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Der Knowth Macehead aus Newgrange - Republik Irland: Außerirdisches Artefakt oder Scherz?
Geschrieben von: Jens   
Sonntag, den 04. April 2010 um 16:05 Uhr
knowth_newgrange_irland_startLassen Sie mich bitte Ihren letzten Gedanken erraten: „Jetzt fangen Sie also bei Ploync auch schon mit Aliens und Ufo's an?“Keine Sorge. Die folgenden Ausführungen sollen nicht dazu dienen, wilde Spekulationen in die Welt zu setzen. Sie sind lediglich Schilderungen des derzeitigen Erkenntnisstandes, der gewisse Vermutungen aufkommen lassen kann.  Bitte lehnen Sie sich zurück und vergessen Sie für kurze Zeit alles, was Sie glaubten zu wissen. Öffnen Sie Ihren Geist und lassen sie sich auf eine Reise an einen mysteriösen Ort ein, der älter ist als die Pyramiden von Gizeh.



Bis vor reichlich zwei Jahren beobachtete ich die Jünger der Alien Bewegung zwar mit Interesse, doch auch einer ordentlichen Portion ironischer Distanz. Freilich, die Vorstellung das wir nicht allein im Kosmos sind, eventuell sogar eine kulturell überlegene Zivilisation uns mit schützender Hand beobachtet, hat Ihren Reiz und spiegelt Urängste wie auch Wünsche der Menschen wieder. Richtig neugierig auf das Thema wurde ich vor 2 Jahren in Newgrange. Meine Sicht auf die Dinge änderte sich.

Gemeinsam mit Ronny (von Ploync) bereiste ich im Frühjahr 2008 die irische Insel. Unsere Rundfahrt neigte sich langsam dem Ende zu. Als wir Belfast Richtung Dublin verließen, waren wir froh, die merkwürdig angespannte Stimmung in Nordirland hinter uns lassen zu können. Ronny hatte schon von Newgrange gehört. Newgrange soll auch in Veröffentlichungen zur Prä-Astronautik, also der Theorie über Besuche fremder Völker auf der Erde in der frühen Menschheitsgeschichte, schon genannt worden sein. Der Name der Gegend leitet sich aus dem irischen „Brú na Bóinne“ ab, was soviel heißt wie „Herberge der Göttin“. Das klang erst einmal hinreichend spannend für uns.

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Die Landschaft sieht auch hier sehr irisch aus. Grünes Land mit leichten Hügeln durchzogen. Newgrange selbst zu finden gestaltete sich schwieriger. Die Ausschilderung war, ebenso typisch irisch, stark verbesserungswürdig. Ortsansässige die wir nach dem Weg fragten, sprachen offensichtlich nur gälisch. Oder ein für mich nicht zu verstehendes englisch. Da wir keinesfalls aufgeben wollten, fanden wir nach einiger Kurverei doch noch unser Ziel. Wer Newgrange besuchen möchte, sollte unbedingt ein aktuelles Navigationsgerät (unser Leihgerät von der Autovermietung fand den Ort nicht) oder gute Karten besitzen. Man darf die „Grabstätten“ (was ich ganz bewusst in Anführungszeichen schreibe) nicht direkt besuchen. Zuerst meldet man sich im zentralen Besucherzentrum an. Von dort wird man mit einem Bus zu den Hügeln gefahren. Die Anlage besteht aus den beiden Komplexen Knowth und Newgrange. Dabei soll es sich um zeremonielle „Hügelgräber“ handeln. Als ich die schnöden Erdhügel sah, erwartete ich keine allzu spektakulären Einsichten. Das änderte sich sofort, als ich zum ersten mal vor den außen angebrachten Steinplatten stand. Die eingeritzten Zeichnungen erinnerten mich sofort an die Symbolik in den englischen Kornkreisen. Mein Interesse war nun mehr als nur geweckt.

