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Ein alter Kriegssteig in Italien aus dem ersten Weltkrieg mit 52 Tunneln am Cinque Cime
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Freitag, den 19. August 2011 um 00:00 Uhr

Kriegsklettersteig Cinque Cime mit GamsEigentlich möchte ich den kompletten Namen des alten Kriegssteigs in der Nähe von Rovereto in diesem Beitrag gerne vermeiden. Warum? Ganz einfach, der Name des Kriegssteigs aus dem Weltkrieg lautet, „Sentiero alpinistico attrezzato delle Cinque Cime Gaetano Falcipieri“, was das bereits lange russische Wort für Denkmal unübertroffen sprengt. Die Länge des Namens vermittelt aber auch ungefähr die Länge des Kriegssteigs, der mit 52 Tunneln und einer Gesamtlänge von 6.555 Metern einer der längsten durchgehenden Kriegssteige in den Alpen ist. Oberhalb des Kriegssteigs befindet sich zudem ein weiteres kleines Highlight, ein Gratwanderweg, der über die fünf Gipfel des Cinque Cime Gaetano führt.

Anfahrtsbeschreibung zum Kriegssteig – Nach Tornado 11 geht es nach links

Würde in Deutschland ein solcher Kriegssteig existieren, hätte man mit Sicherheit bereits mehrere Kilometer zuvor diverse Hinweisschilder auf diesen Steig. Da Italien jedoch scheinbar über einen Überfluss an historischen Relikten verfügt, gleicht die Suche nach dem Weg zu dem Kriegssteig einer Odyssee durch die bergreiche Region der Vicentiner Alpen. Deswegen an dieser Stelle eine nahezu genaue Beschreibung des Weges, wenn wie bei mir, das Navigationsgerät die Straße, auf der sich der Eingang zu dem Kriegssteig befindet, nicht kennen sollte. Man fährt von Rovereto in Richtung des Passo Pian delle Fugazze. Auf dem Pass angekommen, folgt man der kurvenreichen Straße wieder hinab ins Tal. Die Kurven sind an dieser Stelle nummeriert und mit „Tornado“ bezeichnet. Nach dem 11. Tornado kommt man zur Brücke Ponte Verde. Rechts davon befindet sich ein einzelnes mehrgeschossiges Haus mit einer kleinen Gastwirtschaft. Hier biegt man nach links auf die kleine bergauf führende Passstraße ab. Man achte an dieser Stelle auf Hupgeräusche und sollte selber vor jeder Kurve kurz die Hupe betätigen, da die Straße meistens nur für ein Fahrzeug breit genug ist. Am Ende der Passstraße befindet man sich auf dem Pass Colle Xomo. Eine querende Straße und ein Haus auf der linken Seite, zeugen davon. Auch hier biegt man erneut nach links ab und folgt weiter dem Berg hinauf. Die Verbotsschilder kann man getrost ignorieren. Doch auf Hupkonzerte sollte man nicht verzichten, denn die Straße wird zum Teil noch enger und kurvenreicher. Oben angekommen sieht man bereits linker Hand den imposanten Eingang zu dem Kriegssteig. Kurz dahinter befinden sich mehrere Parkmöglichkeiten und soweit ich dies richtig interpretiere, wird gerade ein weiterer Parkplatz, der etwas tiefer liegt, angelegt.

Der Eingang zum Kriegsklettersteig Cinque Cime auf der Strada Delle 52
Der Eingang der „Strada Delle 52 Gallerie“ ist auch von der Straße nicht zu übersehen.

Der Beginn des Gratwanderwegs gleicht einem leichten Klettersteig

Der Einstieg zum Gratwanderweg, der im ersten Teil einem Klettersteig gleicht, befindet sich rechts vom Eingang zum Kriegssteig. Alternativ bleibt natürlich der Weg des Kriegssteigs, der am Rifugio Papa endet. Dasselbe Ziel erreicht man über den Gratwanderweg, der am Eingang des Kriegssteigs gut ausgeschildert ist. Zum Beginn des Weges begibt man sich in den angrenzenden Wald und steigt in engen Kehren einen schmalen Weg bis zum ersten Felsen hinauf. Hier befindet sich bereits das erste Stahlseil. Doch bereits nach wenigen Metern wird dieses wieder unterbrochen. In dieser Form setzt sich der Steig komplett fort. In einer Tour steigt man mehrere Meter hinauf und anschließend einige Meter wieder hinab. Ein Stahlseil befindet sich dabei nur an den Stellen, an denen es unbedingt von Nöten scheint. Der Rest des Steigs zeichnet sich durch freie Kletterei des ersten und zweiten Grads aus.

