Dem aufmerksamen Leser auf Ploync ist mit Sicherheit nicht entgangen, das hier des Öfteren ein Wandertip für die Sächsische Schweiz vorzufinden ist. Wie ich aus einer kürzlichen gemeinsamen Erfahrung mit unserem „Ploync Kletterer“ Ronny weiß, sind die Routen nicht völlig anspruchslos. Deshalb jetzt hier eine attraktive Alternative, welche auch für einen sonntäglichen Spaziergang mit der Familie bestens geeignet ist.
Am Papststein gefällt mir die wirklich herrliche Aussicht in die Sächsische Schweiz besonders gut. Auf dem Gipfel kann man über
einige Sandsteinelemente problemlos (ohne Ausrüstung) „kraxeln“ und den Blick ins Umland genießen. Und zur Belohnung für den kleinen Aufstieg, findet man auch gleich eine zünftige Berggaststätte vor.
Seinen PKW stellt man auf einem ausreichend dimensionierten Parkplatz am Fuß des Papststein ab. Dann heißt es die Treppen bis zum Gipfel erklimmen. Ich benötige dafür zügigen Schrittes 10 Minuten. Wer sich Zeit lassen möchte, sollte für den Aufstieg mit Pausen 20 bis 30 Minuten einplanen. Der Speisekarte des
Bergrestaurants ist zu entnehmen, das geübte Mitarbeiter die Strecke in 5 Minuten bewältigen.
Am Gipfel angekommen wird man mit einem herrlichen Blick belohnt. Wer möchte kann sich dann gleich nebenan im Restaurant stärken, dass sich auf eine auf fairen Handel und ökologische Produkte aufgebaute Küche spezialisiert haben will.
Man erreicht den Papststein über den Ort Königstein. Richtung tschechische Grenze fahrend, biegt man kurz vor Ortsausgang Königstein Richtung Gohrisch ab. Nach der Ortsdurchfahrt Gohrisch sind es nur noch wenige Minuten bis zum Parkplatz.
Per Bahn ist die Anreise mit der S-Bahn Dresden-Schöna möglich. Ausgestiegen wird in Königstein.
Einige Worte zum Thema Sächsische Schweiz, Nazis, Spießer und Freundlichkeit
Kürzlich las ich in einem Artikel in der „Zeit Online“ über einen Ort in Sachsen, in welchem Neonazis die Deutungshoheit übernommen hatten. Die Bevölkerung terrorisieren. Angeblich würden Behörden
und Polizei die Augen verschließen. Nur wenige Bürger stehen der rechten Übermacht mit Courage entgegen. Das fand ich sehr bedrückend.
Ich bin kein Freund davon, vor Problemen die Augen zu verschließen und so zu tun, als existierten sie nicht. Sollten die Zustände in jenem Ort wirklich so sein wie beschrieben, ich weiß nicht genau was ich tun würde, sollte ich dort wohnen. Eine Horde brutaler Nazis die Patroullie auf den Straßen fährt, würde auch mir Angst machen. Wüsste ich dann auch noch, das die Ordnungsmacht der Situation hilflos gegenüber steht, vermutlich verließe ich diesen Ort für immer. Doch was soll man tun, wenn Behörden, Gerichtsbarkeit und die staatliche Vollzugsgewalt auf dem rechten Auge blind sind? "Weicher Widerstand" ist gegen diese Sturmtruppen doch längst sinnlos (wie man den oben verlinkten Artikel entnehmen kann). Wir dürfen nicht
vergessen, Selbstjustiz ist eine Straftat. Eine individuelle Bewaffnung in Deutschland verboten. Das Freikämpfen des eigenen Ortes in bester Wild West Tradition a la "High Noon" & Co. ist also nicht möglich. Im Grunde ist das ja auch gut so. Nur sollten dann die das staatliche Gewaltmonopol innehabenden Polizeikräfte, mit aller Macht für Recht und Ordnung sorgen.
