| Schloss Chenonceau – Dornrösschenschloss in Frankreich am Fluss Cher |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Montag, den 01. August 2011 um 00:00 Uhr |
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Chenonceau unterscheidet sich deutlich von den anderen Schlössern, die ich im Loiretal besuchte. In nahezu jedem Raum befindet sich ein dekoratives Blumengesteck aus frischen Blumen. Diese verbreiten einen angenehmen Duft im Raum und so manche ältere Besucherin kann man dabei beobachten, wie sie dezent ihre Nase in Richtung der Blumen bewegt.
Wo ist der Schlossherr? – Ein Schloss im PrivatbesitzVielleicht liegt dies daran, dass sich Chenonceau auch heute noch im Privatbesitz befindet. Nur mit dem Unterschied, davon spürt man auf dem Schloss nichts. Das Schloss wirkt wie jedes andere Schloss, welches sich auf Touristen eingestellt hat. Nur eben mit den kleinen feinen Unterschieden, die dem Schloss eine eigene, sehr lebendige Ausstrahlung verpassen. Da wäre zum Beispiel der Übergang über die Cher, die für manchen Menschen eine wichtige geschichtliche Rolle spielte. Die Cher war im zweiten Weltkrieg die Grenzlinie zwischen dem von Deutschland besetzten Frankreich und dem durch eine französische Marionettenregierung regierten „freien“ Frankreich. Über den Übergang floh so mancher Franzose vor den Deutschen in Sicherheit. Ob das Gesteck in den Farben der Trikolore vielleicht an diese Ereignisse erinnern soll?
Relikte aus der Vergangenheit, zum Greifen nahOder die ehemalige Küche des Schlosses Chenonceau. Wo findet man heute noch eine Küche, in der man versucht das Flair der vergangenen Zeiten einzufangen, lebendig, so als würde die Köchin gleich die Szenerie betreten? Alte Pfannen dekorieren die Wände. Scharfe Messer stecken in den Schlitzen der Anrichten. Frisches Obst befindet sich auf den Esstischen. Neben einem Ofen befinden sich alte Brotkörbe, in denen früher die Baguettes aufbewahrt wurden. Alles theoretisch zum Anfassen und trotzdem sehe ich keinen der Besucher die Chance ergreifen.
Anfassen Verboten! und kein Schild welches darauf hinweistHier fängt man an zu Träumen und fragt sich, waren die vergangenen Zeiten wirklich so ruhig, wie sie heute im Schloss dargestellt werden? Die Zimmer die man betreten kann, vermitteln diesen Eindruck. Die Betten laden ein sich auf diese hinzulegen. Die alten Stühle zieren die Räume, ohne den Besucher daran zu hindern, sich auf diese zu setzen. Überhaupt wurde versucht auf Absperrungen dort zu verzichten wo man konnte. Alleine ein paar alte Wandteppiche befinden sich im unteren Bereich hinter Glas. Sicherlich eine Vorsichtsmaßnahme, denn bei den Massen an Besuchern könnte es des Öfteren geschehen, dass man versehentlich an diese alten Wandteppiche stößt.
Motive, Motive, Motive – wenn da nicht die Massen an Menschen wärenWenn die Massen an Menschen nicht wären, man könnte dem Schloss noch weitere optische Geheimnisse entlocken. Doch immer wieder huschen mir die Besucher vor die Linse. Auch draußen wird es nicht besser. Man hat den Eindruck, die ganze Welt besucht Chenonceau. In den beiden kleinen Parkanlagen, die sich links und rechts neben dem Schloss befinden, schlendert man gemütlich auf den Wegen entlang und versucht sich von den Impressionen aus dem Schloss zu erholen. Viele Fotografen haben ihre Stative aufgestellt und versuchen ein paar Aufnahmen von dem Schloss und dem Fluss Cher zu erhalten. Ich schließe mich ihnen an und versuche trotzdem den Blickwinkel zu verändern. Vielleicht sollte man sich aber auch nicht auf die Motive konzentrieren, die bereits unzählige Male geschossen wurden. Dafür bietet der Park genügend andere Motive an, wie die schön dekorierten Pflanzkübel, die sich auf der den Park umzäunenden Brüstung befinden.
Ein Garten zum Schlafen – französische Gelassenheit in der MittagssonneSchließlich sind es doch die kleinen Dinge, die einen immer wieder die schönen Seiten im Leben aufzeigen. Wenn man sieht wie Bildhauer mit einer Hingabe an die Details versuchen Lebendiges in toten Stein zu hauen und es ihnen dabei gelingt ein Wunderwerk zu schaffen, welches einen beim genauen Hinsehen einfach nur die Sprache verschlägt, dann erhält man einen kleinen Eindruck davon, wie befriedigend Arbeit sein kann, die nicht als Arbeit erscheint. Chenonceau lebt von diesen kleinen Details, die man überall findet und die doch nicht sofort auffallen. Dazu zählt auch der Irrgarten, der früher sicherlich als Lustgarten diente. Denn verirren kann man sich in diesem nur sehr schwer. Dafür nutzte so mancher Besucher die gut gepflegten Wiesen, die den Irrgarten umgeben, um ein kleines Mittagsschläfchen abzuhalten.
Bitte unbedingt vergessen – Hektik, Stress und keine ZeitWenn man Chenonceau besuchen möchte, sollte man vor allem eins mitbringen, Zeit. Manchmal muss man sehr lange warten um die Räume auf sich wirken lassen zu können. Durch die Zimmer im Schloss zu jagen und zu versuchen alles in kürzester Zeit anzusehen, gehört zu den denkbar ungünstigsten Varianten. Dafür bietet das Schloss einfach zu viele schöne Ecken, um sich von diesen nicht inspirieren zu lassen. Mit etwas Glück erwischt man auch einen der Tage, an denen der Touristenstrom vielleicht nicht ganz so stark ist. Vielleicht eignen sich aber auch eher die späten Nachmittagsstunden für einen Besuch. Ein Besuch an einem sonnigen Tag und im Sommer ist zudem zu empfehlen. Die Hingabe, mit denen die Parkanlagen in Chenonceau gepflegt werden, kann man in dieser Jahreszeit am Besten bewundern.
Weitere Infos unter: wikipedia.org , www.chenonceau.com |
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Sehr schöne Bilder, Ronny. Da haben sich die Mühen ja gelohnt. Heiko