| Erfahrungsbericht - Buchungen von Hotels und Pensionen im Internet |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Dienstag, den 08. November 2011 um 00:00 Uhr |
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Gleich zu Beginn möchte ich eines loswerden, dies ist keine Werbung für das Portal booking.com. Laut Aussagen von Hoteliers und Betreibern von Pensionen, sind die Portale hrs.de und hotel.de gleichwertig. Von vielen Hotelbetreibern erfuhr ich zudem, dass man hrs.de den Vorzug gebe. Doch dies sei nur am Rande erwähnt. Ich berichte in diesem Artikel wie sich meine Reiseplanung in diesem Jahr nachhaltig änderte. Im Vergleich zu den Vorjahren setzte ich in diesem Jahr nicht nur bei der Planung meiner Reisen auf das Internet, sondern vor allem auch während der Reisen. Die Buchungen sämtlicher Pensionen und Hotels erfolgte dabei über booking.com, wofür es jedoch keinen bestimmten Grund gab.
Begonnen hatte alles mit einer spontanen Reise nach Frankreich. Das Ziel der Reise stand nur grob fest. Wir wussten, irgendwo ins Loiretal würde es uns verschlagen. Was wir nicht wussten, wo genau wir landen sollten und wie lange wir dort bleiben wollten. Dies sollte abhängig davon sein, wie es uns vor Ort gefiel und was wir uns ansehen würden. Da die ersten zwei Ziele der Reise jedoch fest standen, buchten wir diese aus Sicherheitsgründen bereits von zu Hause aus. Die Wahl fiel in diesem Fall auf das bereits öfters benannte Buchungsportal.
In Frankreich angekommen fiel uns eines sofort auf, nahezu jedes Hotel warb mit einem„Free W-Lan“ Anschluss. Uns kam dies sehr entgegen, zumal wir damit rechneten, wir müssten links und rechts nach einem geeignetem Hotel oder einer Pension Ausschau halten. Mit dem verfügbaren W-LAN in den Hotels gehörte diese Sorge der Vergangenheit an. Wir entschieden in diesem Augenblick etwas Neues auszuprobieren. Wir wollten erst am laufenden Tag, das Hotel für die nächste Nacht im nächsten angestrebten Ort buchen. Schnell stellten wir fest, eines der Hauptkriterien für unsere künftigen Hotels war neben dem Preis auch die Verfügbarkeit eines W-LAN Anschlusses. Wenn dieser kostenfrei zur Verfügung stand, dann war dies ein Bonus. Gab es kein Hotel oder keine Pension mit kostenfreiem W-LAN, entschieden wir uns für die Unterkunft bei welcher der Gesamtpreis der Übernachtung und der W-LAN Kosten am geringsten waren. Erst wenn es eine größere Auswahl von verschiedenen Unterkünften in ungefähr derselben uns vorschwebenden Preisklasse gab, entschieden wir anhand des Ausstattung.
Dies war neu, denn in den Jahren zuvor, war neben dem Preis immer die Ausstattung eines der Hauptkriterien. Dass es in diesem Jahr das vorhanden W-LAN war, machte mir eins schlagartig deutlich, wir waren nun endgültig im Informationszeitalter angekommen. Durch das verfügbare Internet auch im Ausland, änderten sich noch weitere Punkte. Wir konnten auf einmal unsere Reise nicht nur nach den angestrebten Reisezielen, sondern auch nach dem Wetter planen. Und dies vor Ort und nach Lust und Laune. Wenn wir sahen, dass sich uns am nächsten Tag eine Schlechtwetterfront näherte, fuhren wir einfach dorthin wo schönes Wetter vorausgesagt war. Einen Urlaub wie in den letzten Jahren, bei dem man eine Unterkunft viele Wochen vorher buchte und anschließend darauf hoffte, dass das Wetter mitspielte, gehörte somit der Vergangenheit an.
