Skip to content
Site Tools
Increase font size Decrease font size Default font size
Sie befinden sich hier: Home Geldfalle Unser Geldsystem – Ein Überblick
Unser Geldsystem – Ein Überblick
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Sonntag, den 20. Dezember 2009 um 11:27 Uhr
geld_dollar_miniIrgendetwas stimmt nicht mit unserem Geldsystem. Da spart man sein Leben lang und lebt in bescheidenen Verhältnissen und trotzdem scheint es am Ende nicht einmal für die notwendigsten Dinge zu langen. Irgendwann stellt man sich dann die bescheidene Frage „Was habe ich falsch gemacht? Andere Menschen finanzierten ihr ganzes Leben lang ihren Luxus auf Pump oder schmissen das Geld förmlich zum Fenster hinaus und trotzdem scheint es diesen Menschen nicht schlechter zu gehen? Wie kann das sein?“ Was stimmt nicht?

Jeder der sich einen langjährigen Traum erfüllen will, kennt das Problem. Da spart man für seinen Traum und zum Schluss ist die Summe kleiner als erwartet. Irgendwie muss man sich vor Jahren wahrscheinlich verkalkuliert haben oder der Berater verschwieg etwas, was man hätte besser wissen sollen. Keine Sorge, kein Berater der Welt kann in die Zukunft sehen und die meisten Menschen beraten immer nach besten Wissen und Gewissen. Leider wissen sie es eben nur nicht besser. Denn wenn dies der Fall wäre, würden viele anders beraten oder sich einen neuen Job suchen. Doch was ist eigentlich das Problem, dass es immer wieder zu solchen Fehlkalkulationen kommt?

Unser heutiges Geldsystem ist ein komplexes System, was man sehr schwer erklären kann, so die Meinung vieler Fachleute. Mehrere Wissenschaftler, Gelehrte und Fachleute entwickelten wichtige Formeln, um Licht in das Dickicht des Dschungels zu bringen. Doch statt mit der Machete Pflanzen zu beseitigen, bedienten sie sich der Wiederaufforstung nicht abgeholzter Urwaldgebiete. Am Ende wissen nur noch die Menschen was sich hinter diesem Urwald befindet, welche den Urwald auch erschufen. Ist es wirklich so schwer unser Finanzsystem zu verstehen oder kann man auch mit einfachen Mitteln ein Versuch unternehmen es zu erklären. Ich möchte diesen Versuch starten.

Die erste Frage welche es zu beantworten gilt, ist die Frage woher unser Geld überhaupt kommt. Geld erschaffen dürfen inner halb der EU zwei Institutionen. Die eine ist die Europäische Zentralbank kurz EZB, welche für die Ausgabe der Euroscheine verantwortlich ist. Die zweite Stelle ist das jeweilige Land innerhalb des Euroraums, die Münzgeld schaffen dürfen und dieses in Umlauf bringen. Den Unterschied erkennt man zum Beispiel daran, dass die Euromünzen landesspezifische Merkmale besitzen, hingegen die Euroscheine in jedem Land gleich aussehen. Wie viele Geldscheine jedoch in den Umlauf kommen, liegt alleine in den Händen der EZB. Laut den Statuten der EZB soll diese Menge langfristig für Wohlstand und Stabilität im Euroraum sorgen. Auf Neudeutsch soll genügend Geld vorhanden sein, damit die Menschen ordentlich konsumieren können und gleichzeitig darf es nicht zu einer ausufernden Inflation kommen.

Zusätzlich ist die EZB auch noch dafür verantwortlich die Geschäfts- und Landesbanken mit Geld zu versorgen. Dies geschieht meistens in Form von Giralgeld, wohinter sich nichts weiter verbirgt als Geld, welches nur als Zahl existiert und für das es keinen gedruckten Gegenwert gibt. Mit solchem Geld arbeiten wir heute schon tagtäglich. Jede Überweisung und jede Bezahlung mit einer Geldkarte ist nichts weiter als eine Bewegung von Giralgeld. Wir fassen bei solchen Zahlungen keinen gedruckten Geldschein mehr an sondern verschieben nur einen Zahlenwert von einem Konto auf ein anderes. Der Vorteil davon ist, dass die Menge des sich im Umlauf befindlichen Geldes ungleich der Menge sein kann, welche als gedruckte Version in Form von Geldscheinen oder als Münzen vorliegt.

