| Fort Hackenberg – Bunker aus dem 2.Weltkrieg auf der Maginotlinie in Frankreich |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Montag, den 15. August 2011 um 00:00 Uhr |
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Es ist Sonntag am Nachmittag. Noch vor wenigen Minuten lag ich an der Seille, einem kleinen Flüsschen, welches durch Metz fließt, und frönte einem Nickerchen nach einer durchzechten Nacht. Noch etwas benommen sollte ich nun einen Blick in eine der Verteidigungsanlagen werfen, die den Deutschen nach dem 1.Weltrkieg einen Angriff auf Frankreich verderben sollte, die Maginotlinie. Die Bunkeranlage Hackenberg gehört zu den Teilen der Verteidigungslinie, die am Besten erhalten geblieben ist. Und an diesem Nachmittag sollte es hier sogar eine deutsche Führung durch die Anlage geben. Fort Hackenberg – Besichtigung eines Bunkers mit einem echten FührerEigentlich hoffte ich, die Anlage ohne einen „Führer“ besuchen zu dürfen. Doch nachdem ich den Bunker betrat, wusste ich, dies wäre unmöglich gewesen. Die Anlage ist in ihrer Ausdehnung so gewaltig, dass die Franzosen eine komplette Eisenbahn mit einem Schienennetz von vier Kilometern in die Anlage integrierten. Zusätzlich standen den Soldaten in der Anlage Fahrräder zur Verfügung, um schnell von einem zum anderen Ende zu gelangen. Ein paar dieser alten Exemplare, natürlich restauriert, hängen heute noch in einem Teil des Bunkers.
Bereits nach den ersten hundert Metern versteht man, welche bautechnische Meisterleistung in nur fünf Jahren hier vollbracht wurde. Tausende Tonnen von Gestein mussten aus dem Berg geschafft werden, um Platz für die unzähligen Gänge, Räume und Geschützstellungen zu schaffen. Von Außen sieht man von diesem Bauwerk nur sehr wenig. Bis auf ein paar Eisenkübel, die scheinbar willkürlich aus dem Boden ragen, erkennt man nicht viel von Hackenberg.
Abgefeuert! - 4 Tonnen an Munition in nur einer MinuteDabei war die Anordnung dieser willkürlich anmutenden Geschützstellungen gut durchplant. Die verschiedenen Bunkeranlagen befanden sich immer im richtigen Abstand zueinander. Sofern es zu einem Angriff gekommen wäre, hätte Hackenberg mit seinen Geschützen die benachbarten Bunker beschützen können. Angreifer wären von Hackenberg aus unter Dauerfeuer beschossen wurden. Wären die Geschütze von Hackenberg zum Einsatz gekommen, hätten sie pro Minute vier Tonnen an Munition verschießen können. Für die Angreifer wäre dies einem Dauerbombardement gleichgekommen, welches nach rund 20 Minuten beendet gewesen wäre. Grund dafür sind die 90 Tonnen an Munition, die täglich bei einem Angriff zur Verfügung gestanden hätten. Ein Eindringen in die Anlage war im Übrigen nahezu unmöglich. Von außen ist die Anlage auch heute noch hermetisch abgeriegelt. Selbst der Geschützturm wurde, wenn er nicht gerade wild mit Munition um sich geschossen hätte, abgesenkt. Angreifer hätten sich erst durch den dicken Stahlbeton bomben müssen, um überhaupt in die Anlage vorzudringen.
Ein Kreis mit 400 Grad? – Eine französische BesonderheitAus dem Staunen kommt man nicht heraus, wenn man die Anlage durchquert. Auch heute noch kann man mit der Eisenbahn durch die Anlage fahren. Natürlich alles in Verbindung mit der Führung. Sechs Minuten dauert die Fahrt durch den 12° Grad kalten Bunker. Der Fahrtwind der einem während dieser Zeit entgegen pfeift, vermittelt ein kleines bisschen, wie sich die Soldaten damals gefüllt haben müssen. Am Ende der Fahrt erwartet uns einer der Geschütztürme. Elektrisch angetrieben, kann dieser in alle Richtungen gedreht werden. Die Anweisungen hierzu erhielten die Soldaten von einem externen Beobachtungsposten, denn die Möglichkeit von dieser Stelle aus Tageslicht zu sehen, gibt es nicht. Noch eine Besonderheit wartet hier auf den aufmerksamen Besucher. Die Gradzahlen, mit denen der Geschützturm bewegt werden kann, reichen bis 400 Grad. Auf Nachfrage erklärt man uns, dies sei eine französische Besonderheit. Bis nach dem zweiten Weltkrieg besaß ein Kreis in Frankreich 400 Grad. Erst danach wurde die uns heute bekannte 360 Grad Aufteilung eines Kreises auch in Frankreich eingeführt.