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Die Anlagen wurden für viele Jahrhunderte als einfache Hügel in der Landschaft wahrgenommen. Zwar gab es immer mal wieder einen neugierigen Zeitgenossen, der ein paar Fundstücke zum Vorschein brachte, doch wurde erst in den 1960er Jahren mit einer systematischen Wiederherstellung der „Gräber“ begonnen. Die ins Innere der Hügel führenden Gänge sind Originale. Die Steinplatten außen wurden jedoch geborgen und neu angeordnet. Man wollte der Anlage ein möglichst authentisches Aussehen geben, griff jedoch zur Rekonstruktion des Außenbereichs auch auf moderne Baustoffe zurück. Das bekannteste Mysterium der beiden Installationen ist die Tatsache, dass nur für wenige Tage im Jahr das Innere der „Grabhügel“ von der Sonne ausgeleuchtet wird. Dies wird erreicht indem die Eingänge zu den „Gräbern“, mit einer für die damalige Zeit unglaublichen astronomischen Präzision, gefertigt wurden. Diese Ausleuchtung ist immer um die Zeit der Sonnenwenden sichtbar. Den Effekt der dabei entsteht, simuliert man heute mit einer künstlichen Beleuchtung.

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Im Inneren der Kammer der Knowth Anlage wurde uns dann endlich der „Macehead“ vorgestellt. Also der Keulenkopf. Er wurde bei den Ausgrabungen gefunden und befindet sich heute im irischen Nationalmuseum zu Dublin. Seine Form erinnert an ein Gesicht. Die seitlichen Partien sind mit dem mir schon an den Außenanlagen aufgefallenen Symbolen verziert. Unser sehr engagierter Führer berichtete uns nun etwas genauer von den ungeklärten Geheimnissen von Knowth. Den neolithischen (jungsteinzeitlichen) Menschen ist es definitiv unmöglich gewesen, aus dem verwendeten Stein einen Körper zu schlagen, der die Präzision des „Macehead“ aufweist. Das Material wäre mit den damaligen Bearbeitungsmethoden unweigerlich geplatzt. Die exakte Bohrung und die hochfeinen Verzierungen im Außenbereich des Macehead, sind auch heute nur mit Hilfe eines Laserstrahls produzierbar. Dies ist nicht das einzigste Mysterium. Neben der kuriosen Tatsache, das die Anlage vor Ort mit einem Alter von 7000 Jahren angegeben wird (auf Ausschilderungen), finde ich im Internet als Altersangabe stets 5000 Jahre. Wieso diese Zeitdifferenz?

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In den Hügeln wurden des weiteren Steine von mehreren Tonnen Gewicht verbaut, die sich ausschließlich im 75 km entfernten Wicklow Gebirge finden lassen.

Folgende Fragen stellte sich nun unser Führer selbst. Und wir offen gesprochen auch:

1.    Wieso machten die sich täglich um Ihr Überleben kämpfenden neolithischen Menschen eine solche Mühe mit Ihren Gräbern? (Das ewige Totschlagargument für alle Dinge die wir nicht erklären können, „ein heiliger Ort“, ist doch irgendwann einmal unglaubhaft)
2.    Irland war damals komplett bewaldet. Pferde existierten nicht. Das Rad war nicht erfunden. Wie wurden die Steine vom Wicklow Gebirge nach Newgrange gebracht?
3.    Woher nahmen diese Menschen das Wissen, eine astronomisch so exakt konstruierte Anlage zu errichten?
4.    Wer hat den „Macehead„ erschaffen? Die neolithischen Menschen waren dazu definitiv nicht in der Lage. (Dies wurde uns vor Ort klar so gesagt.)
5.    Was bedeuten eigentlich die immer wieder auftauchenden Symbole auf den Steinplatten? Die so stark an das Aussehen der Kornkreise erinnern? Auch Ihre Bedeutung ist völlig unklar.

Zu Punkt 5 möchte ich ergänzen, das ich das spiralförmige Symbol mittlerweile an einigen Orten der Welt vorgefunden habe. Mit jeweils kultischer Bedeutung. Doch das ist eine andere Geschichte.

