gardasee

Der Leiternsteig auf den Cima S.A.T. mit Europas längsten Eisenleitern und Blick auf den Gardasee

Klettersteig Cima SAT GardaseeWer glaubt er hätte am Gardasee schon alles gesehen, der sollte sich die Frage stellen, ob er sich schon einmal über dem Gardasee auf den längsten Eisenleitern der Welt befand. Denn gleich neben Riva del Garda führt dieser Leiternsteig in luftige Höhe. Am Ende blickt man aus über 1.000 Meter Höhe hinab auf den dunkelblauen Gardasee und kann von hier aus das Formationssegeln der Windsurfer beobachten. Der Weg hinauf zu diesem Punkt ist dabei äußerst exponiert und bringt die Meisten an die Grenzen des Möglichen.

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Torbole, das Nadelöhr vom Gardasee

Der Gardasee gehört heute zu einem der beliebtesten Urlaubsziele. Nicht umsonst muss man gerade an An- und Abreisetagen mit langen Warteschlangen, selbst kurz vor dem Erreichen des Urlaubsortes rechnen. Die kurvenreiche Straße hinab nach Torbole ist dabei das Nadelöhr, welches selbst durch Polizisten, die den Verkehr lenken, nicht entschärft werden kann. Gleich im Nachbarort Riva del Garde befindet sich aber ein Highlight, welches man von dem Ort aus nicht sehen kann. Mehrere Eisenleitern ziehen sich auf der Südseite des angrenzenden Felsen, den Berg hinauf. An diesen Leitern kleben an sonnigen Tagen mehrere Menschen, die den Cima SAT besteigen und von diesem hinab auf das Treiben des Gardasees blicken wollen.

Ausblick vom Cima SAT nach Arco
Die Aussicht vom Cime S.A.T. nach Arco, gehört zu den schönsten am Gardasee.

Parken in Riva del Garda – ein kostspieliges Unterfangen

Um den Leiternsteig, der öfters auch als Klettersteig beschrieben wird, zu begehen, sollte man möglichst zeitig einsteigen. Gerade um die Mittagszeit endet der Weg auf der Südseite des Cima S.A.T. in einer Tortour. Die Sonne prasselt in dieser Höhe gnadenlos auf die Besteiger ein, so dass die vorhandenen Wasserreserven schnell dahin schmelzen. Beste Uhrzeit ist in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht ihre volle Kraft entfalten konnte. Dann findet man auch in Riva del Garda noch genügend Parkplätze ohne einen der teuren gebührenpflichtigen Parkplätze nutzen zu müssen. Die Tagespreise für diese Parkplätze lagen 2011 bei sieben bis zehn Euro.

Das Felsmassiv des Cima SAT am Gardasee
Irgendwo da oben befinden sich die Eisenleitern. Vom Einstieg kann man diese aber nur erahnen.

Von Riva del Garda zum Einstieg des Leiternsteigs

Zum Einstieg des Leiternsteigs begibt man sich auf die westliche Seite von Riva del Garda, an die Stelle wo der Hafen liegt, unterhalb der von Weiten sichtbaren „Bastione“, einem Teil der alten Festungsanlage von Riva del Garda. Von hier aus folgt man der Straße nach Norden. Kurz vor dem ersten Kreisverkehr befindet sich auf der linken Seite der Weg hinauf zur Kapelle S. Barbara. Gleich zum Beginn des Weges trifft man auf eine Schautafel. Auf dieser sind alle Wege, auch der Leiternsteig, noch einmal eingezeichnet. Für eine letzte Orientierung ist diese Tafel äußerst nützlich.

Nach rund 500 Höhenmetern kommt man zum Rifugio S. Barbara, welches sich wenige Höhenmeter unterhalb der Kapelle S. Barbara befindet. Sofern das Rifugio geöffnet ist, kann man hier noch einmal ein bisschen Energie und vor allem Flüssigkeit tanken, bevor es zum Einstieg des Leiternsteigs weiter geht. Dieser befindet sich in Richtung der Kapelle. Ein paar Meter vor dem Erreichen der Kapelle zweigt rechts ein gut ausgezeichneter Weg ab. Nach wenigen Metern geht dieser nach links ab und führt hinauf in Richtung des Fußes der Felsen. Ein erstes Stahlseil vermittelt dabei den Eindruck, ab hier geht es gut gesichert weiter.

Klettersteig Cima SAT-Wegweiser beim Rifugio Barbara
Die Ausschilderung zum Klettersteig ist ausgezeichnet.

Wo bleibt sie denn, die erste Leiter? – Aufstieg, scheinbar ohne Ende

Doch der erste Eindruck täuscht. Bereits nach wenigen Metern endet das Stahlseil. Von nun an geht es in steilen Kehren den Berg hinauf. Weitere Stahlseile nicht nur noch spärlich vorhandenen. Dafür zieht sich der Weg scheinbar endlos in die Länge. Nach einer gefühlten Stunde erreicht man endlich die erste der sechs Leitern. Diese Leiter ist unterbrochen durch ein Mittelpodest und zieht sich immerhin 45 Meter in die Höhe. Alles natürlich am senkrechten Felsen. Von dieser Stelle aus kann man die Surfer und Segelboote auf dem Gardasee noch gut voneinander unterscheiden. Dies wird sich aber in den nächsten Minuten schlagartig ändern.

Die erste Leiter am Klettersteig Cima SAT
Nach einem langen Anstieg kommt man endlich zur ersten Leiter. An sonnigen Tagen kann man hier vor dem Aufstieg gut verschnaufen.