Bunkerkoller - Guter Rotwein für die schlechte LauneNachdem man uns den Geschützturm in Aktion präsentierte, leider ohne den Abschuss von irgendwelcher Munition, bekamen wir endlich wieder Tageslicht zu Gesicht. In der Zwischenzeit befanden wir uns bereits seit zwei Stunden unter Tage und wenn man bedenkt, die hier stationierten Soldaten sahen für drei Monate kein Sonnenlicht, kann man sich ungefähr ausmalen, welche Depressionen in dieser Zeit bei den Stationierten aufgetreten sind. Damit man diese Trostlosigkeit aushalten konnte, griff man auf eine einfache Methode zurück, Alkohol. Für jeden Soldaten gab es mittags und am Abend 250ml guten französischen Rotweins. Genügend Prozente bis zur nächsten Ration. Für uns gab es leider kein Motivationsgetränk. Dafür durften wir die Überreste der einzigen Kampfhandlungen in Hackenberg bewundern. Diese wurden von deutschen Soldaten durchgeführt, die sich 1944 in der Anlage verschanzten. Als die Amerikaner anrückten, beschoss die Besatzung aus 30 Mann mit den weitreichenden Geschützen von Hackenberg, die Einheiten der Amerikaner. Diese wunderten sich, woher der Beschuss kam. Da der Bau der Anlage ein wohlbehütetes Geheimnis auch in Frankreich war, konnten nur ehemalige Arbeiter, welche die Anlage mit aufgebaut hatten, den Amerikanern erzählen, die Geschosse kämen von dem 13 Kilometer entfernten Bunker. Der Rest ist Geschichte. In wenigen Tagen wurde die Deutschen zur Aufgabe der Anlage gezwungen und versuchten diese noch zu sprengen, was bei der Größe der Anlage jedoch unmöglich war.
Bunker, Museum, Geschichte – Fort Hackenberg hat viel zu erzählenZurück im Bunker geht es nach zweieinhalb Stunden endlich wieder zum Eingang. Am Ende bleiben Erinnerungen an die vielen Eindrücke, wie der Maschinenraum von Hackenberg, in dem auch heute noch ein ohrenbetäubender Lärm der laufenden Maschinen herrscht, die für Frischluft in der Anlage sorgen. Oder das kleine Museum, welches sich in den Gängen von Hackenberg befindet und den Besucher mit weiteren Informationen versorgt. Nicht zu vergessen die Munitionskisten und die mobilen Artilleriegeschütze, die man überall in dem Bunker findet. Unser Bunkerführer hatte zudem immer wieder interessante Geschichten auf Lager, die der Führung einen besonderen Touch gaben. Wie zum Beispiel die Erklärung warum der Bunker im Inneren überall durch Metalplatten verkleidet war. Diese Platten dienten zur Erhaltung der Moral im Bunker. Wäre es zu einem Angriff auf den Bunker gekommen, hätte man mit massivem Beschuss rechnen müssen. Durch die Erschütterungen wären von den Decken kleine Steine nach unten gebröselt. Durch die Metallplatten wäre dies verhindert wurden und den Soldaten hätte man dadurch den Eindruck vermittelt, der Bunker hält auch dem größtem Bombardement stand.
Das Fort Hackenberg ist eben nicht nur ein Bunker, sondern eine Anlage, die das Ende einer Kriegsära zeigt. Die Zeiten von mächtigen Bauwerken, die Angreifer abwehren sollen, sind ein für alle mal vorbei. Zurück bleibt ein Teil Geschichte, den ich glücklicherweise unter friedlichen Zeichen betreten durfte. Als Soldat hätte ich an dieser Stelle keine Freude gehabt. Weitere Infos unter: wikipedia.org, www.maginot-hackenberg.com
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Danke für die Info. Damit könntest du durchaus Recht haben. Denn laut dem Eintrag in der Wikipedia, wurde Gon früher auch als Neugrad bezeichnet, was durchaus eine Verwechslung mit dem heutigen Grad nach sich ziehen könnte. Ob dies unser Bunkerführer aus dem Elsass so unterschied, stell ich jetzt mal in Frage.
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Hallo
glaube das sollte nicht,
Ein Kreis mit 400 Grad
sonder Ein Kreis mit 400 Gon heißen
das ursprünglich aus dem Vermessungswesen stammt.
ansonsten sehr informativ und immer lesenswert