Die Aussage des Mitarbeiters in Knowth war eindeutig: „Wir haben nicht die geringste Ahnung, wie diese Anlage entstanden ist und wer Sie mit welchen Mitteln errichtet hat.“ Interessant ist in diesem Zusammenhang, das im allgemeinen bei Newgrange stets von einer kultischen Grabanlage gesprochen wird. Diese uns als sichere Erkenntnis verkaufte Weisheit, teilen die Angestellten des Newgrange Komplexes ganz offensichtlich selbst nicht. Nur, wer sollte es besser wissen als sie?


Die Angelegenheit hat mich nicht mehr losgelassen. Ein halbes Jahr später flog ich wieder nach Dublin, um mir den Macehead im Nationalmuseum anzusehen. Völlig unscheinbar lag er hier neben anderen neolithischen Exponaten. Er war einfach als Macehead ausgeschildert. Ohne weitere Angaben. Offensichtlich existieren auch noch andere Artefakte mit einer ähnlichen Bearbeitungsqualität. Sehe ich mir die in den danebenliegenden Vitrinen ausgestellten Gegenstände aus der gleichen Epoche an, so stellt man den riesigen Unterschied in der Bearbeitungsqualität fest. Hier treffen zwei völlig unterschiedliche Kenntnisstände aufeinander und werden einem Zeitraum und einer Kultur zugeordnet. Ein Beispiel. Hat man seinerzeit ein axtähnliches Werkzeug gefertigt, so wurde der entsprechende Stein durch einen Schlitz im Stil getrieben. Der Macehead besitzt jedoch selbst ein Loch, durch welches dann der entsprechende Stil gesteckt werden kann. Diese Art der Fertigung ist jedoch nicht die in jener Zeit verwandte Methode, wie man ebenfalls sehr leicht an den Ausstellungsstücken aus dem gleichen Zeitraum erkennt.

Ich schrieb nach meiner Rückkehr das Museum an und wollte wissen, welche Annahmen über die Herstellung des Macehead bestehen. Mit welchen Mitteln er gefertigt wurde und zu welchem Zweck. Ich bekam folgende Auskunft: „Beim Knowth Macehead handelt es sich um ein hervorragendes Beispiel neolithischer Handwerkskunst.“ Ende der Ansage. Das soll alles gewesen sein? Ich fragte noch einmal näher nach. Der zuständige Kurator bestätigte mir, dass man über den Macehead im Grunde nichts wüsste. Es gäbe da ein Buch über die Ausgrabungen. Dort könnte man etwas finden. Vielleicht.

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Nun, dies ist bis heute mein Erkenntnisstand. Ich frage jetzt Sie: Woher stammt dieser Macehead? Wer hat Ihn gebaut, wer hat Newgrange und Knowth errichtet?

Ich bin durchaus bereit, neben der zu Anfang genannten phantastischen Theorie, auch eine zweite Möglichkeit ins Auge zu fassen. Die Iren sind ein lustiges und geselliges Völkchen. Ihr Humor ist oftmals ein wenig derb. Handelt es sich um den raffinierten Scherz eines Wissenschaftlers, der sich bis zum heutigen Tage köstlichst amüsiert? Was denken Sie? Natürlich erklärt dies dann immer noch nicht, wie es den neolithischen Menschen gelang, die tonnenschweren Steine aus dem Wicklow Gebirge nach Newgrange zu transportieren.

Das Thema fasziniert mich bis zum heutigen Tag wirklich sehr. Wer Unterlagen hat, Informationen oder Anregungen zum Thema Knowth, Newgrange und dem Macehead, der möge sich bitte bei Ploync melden. Vielen Dank.



