Skip to content
Site Tools
Increase font size Decrease font size Default font size
Sie befinden sich hier: Home Klettersteige Die Felsenfestung bei den Drei Zinnen
Die Felsenfestung bei den Drei Zinnen
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Montag, den 01. Februar 2010 um 15:47 Uhr

de-luca-innerkofler_miniEin nasser kalter Regen peitscht mir ins Gesicht. Immer wieder versuche ich diesem unangenehmen Übel auszuweichen, indem ich mich so stelle, dass der Regen mein Gesicht nicht erwischt. Doch es hilft nichts. Der Regen scheint von allen Richtungen gleichzeitig auf mich einzuprasseln. Ich stehe mit rund 200 weiteren Menschen unter den letzten Ausläufern des Schutzdaches der Drei Zinnen Hütte. Das eigentliche Highlight in diesem Gebiet ist bereits seit mehreren Minuten hinter einer dicken Wolkendecke verschwunden, die „Drei Zinnen“.


Gewaltig und einzigartig ragen die Gipfel der „Drei Zinnen“ in den Himmel. Man fühlt sich nicht nur klein sondern unendlich winzig, wenn man vor dem Massiv zum Stehen kommt. Ich beobachte die Unmengen an Menschen, welche sich den Weg von der Auronzohütte zur „Drei Zinnenhütte“ quälen. Insgesamt sollen täglich fast 2.000 von Ihnen die „Drei Zinnenhütte“ erreichen. Der Großteil dieser Massen sind Hobbywanderer, die man leicht an ihrer Kleidung erkennt, Freizeitlook und den klassischen Strandlatschen. Ein paar Frauen versuchen den Weg sogar mit ihren Stöckelschuhen zu überwinden. Ihnen gebe ich keine Chance, dass Ziel zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir alle noch nicht, dass in wenigen Stunden das Wetter umschlagen wird und ein heftiges Gewitter die Zinnen in eine gespenstische Wolkendecke einhüllen wird.

Mein heutiges Ziel ist der De-Luca-Innerkofler Kriegssteig, eine Wehranlage welche die Österreicher im ersten Weltkrieg in das Passportenkoffelmassiv sprengten. Während ich meinem Weg in Richtung des Eingangs zum Kriegssteig gehe, frage ich mich, was an dieser Stelle im ersten Weltkrieg geschehen ist. In meinen Gedanken höre ich das Widerhallen der  Soldatenschritte, die diesen Weg zu ihren Stellungen zurücklegen mussten. Als ich die Lavaredohütte erreiche, glaube ich die ehemalige italienische Linie überschritten zu haben. Ab hier dürfte das Land der österreichischen Alpinisten beginnen.

Linker Hand von mir liegen jetzt die „Drei Zinnen“. Im ersten Weltkrieg sollen die Italiener auf die Spitze der Zinnen einen Scheinwerfer installiert haben, mit denen sie das Gebiet ableuchten konnten. Irgendwann kam einer der Generäle sogar auf die Idee, eine Kanone da oben zu installieren. Wie man das Teil dort hinauf brachte, kann man nur erahnen. Mir läuft bei dem Gedanken eine zusätzliche Portion Schweiß die Stirn hinunter. In den Kriegsjahren des ersten Weltkriegs, sind in diesem Gebiet mehr Soldaten durch Widerungsbedingungen und Naturereignisse gestorben, als durch die eigentlichen Kampfhandlungen. Im Winter waren Erfierungen an der Tagesordnung. Ein Großteil der Toten holten sich die Lawinen, welche ständig von den Felsen in das Tal abgingen. Der Rest wurde im Sommer durch Steinschläge, Abstürze oder der einen oder anderen Kugel des Gegners dahingerafft.

Einer der Soldaten, die hier dienten hieß Sepp Innerkofler. Vor dem ersten Weltkrieg war er, sein Bruder und sein Vater erfahrene und bekannte Bergführer, weswegen das österreichische Militär an Sepp großes Interesse zeigte. Irgendwann zum Beginn des ersten Weltkriegs soll Sepp auf den Italiener Piero De Luca gestoßen sein. Da dieser sich in einer misslichen Situation in den Bergen befand, er hatte sich verstiegen und wusste nicht wie er wieder von den Felsen hinabsteigen konnte, eilte ihm Sepp zur Hilfe. Einige Zeit später trafen diese Beiden erneut aufeinander. Da sie trotz dieser Rettungsaktion immer noch als Feinde galten, beschoss Piero De Luca, Sepp Innerkofler mit Steinen, da seine Waffe zu diesem Zeitpunkt nicht funktionierte. Anschließend soll sich Sepp bei einem Absturz so schwer wiegende Verletzungen zugezogen haben, dass er an diesen verstarb. Als Erinnerung an das Schicksal der beiden Soldaten, erhielt der Steig den Namen De-Luca-Innerkofler.