Die Zinsforderung durch die EZB

Natürlich arbeitet die EZB nicht für Lau und verlangt für das verliehene Geld Zinsen. Und damit sind wir schon beim ersten Problem. Dazu muss man sich folgendes verdeutlichen. Die EZB ist die einzige Institution welche Geld in großen Mengen erschaffen darf. Diese Menge wird an die Geschäftsbanken verliehen und mit einem Zins versehen. Die Banken müssen nach Ende der Leihfrist dieselbe Geldmenge plus Zinsen zurückzahlen. Eine Forderung welche unmöglich zu erfüllen ist, denn damit überhaupt die Möglichkeit besteht diese Menge zurückzuzahlen müsste die Zentralbank gleichzeitig die geforderten Zinsen an einer anderen Stelle zinslos ausgeben. Die EZB wäre dazu in der Lage, da sie Geld im unbegrenzten Maße erschaffen kann. Die einzigen Grenzen welche existieren sind die Vernunft und unsere Vorstellungskraft. Leider stellt die EZB niemand die geforderten Zinsen zinsfrei zur Verfügung. Dadurch schafft sie ein Ungleichgewicht. Die Folge davon ist, dass jedermann versucht seine Schulden plus Zinsen zu tilgen. Was dazu führt, dass wie im eigentlichen Sinne damit beginnen anderen Menschen ihr Geld zu stehlen, nur um unser Gewissen zu beruhigen. Doch wer gibt schon gerne zu, dass er ein Dieb ist, nur weil er seine Schulden bezahlt?

Diese Betrachtungsweise wird auf die Meisten sehr einseitig wirken, denn wenn man sich die Einsatzbereitschaft der Menschen ansieht, die ihre Schulden tilgen, weil sie ihr Haus abbezahlen oder Investitionen in ihrem Unternehmen tätigen, kann man nicht von Diebstahl sprechen. Stattdessen wird durch die Schuld und die damit verbundene Angst vor dem Verlust des Besitzes, den meisten Menschen erst bewusst aktiv über ihre Tätigkeit nachzudenken. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Großteil der Menschen beginnt an Dingen festzuhalten, nur um die Schulden zu tilgen, egal ob dies sinnvoll ist oder nicht. Man könnte behaupten, dass sich Schuldner in eine Art von freiwilliger Sklaverei begeben. Diese Entscheidung ist jedoch keine Entscheidung von Banken oder der EZB, sondern kann von jedem selber getroffen werden. Schließlich verpflichtet eine Bank niemanden dazu einen Kredit aufzunehmen oder den Dispokredit auszuschöpfen. Nur sollten Schuldner ihre Entscheidung auch bewusst treffen und über die Konsequenzen ordentlich aufgeklärt werden. Leider sorgen Banken nicht unbedingt dafür, dass ihre Kunden die Folgen ihres Handelns erkennen können, wenn sie diese Verpflichtungen eingehen. Schließlich verdienen die Banken durch die Vergabe von Krediten jede Menge Geld, womit wir beim Problem Nummer Zwei wären.