Natürlich war ich mir unsicher ob das gelungene Experiment auch noch ein weiteres Mal funktionieren würde. In meinem darauffolgenden Urlaub in den Alpen wollte ich das Erlebte erneut ausprobieren. Die Alpen sind dafür ein hervorragendes Testfeld da sich das Wetter hier fast täglich ändern kann. Allerdings schränkte ich den täglichen Sprung in eine andere Gegend etwas ein, indem ich entschied, wir würden aller drei Tage nur in eine neue Gegend fahren. Durch die Buchungen wusste ich, ab drei Übernachtungen, sank der Tagespreis bei den Übernachtungen. Zudem hatte man mehr Zeit die Gegend zu erkunden und war nicht ständig mit Koffer ein- und auspacken beschäftigt. Wir suchten uns vier verschiedene Gegenden aus, die wir besuchen wollten und entschieden uns je nach Wetterlage welche drei der vier Gegenden wir besuchen würden.
Beide Urlaube waren ein voller Erfolg. Hatten wir schlechtes Wetter? Genau einmal, am Tag der Abreise in ein neues Gebiet. Als wir losfuhren regnete es in strömen und als wir ankamen war strahlender Sonnenschein. Die Idee dem Regen davon zu fahren, funktionierte einwandfrei. Zwar bekamen wir nicht immer in dem Ort in dem wir auch übernachten wollten eine passende Übernachtung, doch in den Nachbarorten gab es immer eine gute Alternative. Was bedeutet dies nun für die Zukunft? Buchungen von Pensionen oder Hotels auf dem europäischen Festland gehören für mich wohl der Vergangenheit an. Auf jeden Fall wird die Buchung von festen Reisezielen, Wochen im voraus, immer weiter für mich verschwinden. Wozu auch? Wenn die Buchungen so einfach funktionieren, dann sollte auch der Urlaub ein sonniges und schönes Erlebnis werden.
Für Reiseveranstalter wird diese neue Form des Urlaubs eine neue Herausforderung darstellen. Ich glaube, das Internet wird die alte Form der Urlaubsplanung zerstören. Die Veranstalter, welche dies erkennen, werden neue Wege finden um ihren Kunden einen angenehmen Urlaub zu bieten. Vorstellen könnte ich mir zum Beispiel, dass man seinen Kunden die Planung und Organisation, wie wir sie selber durchführten, abnehmen wird. Man könnte mit dem Kunden Reiseziele festlegen und mit der Planung des Urlaubs beginnen, kurz bevor der eigentliche Urlaub startet. Anschließend erfährt der Kunde immer per Internet, welche Reiseziele er als Nächstes ansteuern kann, vorausgesetzt er möchte keine Regentage erleben. Urlaub wird dadurch individueller und passt sich neuen Interessen und den örtlichen Gegebenheiten an. Ob dies auch mit einer Familie mit kleinen Kindern funktioniert, müsste man einmal ausprobieren. An den Unterkünften würde es nicht scheitern. Davon gab es reichlich, in allen Größen und mit allen erdenklichen Ausstattungen. Und an den Ländern auch nicht. Wir testeten dies in Frankreich, Italien und Österreich, drei Länder die aus deutscher Sicht, grundverschieden sind. Bildquellen: by flickr.com www.flickr.com by John Stavley, www.flickr.com by Brent Moore, www.flickr.com by Kevin Dooley, www.flickr.com by Jay Cox, www.flickr.com by Chris Palmieri, www.flickr.com by Brent Moore, www.flickr.com by [Traffik] |
Frage: Dürfte dann die industrielle Revolution als Revolution bezeichnet werden?
Zitat Wikipedia: „Der Begriff „Revolution“ wird auch verwendet, um einen allgemeineren tiefgreifenden Wandel der Gesellschaftsstruktur zu bezeichnen, auch wenn es sich dabei nicht zwangsläufig um besonders plötzlich und rapide auftretende Veränderungen handelt.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Revolution#Soziologischer_Revolutionsbegriff
Was sagt denn dein Lexikon dazu?