Der Kriegssteig ist eines der gewaltigsten Steiganlagen des ersten Weltkriegs. Ingesamt ziehen sich die Wehranlagen durch zwei Felsmassive, dem Passportenkofel und den Paternkoffel. Mehrere Stollen wurden von den Österreichern in das Massiv gesprengt und verbinden wichtige Beobachtungspunkte miteinander. Die so geschaffene Festung war für den Gegner nahezu uneinnehmbar, da man den Feind von hier aus bereits Stunden vor seinem eigentlichen Eintreffen erblickte. Alleine der Winter bot Chancen, denn der Schnee ermöglichte den Gegnern Tunnel in den Schnee zu graben und somit unentdeckt an das Massiv zu erreichen. Überhaupt zählte bei der Eroberung der Felsstellungen in den Dolomiten vor allem der Überraschungseffekt.

Die Begehung des Kriegssteigs ist nur mit einer ordentlichen Klettersteigausrüstung empfohlen, da viele der alten Wege nicht mehr vorhanden sind und man lange Strecken an Felswänden queren muss. Zudem sind Helm und Taschenlampe Pflicht, denn die Stollen sind teilweise sehr lang, nicht ausgeleuchtet und das Deckengestein ist spitz und scharfkantig. Des Öfteren stieß ich mit meinem Helm an die Decke und bereits diesen Zusammenstoß spürte ich sehr deutlich. Wem die Kletterei in den Bergen nicht liegt, der kann einen Teil des Kriegssteigs am Paternkoffel besichtigen. Von der „Drei Zinnenhütte“ aus, führt ein kurzer Weg zum Eingang des Steigs. Auch wenn man hier auf Klettersteigausrüstung verzichten kann, ist es trotzdem notwendig sich mit einem Helm und einer Taschenlampe zu bewaffnen.

So langsam lichten sich die Wolken und der Regen scheint schwächer zu werden. Ich stehe in der Zwischenzeit durchnässt und leicht durchfroren hinter einer Materialhütte, die sich unweit der „Drei Zinnenhütte“ befindet. Vor wenigen Minuten wurde ich Zeuge eines weiteren gigantischen Naturereignisses. Ein Blitz schlug schräg in das Felsmassiv des Paternkoffels ein. Ich bin heilfroh, dass ich mich in diesem Moment nicht mehr da oben befand. Ich denke an die vielen anderen Menschen, welche sicherlich Schutz in einen der Steinbehausungen gesucht haben und hoffe, dass durch diesen Blitzeinschlag keiner der Kletterer zu Schaden gekommen ist. Das Massiv der „Der Zinnen“ ist bereits schemenhaft wieder zu erkennen. Der Regen hat aufgehört Es wird Zeit für den Rückweg. Wer weiß wie lange das Wetter hier oben so bleibt, bevor ein weiterer Wolkenbruch das Gebiet erneut erobert.

de-luca-innerkofler_02

Blick vom Kriegssteig. Von hier aus konnte man feindliche Bewegungen lange im voraus gut erkennen.

de-luca-innerkofler_03

Der schwarze Fleck in der Mitte des Bildes am Felsen ist ein Teil des Kriegssteigs. In dieser Höhe, nahezu horizontal, verläuft der De-Luca-Innerkofler Steig.

de-luca-innerkofler_01

Wenn ein Unwetter das Gebiet einhüllt, erkennt man nur noch den Fuß der "Drei Zinnen". Die Felsen befinden sich mittig in der rechten Bildhälfte.





 
Kommentare (0)

"Kommentar schreiben

[b] [i] [u] [s] [url] [quote] [code] [img]   

Sicherheit

Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.

Folge uns

rss-mail

Facebook Button

twitter_newbird_boxed_blueonwhite

Neuste Kommentare

  • Ronny said Mehr...
    @s: Sehr gerne. Die meisten E-Mail Adressen sin...
  • s said Mehr...
    "verwende niemals eine existierende Mailad...
  • Susann said Mehr...
    Den Aufstieg fand ich sehr schön. Ich habe mit ...
  • Ronny said Mehr...
    @Susann: Schön das ihr gesund wieder runter gek...
  • Susann said Mehr...
    Hallo Ronny,

    das ist wirklich eine sehr schöne...