Die längste Leiter der Welt – 70 Meter und doch kein Ende in Sicht

Nach der ersten Leiter geht es erst einmal weiter auf schmalen Weg dem Berg hinauf. Wieder fehlen sämtliche Sicherungen auch an den Stellen wo man es sich in dieser Höhe vielleicht wünschen würde. Rund 15 Minuten später befindet man sich dann an der zweiten Leiter. Die dritte Leiter sieht man von dieser Stelle aus bereits sehr gut. Sie gleicht in etwa der Strecke einer Achterbahn, bei der sich die Wagen der Achterbahn steil abwärts bewegen, um den notwendigen Schwung für die weitere Fahrt zu erhalten. Diese Leiter gehört mit ihren 70 Metern zu den längsten Leitern in Europa. Ein Vertrauen, dass die Leiter standhält, ist an dieser Stelle unbedingt von Nöten. Ob dieses allerdings durch den Hinweis, dass nur drei Personen die Leiter gleichzeitig betreten dürfen, gewährt wird, möchte ich an dieser Stelle bezweifeln. Auch scheinen die zum Teil stark verbogenen Tritte der Leiter und die scheinbaren Flickarbeiten an der Leiter nicht gerade dazu beitragen, dieses notwendige Grundvertrauen zu stärken. Für genügend Spannung ist somit gesorgt.

Die laengste Leiter des Klettersteiges
Der gerade Strich in der Mitte des Felsen ist die längste Eisenleiter an einem Klettersteig.

Ein Toter und drei Leitern – Die letzten Meter bis zum Gipfel

Nach dieser dritten Leiter kann man erst einmal aufatmen. Und dies aus zwei Gründen. Zum einen kommen wieder mehr Bäume die Schatten spenden. Und zum Zweiten weht in dieser Höhe meistens ein frisches Lüftchen, welches für die benötigte Abkühlung sorgt. Vor einem befindet sich jetzt die vierte, eine äußerst kurze Leiter. Anschließend geht es schattig steil weiter bergauf um nach wenigen Minuten dass Denkmal von Ronaldo zu erreichen, der 1988 an dieser Stelle verunglückte. Dieses befindet sich an einer kleinen Felsgrotte und scheinbar muss man dem Weg nach links folgen. Doch dieser Weg erweist sich sehr schnell als ein Irrtum. Stattdessen geht es an der Felswand nach rechts weiter, hinaus auf einen luftigen Gratweg. Nach ein paar kurzen Kletterpassagen in über 1.000 Meter Höhe, erreicht man letztendlich die letzten drei kleinen Leitern des Leiternsteigs. Die letzte dieser Leitern scheint zudem leicht überhängend zu sein, was aber auch täuschen kann. Ist diese überwunden steht man vor der italienischen Flagge, die hier oben aus Blech nur bei starkem Wind weht.

kaputte Stufen der Eisenleiter am Cima SAT
Sicherheit wird bei den Italienern besonders „groß“ geschrieben. Oder wer würde dieser Leiter nicht trauen wollen?

Der treffendste Gipfelbucheintrag am Gardasee?

Wir fanden an diesem Tag einen Eintrag im Gipfelbuch, welches sich an der Gipfelflagge befindet. Dieser Eintrag traf den Leiternsteig auf den Punkt, der lautete: „Der Scheiß hat sich gelohnt.“ Wer an dieser Stelle gerne noch eine weitere Leiter besteigen möchte, der sollte sich für den linken Rückweg entscheiden, auch wenn dieser nicht nach Riva del Garde weist. Dieser Weg führt zurück zum Rifugio S. Barbara und man quert dabei auch die kleine Kapelle, die man zuvor links liegen lies. Wenige Meter später erreicht man bereits weitere Wegweiser. An diesen ist dann auch Riva del Garda ausgezeichnet und das Rifugio S. Barbara. Von dieser Stelle aus geht es vorbei an den Überresten eines alten Gebäudes der Wehranlage der Österreicher im ersten Weltkrieg. Und nach rund einer halben Stunde erreicht man ein Hinweisschild, welches auf Klettersteigausrüstung hinweist. Von nun ab geht es an Stahlseilen gesichert immer weiter bergab. Nach einer letzten Kehre sieht man die weiße Kapelle S. Barbara. Kurz davor befindet sich auch die letzte Leiter, die noch einmal knapp 20 Meter in die Tiefe führt.

Die letzten Leitern am Cima SAT und ein grandioser Ausblick
Die letzten beiden Leitern, kurz vor dem Gipfel, mit Blick auf Riva del Garda.

Die längste Leiter oder der längste Blitzableiter der Welt?

Bis zur dieser Stelle empfiehlt es sich, das Klettersteigs angelegt zu lassen. Zudem sollte man den Klettersteig nur bei trockenem Wetter gehen. Die weiten ungesicherten Passagen den Berg hinauf, können bei Nässe äußerst unangenehm werden. Bei angekündigtem oder nahendem Gewitter ist vom Einstieg unbedingt abzuraten. Schließlich möchte man an den langen Leitern nicht als lebendiger Blitzableiter enden. Zumal die Leitern nicht in wenigen Minuten überwunden sind. Für die gesamte Tour sollte man rund fünf bis sieben Stunden einplanen. Bei starkem Sonnenschein können daraus aber auch schnell acht Stunden werden, je nachdem wie viel Verschnaufpausen man zwischendurch benötigt. Auf jeden Fall sollte man genügend zu Trinken mitnehmen. Eine Wasserstelle an der man seine Wasserreserven wieder auffüllen kann, befindet sich erst im obersten Drittel des beschriebenen Abstiegs.

Geschafft-die Flagge auf dem Gipfel des Cima SAT
Geschafft, der Gipfel des Cime S.A.T. mit Gipfelbuch und italienischer Blechgipfelflagge.

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