Leonardo Da Vincis Traum? – Schloss Chambord in Frankreich im Tal Loire

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Schloss Chambord

Es gibt genau zwei Dinge an die ich mich beim Schloss Chambord noch sehr gut erinnere. Dies ist zum einen der Größenwahn mit dem die Arbeiten an dem Schloss vorangetrieben wurden, ohne dass dieses im Anschluss jemals für längere Zeit genutzt wurde. Und an die doppelte Wendeltreppe, die sich im Schloss befindet und von der man heute glaubt, sie entstamme der Feder von Leonardo Da Vinci. Dieser war in den letzten Jahren seines Lebens zu Gast in Frankreich, auf Einladung des französischen Königs. Bei dem Schloss Chambord vermutet man, Leonardo Da Vinci hat an diesem Schloss aktiv mitgewirkt. Natürlich kann man dies heute nicht mehr beweisen, da der Architekt des Schlosses auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist und kein Stein auf den Namen des Architekten hinweist. Ein Mysterium?

Adlige Ignoranz vs. Massentourismus – Ein Schloss für die Neuzeit

Das Schloss Chambord ist eines der Schlösser im Loiretal, welches täglich von hunderten von Besuchern in Beschlag genommen wird. Dies wundert wenig, denn schließlich gehört das Schloss zu einem der imposantesten und schönsten Schlösser im Loiretal. Früher sollte es einmal als Jagdschloss, treu nach seinen italienischen Vorbildern, dienen. Doch die Bauherren der Vergangenheit residierten in dem Schloss nur wenige Wochen. Im Sommer wurde das Schloss regelmäßig von einer Mückenplage heimgesucht, dank der umliegenden Sümpfe. Und im Winter konnte das Schloss aufgrund seiner Größe nicht ausreichend erwärmt werden. Somit war es für jeden Besitzer zwar ein Prunkbau, mit dem er fleißig bei seinen Konkurrenten angeben konnte. Aber umfangreich nutzen konnte das Schloss keiner dieser Besitzer.

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Wasserspeier Schloss Chambord

Die doppelte Wendeltreppe – Leonardo Da Vincis Handschrift?

Trotzdem waren viele der Besitzer damit beschäftigt das Schloss Chambord immer weiter auszubauen. Zuerst wurde der mittlere Teil des Schlosses errichtet, in dem sich auch der berühmte doppelläufige Wendelstein befindet. Diese Treppe besteht aus zwei Wendeltreppen die sich ineinander geschwungen in den oberen Bereich des Schlosses hinaufschlängeln. Herzstück der zwei Wendeltreppen ist der runde Mittelschacht. In diesem sind Fenster nahezu auf gleicher Höhe eingelassen. Durch diese Fenster kann man die Menschen sehen, die jeweils die andere Wendeltreppe benutzen. Allerdings wird man diesen Menschen niemals begegnen, was das eigentliche Schauspiel der Wendeltreppe ist. Die Bauweise der Treppe erinnert an Pläne, die von Leonardo Da Vinci stammen, weswegen man vermutet, der Wissenschaftler und Künstler könnte beim Bau des Schlosses seine Finger im Spiel gehabt haben.

Eine 32 Kilometer lange Mauer zur Unterhaltung von Königen

Womit Leonardo Da Vinci auf jeden Fall nichts mehr zu schaffen hatte, war die Außenmauer, die das Gelände des Schloss Chambord umgibt. Diese Mauer ist heute mit ihren 32 Kilometern die längste Mauer, die ein Gelände umschließt. Die Mauer diente ursprünglich dazu, dass Jagdgebiet um das Schloss einzugrenzen. Auch heute leben in diesem Gebiet noch Hirsche und Wildschweine, die man bei einer Wildsafari beobachten kann. Vorausgesetzt natürlich, sie wollen sich zeigen, wofür niemand der Safarifahrer garantiert. Auf dem vor dem Schloss befindlichen kleinen Teich kann man mit Tretbooten fahren. Und in den zahlreichen Souvenirshops findet man allerlei nutzlosen Plunder, der uns auf unserer Reise durch das Loiretal auch in den anderen Schlössern immer wieder begegnete. Hier scheint sich eine echte Souvenirlobby entwickelt zu haben.

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Schloss Chambord

Ein Schloss erwacht aus seinem Dornrösschenschlaf

Das Schloss ist trotz dieser touristischen Spektakel einen Besuch wert. Aufgrund seiner Größe wirken die Massen von Touristen aber bei Weitem nicht so bedrückend wie in anderen Schlössern der Loire. Man verläuft sich hier sehr schnell und kann immer wieder auch Bereiche finden, an denen man für einen Augenblick auch alleine verweilen kann. Auch heute noch wirken die Räume und Gänge des Schlosses sehr imposant. Ich fragte mich öfters, für wen diese vielen Zimmer angelegt wurden. Eine Antwort darauf könnte mir bis heute keiner geben, da keiner all diese Räume nutzte. Chambord ist somit eigentlich ein Schloss, welches erst in unserer Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erwachte. Heute bewegen sich durch das Schloss täglich mehr Besucher, als zu seinen Hochzeiten vor 200 bis 500 Jahren.

Die Geschichte vom verlorenen Parkticket oder wie man uns nicht bescheißen wollte

Zum Schluss noch eine kleine Episode, die verdeutlicht, das die heutigen Betreiber von Chambord viel Wert auf die Zufriedenheit der Besucher legen. Um einen der Parkplätze zu benutzen, die sich unweit von Chambord befinden, muss man natürlich eine Parkgebühr entrichten. Diese beträgt mit Stand von 2011, drei Euro. Die ersten 45 Minuten sind kostenfrei, aber diese Zeit reicht definitiv nicht aus, um das Schloss zu besichtigen. Man benötigt nämlich bereits rund 10 Minuten vom Parkplatz bis zum Eingang des Schlosses. Wenn man den Parkplatz wieder verlassen möchte, muss man das Ticket entwerten. Was aber, wenn man das Ticket zu diesem Zeitpunkt unter all den Menschenmassen verloren hat? Als Deutscher vermutet man sofort das Schlimmste, nämlich eine saftige Strafe und unliebsame Blicke. Nicht so in Frankreich. Hier bekamen wir anstandslos ein neues Ticket von dem Infoschalter, welcher sich bei den Souvenirläden und gastronomischen Einrichtungen befindet. Die Gebühr für das Ticket, drei Euro und keinen Cent mehr. Kann man sich noch mehr wünschen?

weitere Infos unter: www.chambord.org, wikipedia.org

2 Gedanken zu “Leonardo Da Vincis Traum? – Schloss Chambord in Frankreich im Tal Loire

  1. Auch wir waren in diesem Jahr in Chambord. Mich hat die Wendeltreppe fasziniert und die tollen Wasserspeier. Aber das ist ja eine Berufskrankheit(das mit den Wasserspeier)

    Bei der Ausfahrt hatten auch wir ein besonderes Erlebnis. Der Automat hat gestreikt, aber es ging, wie vieles in Frankreich locker und ohne Probleme ab.

    Wer in der Nähe Urlaub macht, sollte Chambord unbedingt besuchen.

  2. Die Franzosen scheinen mit solchen Problemen locker umzugehen, was natürlich vermuten lässt, man ist dies in Frankreich gewöhnt. ;) Für Touristen ist dies aber eine sehr angenehme Situation. Schließlich muss man sich neben den Sprachbarrieren nicht auch noch mit den unbekannten landestypischen Geflogenheiten plagen. Solch eine positive Herangehensweise würde ich mir auch hierzulande öfters wünschen.

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