“Ich habe mir das aktuelle Album mal angehört, natürlich gekauft.”, was sollte diese Zusatzbemerkung die ich am heutigen Vormittag von meinem Nachbartisch im Cafe vernahm. “Natürlich gekauft!” Dieser Hinweis, der aussagt: “Normalerweise kauf ich keine Alben.” oder meint, man sollte dies lieber erwähnen, weil sowieso niemand mehr Musik kauft sondern diese aus anderen Quellen bezieht? Vielleicht diente der Hinweis aber auch dazu, zu erwähnen, man habe nichts Illegales gemacht. Wobei sich dann die Frage stellt, warum sollte man dies ausdrücklich erwähnen. Dies wäre so als ob ich dauerhaft sagen würde: “Ich habe mich heute mit einem Freund getroffen, aber er lebt noch.”
Ich kann mir gut vorstellen ein großer Teil der deutschen Bevölkerung lebt in Angst. Angst vor der Musik- und Filmindustrie, welche an jeder Ecke nur darauf lauert, Urheberrechtsverletzungen zu entdecken und gnadenlos zu bestrafen. Nicht anders kann ich mir erklären wenn Menschen in diesem Land bei einem Musikalbum von vornherein erwähnen, man habe dies legal erworben. Unterstellt man diese Vermutung, stellt sich gleichzeitig die nächste Frage. Haben es die Konzernen geschafft, dass viele Menschen in diesem Land meinen, sich rechtfertigen zu müssen, wenn sie ein Album von einem Künstler erworben haben?
Wer kann sich noch an die tollen Infotrailer zum Beginn einer DVD erinnern. In diesen wurde immer wieder gemahnt, man solle nur legale Inhalte konsumieren und das “Raubkopieren” etwas ganz Schlimmes wäre. Ich stellte mir damals die Frage, was diese Trailer auf einer DVD zu suchen hätten. Zumal sie mit Sicherheit diejenigen genervt haben, welche ein Original im DVD Player abspielten. Wozu also dieser Hinweis, der noch einmal darauf hinwies, das man das legal erworbene Produkt auch legal erwerben sollte. Ich kann nur vermuten, den Entscheidern war nicht bewusst, dass man heute kaum noch DVDs kopiert, sondern die Filme streamt, wodurch der Trailer am Anfang der DVD auch verschwindet. Auf einer digitalen Kopie befindet sich somit auch nicht mehr dieser Hinweis.
Man schikaniert somit diejenigen, die mit lauteren Absichten den Film erworben haben. Alle anderen erreicht man mit diesen Methoden nicht. Wo wir wieder beim Anfang wären. Mich würde mal interessieren, wie vielen Menschen eine solche Aussage: “natürlich gekauft” oder “legal erworben” selber bereits herausgerutscht ist oder diese von Freunden vernommen hat, wenn man sich über den neusten Film oder das neuste Album unterhielt. Da mir solche oder ähnliche Aussagen auch immer mal wieder auffallen, kann ich nur vermuten, man meint, jeder würde unlautere Praktiken anwenden, wenn es sich um Musik oder Filme handelt. Gemäß dem Motto “Das macht doch jeder.” oder “Zeig mir mal einen Polizisten oder Richter, der keine gebrannte CD zu Hause hat.” Dies ist natürlich nur eine Vermutung und eine private Kopie ist zum Glück noch keine Urheberrechtsverletzung.
Dass es der Musik- und Filmindustrie trotzdem scheinbar gelungen ist ein Schreckgespenst hierzulande zu etablieren, empfinde ich dagegen nur als traurig. Gerade die Musikindustrie, welche durch Kopien erst groß geworden ist. Ich kann hier nur jedem die Doku: “Die Yeah, Yeah-Revolution” empfehlen, die ab und zu mal bei arte ausgestrahlt wird. In dieser erfährt man zwischen den Zeilen, dass in Frankreich die ersten Superstars den Sound erfolgreicher amerikanischer Songs mit französischen Texten unterlegten und damit Millionen an Platten verkauften. Natürlich ohne die Rechte an den Songs zu besitzen. Dies war der Start der französischen Musikindustrie, wie man sie heute kennt. Umso trauriger erscheint es, wenn die gleiche Branche ihre eigenen Methoden, mit denen sie groß geworden ist, heute verteufelt. Das Ende der Musikindustrie, welches offiziell von ihr propagiert wird, ist dabei auch nichts Neues. Denn dieser Sound ertönte bereits seit Beginn der 60ziger, als die ersten Rekorder erschienen, mit denen man ab sofort Musik schnell und einfach kopieren konnte. Das Ende schien nah, denn schließlich würde niemand mehr Musik kaufen, wenn man diese einfach kopieren konnte.
Dazu passend gab es heute gleich zwei Meldungen, die konträrer nicht sein könnten. In der einen Meldung teilte man mit, dass der Umsatz im Onlinegeschäft bei Warner Music weiter wächst. In der zweiten Nachricht, ein Urteil, dass bei vermutenden Urheberrechtsverletzungen zukünftig auch die IP Adressen von Privatpersonen der Musikindustrie übergeben werden dürfen. Man verdient also genügend Geld um auch weiterhin die Menschen mit den eigenen Anwälten zu tyrannisieren und dies unter dem Vorwand, dass man dagegen vorgeht, nicht mehr genügend Geld verdienen zu können. Verwirrender kann man gar nicht argumentieren.
Sollen wir uns weiter einschüchtern lassen von einer Industrie die offensichtlich Recht und Moral immer wieder vertauscht und nur dann verwendet, wenn dies ihren Interessen nützt? Ich vertrete in diesem Zusammenhang eine klare Meinung. Die Rechte der Künstler sollten soweit gestärkt werden, dass die Kreativität der Allgemeinheit nicht darunter leidet. Wer kopiert und die Kopie in bare Münze umwandelt, gehört bestraft. Wer in altduristischer Absicht eine Kopie erstellt um diese mit Freunden zu teilen, gehört in Ruhe gelassen. Wer diese Regel nicht beachtet ist meiner Meinung nach nichts weiter als das was sich am Ende unseres Mastdarms befindet.
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