sehen. Nicht umsonst gibt es den Satz „Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst.“ Dieser Satz sagt aber nur eins aus. „Ich bin das Oberhaupt der Familie. Und ihr macht, was ich sage.“ In einem solchen Umfeld kann natürlich eine gesunde Streitkultur nicht entstehen. Wer ständig in der Angst vor Repressalien aus dem eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis lebt, wird Diskussionen aus dem Weg gehen. Ich vergleiche diese Form von Meinungsäußerungen gerne als Führerbefehl. Der Führer hat gesprochen und alle folgen, egal ob man dabei drauf geht oder eben nicht. Ohne eine Paranoia entwickeln zu wollen, kann man diese Form der Führung immer noch vielerorts beobachten. Anweisungen von Politikern, welche die Meinung des Volkes ignorieren. „Vorgesetzte“ die nicht auf Meinungen ihrer „Untergebenen“ hören. Lehrer, die Meinungen von Schülern unterbinden. Und Eltern, welche die Meinung ihrer Kinder nach ihrem Willen formen wollen. Wer in einem solchen Umfeld aufwächst, wird meiner Meinung nach, ein Leben lang unfrei bleiben. Die Auswirkungen sind diese, die man auch immer noch hierzulande antrifft. Zum einen meiden die Menschen den Streit und zum anderen vertreten sie ihre Meinung mit diktatorischen Zügen. Zum Glück gibt es aber auch noch eine zweite Seite der Medaille. Und neben diesen Erscheinungen, entdecke ich des Öfteren auch immer mehr Menschen, welche beginnen eine neue Form der Streitkultur auch hierzulande zu entwickeln. Zudem gefiel mir der Eintrag in der Wikipedia zu diesem Thema. Ohne auf die deutsche Streitkultur einzugehen, findet man unter dem gleichnamigen Artikel, ein paar sinnvolle Regeln. Meine persönliche Lieblingsregel ist hierbei das Recht aller Streitparteien, sich eine Auszeit nehmen zu dürfen und den Streit auf später verschieben zu können, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Ein Recht welches bei vielen Streitgesprächen einfach missachtet wird. Oder mit dem Zitat aus der Wikipedia „Streiten ist kein sportlicher Wettbewerb.“ Links und Bildquelle: Wikipedia.de (Streitkultur), Startbild von Julie Kertesz über flickr.com |
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