Das Highlight der ersten Höhenmeter ist eine Stahlleiter, die sich nahezu senkrecht in die Höhe streckt. Hat man diese überwunden und meint, man befindet sich jetzt auf den ersten Gipfel, wird man bitter enttäuscht. Den ersten Gipfel erreicht man erst nach 1 ½ bis zwei Stunden. Diesen erkennt man an einer Holztafel, auf dem sich auch die Höhenangabe befindet. Von hier aus geht es wieder steil bergab um anschließend wieder schön nach oben klettern zu dürfen. Das Auf und Ab scheint bereits zu diesem Zeitpunkt kein Ende zu nehmen. Doch mehrere Gipfel liegen noch auf dem auf dem Weg bis zu Rifugio Papa.

Die einzige Eisenleiter auf dem Kriegsklettersteig Cinque Cime

Bereits kur nach dem Einstieg erreicht man die einzige Eisenleiter des Klettersteigs. Danach wandelt sich der Klettersteig zu einem Steig mit freien Kletterpassagen.

Keine Lust mehr? – Ein Ausstieg ist jederzeit möglich

Eine Alternative gibt es allerdings zu der ganzen Schinderei. Verspürt man keine Lust mehr oder reicht die Kondition nicht mehr aus, kann man zwischen den Gipfeln immer zu dem Kriegssteig hinabsteigen. Dieser verläuft nämlich die gesamte Zeit über parallel zu dem Gratwanderweg. Nach dem dritten Gipfel, dem Monte Forni Alti, kreuzt der Gratweg sogar den normalen Weg. Ansonsten sind die Abstiege vom Grat zum Normalweg immer mit einem roten Punkt gekennzeichnet.

Für die Tour über die Gipfel sollte man rund fünf bis sechs Stunden einplanen. Die Tour ist nicht zu unterschätzen, da sie sich richtig in die Länge zieht. Wir hatten kurz vor dem vierten Gipfel den Kanal voll und sind auf den Normalweg abgestiegen. Von hier aus wären es noch einmal rund 60 Minuten bis zum Refugio Papa gewesen. Über den Normalweg benötigten wir rund 30 Minuten. Diese letzten beiden Gipfel sind allerdings um einiges einfacher zu besteigen, als die ersten drei Gipfel. Die Höhenmeter, die man auf- und absteigen darf, halten sich in Grenzen und auch die Kletterei mutet einfacher an.

Kriegsbauten auf dem Weg zum Gipfelkreut des Cinque Cime
Kurz vor dem dritten Gipfel, findet man weitere alte Kriegsbauten, die man nicht vom eigentlichen Weg aus sehen kann.

Vorsicht bei dichtem Nebel - Wo bitte befindet sich das Rifugio Papa?

Eine Gratwanderung im dichten Nebel, so wie bei uns geschehen, gehört dagegen nicht gerade zu den erstrebenswerten Zielen. Der schöne, angepriesene Panoramablick bleibt einem verwehrt und man kann sich nicht auf den bevorstehenden Weg einstellen. Nur schemenhaft erkennt man, ob es vor einem bergauf oder bergab geht. Am Ende suchten wir zudem mehrere Minuten lang das Rifugio Papa. Dieses war komplett im Nebel verschwunden und vom Hauptweg aus nicht zu sehen. Nur aufgrund von Geschirrklappern bekamen wir die Richtung heraus. Für Alle, die sich ebenfalls in dieser misslichen Position befinden sollten, dass Rifugio Papa befindet sich vom Hauptweg des Kriegssteig auf dem linken Weg. Kommt man dagegen vom Gradwanderweg, biegt man links ab und nimmt anschließend die breite Straße, die nach rechts abzweigt (der Weg neben dem Weg, der auf dem Berg hinauf führt) Das Rifugio befindet sich nur rund 50 Meter von dieser Stelle entfernt an einer Felswand.

Der Fels des Cinque Cime im Nebel der Wolken
An schönen Tagen kann man bis nach Venedig blicken. Leider sollen diese Tage äußerst selten sein.