Das Thema haben wir an der FU in den Geschichtsseminaren auch recht intensiv diskutiert. Da es zu viele Definitionen von "Revolution" gibt, ist ein abschließendes Urteil sicher schwierig, die meisten Forscher plädieren aber für die Schnelligkeit des Umwälzungsprozesses als ein Grundkriterium.
Unser Fazit (nach langem Diskussionsprozess) im Seminar war übrigens: Die Industrielle Revolution verdient den Namen nicht, soll ihn aber bitteschön behalten, weil sich die Leute daran gewöhnt haben - dagegen anzugehen wäre Don-Quichotterie. Das selbe gilt umgekehrt auch für die "Wende" in der DDR: Eigentlich eine Revolution, aber Krenzens Wort von der "Wende" hat sich eben durchgesetzt - weil diese Umwälzung für fast jeden Zoni ein Wendepunkt in der persönlichen Biografie war. Heiko
Dann könnte diese Aussage die Sache auf den Punkt bringen: "Eine Definition einer Sache ist ein Spiegelbild ihrer Zeit." Oder wie siehst du dies?
Das liest sich zwar sehr konfuzianisch, öffnet aber der Denkweise Tür und Tor: Es gibt keine absoluten Definitionen, also kann's uns egal sein. Doch um ebenfalls konfuzianisch zu werden: Absolute Präzision mag in der Sprache unerreichbar sein, dies sollte uns aber nicht abhalten, uns zu mühen.
Wenn ich eine ad-hoc-Definition von "Revolution" versuchen sollte, wäre es diese: Ursprünglich in der Astronomie verwandt, um die "Wiederkehr" der Gestirne nach einem Umlauf zu bezeichnen. Später im sozial-politischen Senktor im anderen Wortsinn, "Umwälzung", im Sinne von "Das Unterste zu oberst umwälzen und umgekehrt", gebraucht. Bezeichnet hier - in Abgrenzung zum Umsturz, der durch eine kleine Gruppe erwirkt wird - eine durch eine Massenbewegung innerhalb kurzer Zeit erzwungene drastische Veränderung der Machtverhältnisse und Ablösung der dominierenden Eliten in einer Gesellschaft. Klassisches Beispiel: die französische Revolution (Adel geköpft, Revolutionäre bilden das herrschende Direktorium. Der Begriff wurde später auch auf außerpolitische Phänomene ausgedehnt, wobei hier meist nur der Aspekt der radikalen Änderung beachtet wurde. Beispiele: Industrielle Revolution und Kambrische Revolution oder Explosion - letztere zog sich aber tatsächlich über Millionen von Jahren hin, daher war diese Begrifflichkeit stets umstritten.
Auch diese Definition hat natürlich die Schwäche, dass sie den "kurzen Zeitraum" nicht präzise festlegt, obwohl hier natürlich nur an Tage, Wochen oder höchstens Monate gedacht ist. Wenn man aber aber nun konkret diskutiert, ob die Veränderung unserer Gesellschaft durch das Internet eine Revolution oder eine Evolution war, fällt meines Erachtens die Entscheidung recht eindeutig zu Gunsten des Wortes "Evolution" aus: Als das Internet vor rund 15 Jahren - massentauglich wurde, hatte es bereits eine jahrelange Entwicklung (ich danke da nicht nur an das Arpa-Net, sondern auch an die Mailboxsysteme, BTX u.v.m.). Es erreichte um die Mitte der 1990er zwar eine neue Qualität, war aber auch da zunächst nur relativ Wenigen vorbehalten und blieb eine Kette evolutionärer "Try & Error"-Erkundungen. Auch danach kann man eine Entwicklung in mehreren Schüben verfolgen, die dem Netz eine größere Teilnehmerschaft verschafften (in Deutschland z. B. Fall des Telekom-Monopols, sinkende Preise, schließlich der Breitband-Boom) und mit der größeren Teilnehmerzahl stieg auch die Chance, dass neue Nutzungsmodelle Raum gewannen.