 
Kommentare (5)
  • avatarRonny  - Fragen über Fragen

    Wie Jens schon schrieb, war für mich das Erstaunlichste, das beinahe Nebeneinanderliegen zweier verschiedener Gegenstände aus einer Zeit. Beim Macehaed wurde ein Loch durch den Stein getrieben und auch wenn man nicht weiß, wofür der Macehead genutzt wurde, gibt es einige die behaupten, man verwendete ihn als kleinen Hammer, indem man durch das Loch einen Stock steckte. Ein paar Vitrinen weiter, auf der anderen Seite der Halle, findet man jedoch einen Hammer. Dort wurde der Stein durch das Holz getrieben, also das härtere Material durch das Weichere.

    Wer sich davon selber überzeugen möchte, sollte dem Nationalkundemuseum in Dublin ruhig mal einen Besuch abstatten. Im Gegensatz hierzulande, gibt es in Dublin keine Eintrittspreise für die staatlichen Museen.

  • avatarElisa Day

    Eine hübsche Geschichte dazu und darüber findet man im Buch
    "Schwert und Harfe: Die große Irland-Saga" von Frank Delaney und Karin Diemerling von Droemer/Knaur. Wer Irland und seine Geschichte mag, wird dieses Buch lieben.

  • avatarAnonym  - war interesannt

    Es war sehr interesannt und ich weis jetzt mehr darüber.
    Doch eine Frage:
    Wo liegt Knowth?

  • avatarRonny  - Gleich neben Newgrange

    Bei Knowth handelt es sich um den zweiten der insgesamt drei Hügel. Er liegt neben Newgrange, dem wohl bekanntesten Hügel. Um Knowth und Newgrange zu besichtigen, muss man sich im Besucherzentrum zu der Anlage, Eintrittskarten organisieren. Anschließend wird man zu den Hügeln mit einem Bus gefahren und dort erfolgt eine Führung.

    Mit dem Auto kommt man zwar auch bis an die Umzäunung der Hügel heran. Aber durch die Bewachung der Anlagen, kann man nicht ohne weiteres die Hügel besichtigen.

  • avatarTorsten  - Ich weiss es, ich weiss es

    Die Iren sind doch absolut dafür bekannt, dass nichts, aber auch absolut gar nichts, was sie tun, auch nur im entferntesten einen Sinn macht. ;)

    Ich will den Iren dabei aber nicht auf die Füße treten, das sind im Herzen liebe Menschen. Aber ich erlebe diese irische Attitüde nun tagtäglich, da einer meiner beiden Apartment-Mitbewohner aus Irland kommt.

    Gutes Beispiel: Eines Tages kam mein Mitbewohner mit einem Chicken Pie an. Das Datum auf der Verpackung sagt "abgelaufen" ... und zwar zu dem Zeitpunkt vor genau 3 Tagen. Er:"Hey was meinst du, kann man das noch essen?" Ich: "Puuh, ich glaube nicht. Bei Chicken wäre ich vorsichtig!". Er:"Okay!". Problem geklärt... dachte ich.

    Einen Tag später finden wir genau diesen Chicken Pie im Frostfach unseres Kühlschranks wieder. Mein anderer Mitbewohner (schottischer Abstammung) und ich fingen gleichzeitig an zu grinsen. Ob Mr Ireland denkt, dass man per Freezer die Lebenszeit des Chicken Pie etwa zurückdrehen kann?

    Diese kleine Story war dann etwa eine Woche lang zum Running Gag unter unseren Freunden geworden. Ihn haben wir deswegen aber nicht weiter angesprochen.

    Ich hatte die ganze Geschichte inzwischen wieder vergessen. Nun kam letzte Woche mein schottischer Mitbewohner tatsächlich zu mir, mit besagtem Chicken Pie in der Hand und der Erklärung, dass er den letztens in den Freezer gepackt hat, damit der "wieder gut" wird und fragte, ob man den JETZT essen kann.

    Ihr könnt euch mein Grinsen nicht vorstellen. :D Ich hatte ja in Erwägung gezogen, dass er den nur in seiner Zerstreuung da rein gepackt hat. Aber nein, da steckte tatsächlich Absicht dahinter.

    Soooo, also was die Maceheads angeht ... die waren durchaus Absicht, machen aber keinen Sinn. Kapische? :D

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