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Erich Mielkes Home Office - Die Stasizentrale in Berlin
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Dienstag, den 31. Januar 2012 um 00:00 Uhr

stasi-stasimuseum-arbeitsplatz-mini“Aber wieso haben sie nicht einfach “Nein” gesagt?” Stumm stehe ich vor einer Tafel. Auf dieser lese ich, wie die Stasi ihre Opfer verhörte. Neben mir steht ein Mädchen, vielleicht zehn, vielleicht aber auch schon zwölf Jahre alt. Fragend sieht sie ihre Mutter an. “Die haben nicht aufgehört. Die haben dann einfach weitergemacht.”, antwortet sie. “Aber sie hätten doch einfach nur weiter “Nein” sagen müssen!” entgegnet das Mädchen. “Dann haben sie ihren Opfern Schmerzen zugefügt.”, antwortet ihre Mutter ihr.

Verschleppung gehörte auch zu den Methoden der Stasi

Stundenlange Verhöre gehörten zwar zum Repertoire der Stasi, aber der Einsatz von Folter, wie man sie heute immer mal wieder aus Guantanamo vernimmt, ist von der Stasi nicht bekannt. Die Antwort der Mutter wird jedoch in den Gedanken des Mädchen eine eigene Bilderwelt ausgelöst haben. Und vielleicht wird sie nie erfahren, dass die Stasi viele Methoden besaß, um ihre Opfer zu vernehmen, aber Schmerzen nicht dazu gehörten.

Das die Stasi zu den Organisationen in der deutschen Geschichte gehörte, die menschlich eine unrühmliche Geschichte schrieb, ist allgemein bekannt. Die Stasi verfolgte ihre Opfer, auch über die Landesgrenzen hinaus, inhaftierte potentielle Gegner, wenn nötig auch mit Verschleppung und verbreitete einen stummen Schrecken. Viele dieser Methoden kann man heute im Stasimuseum in Berlin erkunden. Das Museum, welches sich in den ehemaligen Räumen der Stasi befindet, beherbergt zudem einen besonderen Bereich, die Arbeitsräume des letzten Chefs der Stasi, Erich Mielke.

stasi-arbeitszimmer-stasimuseum

Rund 1,5 Prozent der Bevölkerung der DDR waren für die Stasi tätig

Mit seinen Schreckensbrigaden jagte Erich Mielke jeden der nicht mit dem System konform ging. Auf der Abschussliste der Stasi standen neben vielen Systemkritikern auch Jugendliche mit Punkfrisuren, Menschen die gerne westliche Musik hörten und die Zeugen Jehovas. Für die totale Überwachung der Bevölkerung der DDR, setzte die Stasi 91.000 feste Mitarbeiter ein. Hinzu kamen noch rund 173.000 inoffizielle Mitarbeiter, kurz IM genannt. Damit waren von 200 Bürgern der DDR, rund drei Personen für die Stasi tätig.

Mit welcher Technik man potentielle Gegner observierte, auch davon zeugt das Museum. Von Kleinbildkameras aus der Schweiz, bis hin zu Infrarottechnik in Aktenkoffern und Autotüren, reichte das Reportarie. Scheinbar nutzte man sogar alte Bäume, welche hohl an günstigen Positionen standen, um darin eine Kamera zu verstecken. Ein alter Baumstamm im Museum zeugt von dieser Technik. Mit diesen Geräten war die Stasi bestens dafür ausgerüstet, möglichst viele Menschen auszuspionieren. Die Ordner, welche man nach der Erstürmung des Gebäudes 1990 fand, ergaben aufgereiht eine Gesamtlänge von 111 Kilometer, genügend Material über die Menschen in der DDR.

stasi-kamera-im-baum

Die Stasi, ein Mahnmal gegen Vorratsdatenspeicherung und Datensammelwut

Man kann von Glück reden, dass es der Stasi nicht gelang, alle Dokumente zu vernichten. Die Sammelwut der Stasimitarbeiter hatte somit am Ende auch was Gutes. Denn durch diese Dokumente wissen wir heute, was es bedeutet, willkürlich Informationen über Bürger zu sammeln. Denn welche Informationen letztendlich in den Akten landeten und wie diese interpretiert wurden, lag immer nur in den Händen weniger. Diese Informationen jedoch entschieden darüber, ob man als Staatsfeind eingestuft oder als Sympathisant ignoriert wurde.. Wenn heute Politiker davon sprechen, allgemeine Daten von uns Bürgern zu erheben, sollte man immer einen kritischen Blick darauf werfen, welche Daten dies sind und wozu man diese benötigt. Denn die Stasi hat gezeigt, dass solche Daten auch schnell gegen Menschen verwendet werden können und Urteile ohne eine faire Anklage gefällt werden.

stasi-konferenzraum-stasimuseum

Link: www.stasimuseum.de

 
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