Die Wikipedia z. B. entstand vor zehn Jahren, aber kurz nach der geplatzten Dot-Com-Blase wollten viele das Wort "Internet" nicht mehr hören, weil sie sich vollkommen verspekuliert hatten und eben eine Revolution binnen Monaten erwarteteten, die ihnen große Gewinne bringen sollte - nur Geld in großspurige Projekte reinzupumpen, funktioniert aber eben nicht zwingend. Und dann kamen um 2003 dann IT-Manager und Marketingfuzzis, die das "Web 2.0" ausriefen (was ja nichts anderes ist als: Wir rufen wieder mal ne Revolution aus), um mit Projekten wie "Second Life" Knete zu verdienen. Gerade wegen solcher kommerziellen Versuche wie in der Dot-Com-Blase und der "Web 2.0"-Hysterie, habe ich ernste Bauchschmerzen mit der Begrifflichkeit "Internet-Revolution". Verändert das Internet unser Leben und die Gesellschaft derzeit nachhaltig? Ja. Ist es sinnvoll, von Revolution zu reden? Da sage ich: Vorsicht Leute. So funktioniert das Internet nicht. Heiko
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Hi Ronny, das Hangeln mit Booking.com hat wirklich recht gut funktioniert, auch wenn ich anfangs so meine Bedenken hatte, zum Beispiel, weil ich meine Kredikarten-Angaben dort einspeisen musste - aber bis heute haben die mich nicht ausgeplündert.
Was ich aber noch am Rande klugscheißern möchte: Im der Unterschied zwischen Evolution und Revolution ist nicht der Umfang, sondern das Tempo der Änderungen. Ein paar Millionen Jahre Evolution - nach planetaren Maßstäben, die in Milliarden Jahren rechnen, übrigens ein sehr kurzer Zeitraum - haben die Erde dramatisch verändert. Und da spreche ich nicht nur von der Vielfalt der Spezies, die erschienen und verschwunden sind, sondern auch von den Folgewirkungen des Evolutionsproduktes Mensch, der riesige Wälder abgeholzt hat (Germanien z. B. wird bei Caesar als riesiger Wald beschrieben), die Erdoberfläche mit Straßen, Gebäuden etc. überzieht usw. usf. Die französiche Revolution wiederum war für unsere politische Entwicklung in den vergangenen 200 Jahren enorm wichtig, für die Erde hatte sie hingegen nur periphere Folgen.
Legen wir ähnliche Maßstäbe auf die viel kurzlebigere technologische Welt an, so war z. B. die Erfindung der integrierten Schaltkreise sicher eine Revolution: eine grundlegend neue Technik die innerhalb kürzester Zeit fast die gesamte Wirtschaft verändert hatte und drastische soziale Folgen hatte (ganze Branchen gingen unter, andere wie die Softwarebranche wurden durch ICs erst sinnvoll und möglich). Das Internet hingen wurde bereits in mehreren Schritten (evolutionär) "erfunden", über Jahre hinweg war fast es nur Forschern, Studenten und Militärs zugänglich. In den 1990ern begann es, für das Alltagsleben breiterer Nutzerkreise relevant zu werden (E-Mail etc.). Und auch das sogenannte "Web 2.0" war - anders als es die irreführende Bezeichnung nahelegt - eine evolutionäre Entwicklung über viele kleine Schritte. Als Vorreiter dafür gilt vor allem die Wikipedia, von der Jimmy Wales selber zu recht sagt, dass sie (anfangs ausschließlich, heute relativiert durch weitere Prinzipien) evolutionären Prinzipien folgte (Die beste Information setzt sich letztlich durch).
Kurz: Kurz nach der Dotcom-Blase hat das Internet wirklich begonnen, soziale Interaktionen, Wirtschaft und weitere gesellschaftliche Segmente in großer Breite zu verändern - aber als Folge evolutionärer Schritte, die (um Marx & Engels frei zu zitieren) von einer gewachsenen Quantität in eine neue Qualität umschlagen. Heiko