52 Tunnel und ein feuchter glatter Untergrund – der Rückweg

Für den Rückweg sollte man im Anschluss den 6.555 Meter langen Kriegssteig nutzen. Die 52 Tunnel, die man an dieser Stelle in den Berg trieb, sind eine Besichtigung wert. Allerdings sollte man für den Rückweg noch einmal zwei bis drei Stunden einplanen. Zum einen weil es auch trotz nebliger Verhältnisse viel zu entdecken gibt. Und zum Anderen, weil der Weg alles andere als einfach ist. Da man sich den Weg bergab bewegt, muss man gerade in den Tunneln sehr vorsichtig sein. Ohne eine kräftige Stirn- oder Taschenlampe kann man diesen Rückweg nicht antreten. Ein paar der Tunnel sind so lang, dass kein Tageslicht mehr hineindringt und es in der Mitte der Tunnel stockdunkel ist. Auch die weniger gut durch Tageslicht ausgeleuchteten Tunnel sind, aufgrund ihres feuchten Bodens, äußerst vorsichtig zu begehen. An vielen Stellen kann man schnell ausrutschen, weswegen sich, zu den Lampen, die Mitnahme von Wanderstöcken lohnt. Künstliche Haltegriffe, wie ein Stahlseil oder künstliche Beleuchtung gibt es nicht mehr. Diese wurden allesamt nach dem ersten Weltkrieg wieder entfernt.

Der Eingang zum Tunnel und ein Wolkenmeer
Wenn der Kriegssteig in den Wolken liegt, wirkt dieser besonders gespenstisch.

Die drei interessantesten Tunnel des Kriegssteigs

Dafür findet man in regelmäßigen Abständen Hinweistafeln, auf denen die Länge der Tunnel und deren Besonderheiten, auch im gebrochenen Deutsch, beschrieben sind. Vor jedem Tunnel befinden sich zusätzlich in Stein gehauen die Tunnelnummer und die Länge des Tunnels. Die drei interessantesten Tunnel sind der Tunnel 19, 20 und 8. Diese beiden erstgenannten Tunnel wurden, einer Wendeltreppe gleich in den Fels getrieben. Der dritte Tunnel ist der Tunnel Nummer 8, in dem sich eine alte Kanonenstellung befindet. Diese Tunnel sind zusätzlich von einem weiteren Tunnelnetz durchzogen, von dessen Stelle aus man den Eingang der Wehranlage verteidigte.

Warum wurde aber dieser ganze Aufwand betrieben? Eine Antwort darauf liefert der Blick hinüber in die Po-Ebene, an deren Ende sich Venedig befindet. An dieser Stelle der Alpen befindet sich der Weg in das Flachland von Italien. Wäre diese Stellung gefallen, hätten die österreichischen K.u.K.-Truppen im ersten Weltkrieg ungehindert nach Italien eindringen können.

Der Kriegsklettersteig Cinque Cime-ein Tunnel mit Wendelgang
Der wohl interessanteste Tunnel, der Tunnel Nummer 20, in dem ein Wendelweg hineingegraben wurde. Der Eingang erinnert an einen alten Mayatempel.



 
Kommentare (2)
  • avatarHeiko Weckbrodt  - Hubschrauber

    Ich weiß gar nicht, was die so ein Theater gemacht haben. Ich wär einfach mit dem Hubschrauber über die blöden Alpen drübergeflogen und wär mit meinen Truppen auf dem Markusplatz gelandet. Oder von mir aus mit einem C&C-Grabepanzer. Da hätten die Alpini in ihren Bunkern warten können, bis sie schwarz werden. Versteh ich gar nicht, warum die das damals nicht gemacht haben. Hätten mich mal fragen sollen.

  • avatarRonny

    Jetzt wo du es erwähnst, versteh ich dies auch nicht ;). Der Hinweis mit den Hubschraubern ist trotzdem äußerst interessant, da der erste Weltkrieg, die Entwicklung der modernen Waffengattungen begünstigte. Gerade im Luftkrieg sieht man dies sehr deutlich. Während man zum Beginn des ersten Weltkriegs noch Ballons zur Erkundung der gegnerischen Linien einsetzte, folgten ziemlich schnell kleine Flugzeuge, von denen aus man Nägel aus Kisten auf die Feinde abwarf.

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    Den Aufstieg fand ich sehr schön. Ich habe mit ...
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    Hallo Ronny,

    das ist wirklich eine sehr schöne...