| Interview: Gaststätte „Zum Häußler“ in Coswig bei Dresden |
| Geschrieben von: Jens |
| Dienstag, den 16. März 2010 um 17:21 Uhr |
Wer Dresden einen Besuch abstattet, sollte unbedingt auch die traditionelle sächsische Küche probieren. Dabei ist es gar nicht so einfach eine passende Lokalität zu finden. Also warum nicht einmal abseits vom Trubel der Landeshauptstadt die Kochkünste des Umlandes probieren. 20 Autominuten vom Dresdner Stadtzentrum entfernt befindet sich Coswig. In der Gaststätte „Zum Häußler“ lädt Chefin Stefanie Schneider zusammen mit Koch und Lebensgefährte Marcus - Mäusi - Sauer zu urig böhmisch sächsischer Küche ein. Praktischerweise lässt sich ein Besuch in Coswig auch gleich mit der Besichtigung der Schmalspur Dampfeisenbahn und der Weinberge in Radebeul verknüpfen. Von der Qualität der Küche und des wunderbaren böhmischen Bieres überzeugte ich mich bereits mehrfach selbst. Die Speisen sind auf traditionelle Art zubereitet. Und so schmecken Sie auch. Ganz ohne Glutamat & Co. mundet's hier köstlich wie bei Muttern. Heute hatte ich Gelegenheit, die Betreiber einmal persönlich zu interviewen.
Ploync: Euere Gaststätte befindet sich in einem sehr schönen alten Fachwerkhaus. Könnt Ihr etwas zur Geschichte erzählen? Marcus (genannt Mäusi): Wir freuen uns sehr, über die Kopie einer alten Urkunde zu verfügen. Das Gebäude wurde 1628 erstmals urkundlich erwähnt. Der Erbauer und erste Besitzer ist unbekannt. 1661 übernahm der Häußler Simon Winkler das Gebäude. Dem weitere Häußler folgten. Zu DDR Zeiten befand sich hier ein Gewerbebetrieb. Stefanie: 2003 erwarb unsere Familie das Gebäude. Mein Vater restaurierte das Haus mit sehr viel Liebe in Eigenarbeit und der Hilfe örtlicher Handwerker. Dabei legten wir großen Wert auf eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion.
Ploync: Was ist eigentlich ein Häußler? Mäusi: Der Stand des Häußlers bildete sich ca. ab dem 16. Jahrhundert heraus. Häußler waren Menschen, die einen sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg innerhalb der Dorfgemeinschaft anstrebten. Dazu erwarben oder bauten Sie ein Haus. In unserem Gebäude wurde im Erdgeschoss das Vieh gehalten. Die Häußler selbst wohnten im Obergeschoss. Sie konnten kein Land erwerben, da es bereits im Besitz der Bauern und Großgrundbesitzer war. Häußler arbeiteten deshalb als Lohnarbeiter in der Landwirtschaft oder im Gewerbe. Die Viehhaltung diente ausschließlich dem Eigenverbrauch. Ploync: Stammt Ihr beide aus dem Gastgewerbe? Mäusi: Es ist kein Scherz. Bereits mit 6 Jahren wusste ich das ich Koch werden will. Nach dem Abi begann ich 1995 eine Ausbildung zum Koch. Ich arbeitete in verschiedenen gehobenen Hotels und Restaurants in Niedersachsen. 2003 zog ich aus privaten Gründen nach Dresden. Als die Familie meiner Verlobten Stefanie 2009 beschloss eine Gaststätte zu eröffnen, war ich sofort begeistert dabei. Stefanie: Ich absolvierte in Dresden eine Lehre zur Restaurantfachfrau und arbeitete in diversen Häusern in ganz Deutschland. Mein Vater hatte schon 2005 erste Ideen zur Eröffnung einer Gaststätte im alten Häußlerhaus. 2009 war das Gebäude dann so weit fertig gestellt, das ich meinen lange gehegten Wunsch nach einem eigenen Lokal endlich verwirklichen konnte. Ploync: Wie kamt ihr auf die Idee sächsisch böhmische Küche anzubieten? Stefanie: Das ist schnell erklärt. Ich bin ein Genussmensch. Die sächsisch böhmische Küche ist mir dabei die Liebste. Mäusi: Unser Gebäude ist ein Häußlerhaus. Häußler aßen urig sächsisch. Es bot sich also an, hier das passende Essen zu kochen. Nebenbei fanden wir auch ein herrliches böhmisches Bier. Unser köstliches „Jarosover“.
Ploync: Was sind eure Spezialitäten und was wird am liebsten gegessen? Mäusi: Soljanka, Sächsischer Sauerbraten und Szegediner Gulasch nach Art des Hauses wird sehr gerne genommen. Auch unsere Barbarie Ente und die Forelle sind Favoriten unserer Gäste. Das klassische Schnitzel, für dessen Qualität ich mich persönlich verbürge, ist unser meistverkauftes Essen. Ich selbst empfehle sehr gerne unsere böhmische Knoblauchsuppe für den kleinen Hunger oder einen sächsischen Klassiker: Quarkkeulchen. Ploync: Wie ist Deine Kochphilosophie? Mäusi: Ich wollte mich als Koch schon immer selbst verwirklichen. Mir ist wichtig die Dinge anzubieten, welche mir auch selbst schmecken. Fertiggerichte kommen mir nicht auf den Tisch. Alles soll natürlich und individuell schmecken. Mit dem typisch sächsisch böhmischen Geschmack. Ploync: Welche Zukunftspläne habt Ihr? Stefanie: Unsere Gaststätte wird sehr gut angenommen. Wofür wir uns bei all unseren Gästen herzlich bedanken. Im Sommer planen wir deshalb in unserem Hof einen Biergarten zu eröffnen. Übrigens suchen wir im Moment auch noch einen Koch und eine Kellnerin. Wir freuen uns über Interessenten. Bitte wendet Euch bei Interesse mit einer schriftlicher Bewerbung an uns. Gaststätte „Zum Häußler“ Hauptstraße 42 01640 Coswig Telefon: 03523/238741 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 11:30
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