Mir ist bewußt das viele Menschen denken, Sachsen, Ostdeutschland, das ist ein Hort der Rechten. Natürlich stimmt das so nicht. Weder sehe ich in den Straßen von Dresden permanent rechte Schlägertruppen, noch fühle ich mich überhaupt von dieser Szene bedroht. Und ich bin weiß Gott ein Mensch, der viel außer Haus unterwegs ist. So kann ich auch sagen, das man gefahrlos die Sächsische Schweiz besuchen kann, ohne Opfer eines Überfalls durch rechte Extremisten zu werden.
Ich bin ein sehr emphatischer Mensch. Wenn ich die Sache also offen beleuchten will, dann werde ich nicht vergessen zu erwähnen, das eine gewisse dumbe Grundstimmung in kleinen Dörfern und Städten durchaus vorzufinden ist. Als ich mit meiner deutlich jüngeren Freundin vergangenen Sonntag auf dem Papststein war, wurden wir von vielen Wandereren angestarrt wie eine Zooattraktion. Das waren nicht die zahlreichen Besucher aus Westdeutschland. Das waren Einheimische. Auch 20 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung, erkenne ich das sehr genau an Habitus und Bekleidung, oder spätestens an der Sprache. Das war lästig und ich empfand es als extrem spießig und hinterwäldlerisch. Die Krone setzte noch auf, das das Personal in der Berggaststätte offensichtlich keinen besonders guten Tag hatte. Vielleicht waren die Mitarbeiter auch von den verklemmten Gästen genervt (es waren natürlich auch nette Leute vor Ort).
Abschließend will ich noch erwähnen, das in der Region südlich von Dresden die rechten politischen Kräfte bei vergangenen Wahlen einen erheblichen Zuspruch erhielten. Man hat mit diesem Wissen im Kopf natürlich ein gewisses Vorurteil, dass man mit sich herumträgt. Schlussendlich war ich froh wieder in Dresden zu sein, wo ich mir in der Neustadt bei einem Bier erstmal die erlebte Kleinbürgerlichkeit und die piefige Stimmung hinunterspülen konnte.

Fazit: Weder die pauschalisierenden Klischees über ein von Nazis überranntes Ostdeutschland sind für bare Münze zu nehmen, noch kann man sich zurück lehnen und so tun, als sei alles in bester Ordnung. Ich war schon oft genug in der Sächsischen Schweiz ohne mit den oben genannten Eindrücken zurück zu fahren. Die von mir kürzlich so ganz subjektiv empfundene, miesepetrige und ultrakonservative Grundstimmung, wird sich genau so auch in kleinen Hinterwäldlerkaffs in Nord-, Süd- und Westdeutschland vorfinden lassen. Persönlich ging es mir jedenfalls südlich des Weisswurstäquators schon mehrfach so.
Nichtsdestotrotz: Immer schön offen bleiben. Und wer weiß, vielleicht besuchen ja auch Sie demnächst einmal den Papststein. Es lohnt sich. Die Natur ist wirklich toll.

Also wenn diese Sehenswürdigkeit die gleiche Stimmung & den biederen Eindruck der dazugehörigen Homepage hinterläßt, so wundert mich der obige Bericht nicht wirklich.
Und ja, der ZEIT Artikel hat auch mich zum Nachdenken gebracht und ich kann diesen Unterschied zwischen Stadt & Dorf/Gemeinde nur bestätigen. Aber auch dies hier, wie “drüben”
Eine wirkliche Lösung u.o. Ansätze dem beizukommen sind mir dagegen bei der ganzen Grübelei noch nicht eingefallen…
Schöne Grüße aus Seidnitz!
@ John
Eine Patentlösung habe ich auch nicht. Ich finde es wichtig das über diese Dinge jedoch offen gesprochen werden darf. Damit sie nicht als wünschenswerter Normalzustand betrachtet werden. Denn genau diese Geisteshaltung welche ich beschrieb, bieten doch den idealen Nährboden für extremes Gedankengut.
Allerdings sollte man auch so tolerant sein und einem Jeden das Leben zugestehen, dass er wünscht. Wer sich im kleinbürgerlichen Dunstkreis und innerhalb der eng abgesteckten Grenzen des eigenen Denkens wohlfühlt, meinethalben bitte schön.
Nur möge er Andersdenkende auch unbehelligt lassen und sich nicht den Anstrich einer weltoffenen Touristenregion geben.