Neben der EZB verlangen auch die Banken Zinsen, wodurch der gesamte Prozess der Umverteilung des Geldes noch beschleunigt wird. Da die Banken selber nur Geld im begrenzten Maße erzeugen können, welches sie jedoch nicht selber für private Ausgaben verwenden dürfen, sind sie um ihre Kosten zu decken und Gewinne zu erwirtschaften unter anderem auf die Zinseinnahmen der Kunden angewiesen. Sie verleihen also Geld und verlangen dafür Zinsen. Theoretisch müssten sie diese Zinsforderungen an die EZB melden, damit diese wiederum dem Markt, das benötigte Geld zinsfrei zur Verfügung stellen kann. Jedoch käme dies einer ausufernden Bürokratie gleich. Stattdessen reagiert die EZB nur auf die Auswirkungen. Ebenfalls darf man sich an diesem Punkt die Frage stellen mit was die Banken eigentlich gegenüber der EZB haften, denn schließlich verleiht die Bank Geld der EZB an ihre Kunden und erhält dafür Zinsen. Die Kunden wiederum haften gegenüber der Bank mit ihrem Privatbesitz, solange die Schulden nicht getilgt sind. Doch mit was haftet die Bank? Privatbesitz in den Händen der Bank wird in den meisten Fällen weiter verkauft und nicht gehortet und die Bankobjekte oder Wertgegenstände, welche man in einer Bank vorfindet entsprechen bei weitem nicht den Werten, mit denen die Banken gegenüber der EZB in der Kreide steht. Die moralische Frage ist somit, ob eine Bank überhaupt Besitz erhalten darf, nur weil sie Geld verliehen hat, welches keinen reellen Gegenwert besitzt, wenn dieses Geld nicht zurückgezahlt wurde. Schließlich würde die Bank letztendlich „Nichts“ gegen Besitz tauschen.

Das Kreditvergabeprinzip der Banken

Mit unseren heutig geltenden Regeln wird es den Kreditnehmer erschwert, seinen Besitz langfristig zu sichern. Da die Banken sich immer am Rande der Wucherei bewegen, sind die meisten Kredite so gestaltet, dass man letztendlich niemanden wegen Wucherei verklagen kann. Die meisten Kredite besitzen in Deutschland eine Laufzeit von zehn Jahren und sind mit einem Zinssatz versehen, der unter zehn Prozent liegt. Würde die Laufzeit länger sein oder sich der Zinssatz über zehn Prozent bewegen, könnte man eine Klage gegenüber der Bank wegen Wucherei anstreben. Wucherei liegt im Allgemeinen dann vor, wenn der Wert der Leistung mindestens Doppelt so hoch ist wie die erhaltene Gegenleistung. Bei einem Zinssatz von zehn Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren, wäre dieser Umstand somit erfüllt. Dadurch dass die meisten Kredite jedoch nur eine Laufzeit von zehn Jahren besitzen und der Zinssatz weit unter zehn Prozent liegt, übersteigt die Zinszahlung nicht annähernd diesen Wert. Damit die Bank langfristig trotzdem mehr erhält als sie gibt, wird die Restsumme des Kredits möglichst weit oben gehalten. Dies erkennt man daran wie hoch die Kredittilgung samt Sondertilgungen ist. Die Banken verkaufen dies als besonderes Highlight, obwohl man an dieser Stelle nicht von einem Highlight sprechen kann.

Wer seine Hausbank bei der nächsten Finanzierung fragt, ob er auch eine Durchfinanzierung erhalten kann, wird unterschiedlichste Gründe dafür erhalten, dass dies nicht möglich ist. Eine der genannten Hauptgründe ist die gesetzliche Laufzeit von Krediten. Zwar können Kredite länger wie zehn Jahre bestehen, doch muss die Bank nach zehn Jahren immer ein Sonderkündigungsrecht einräumen. Dies ist natürlich für die Bank eine Planungsunsicherheit, welche man gerne den Kunden aufbürgt und ihn somit in eine Zwangslage bringt. Schließlich kann die Bank sich von vornherein ausrechnen, ob der Kunde seinen Kredit abzahlen kann oder eben nicht. Ist dies nicht der Fall, kann der Kunde nur hoffen, dass zehn Jahre später der angebotene Zinssatz nicht höher sein wird, wie sein derzeitiger. Ansonsten kann es geschehen, dass sein vermeintlich so gutes Finanzierungskonzept nicht mehr aufgehen wird. Man sieht dass die Fallstricke beim Aufbau von Eigentum nicht besser gelegt werden könnten. Der Kreditnehmer ist langfristig immer abhängig von einer Bank, wenn er seinen Besitz behalten möchte. Es wäre nötig, dass der Gesetzgeber Regeln erlässt, welche es jedem Kunden ermöglicht abzuwägen für welchen Zeitraum er sich in die Abhängigkeit von Banken begibt und welche Verluste ihm drohen. Zudem könnte bei besseren Voraussetzungen auch schnell verglichen werden, ob es sich bei den angebotenen Krediten um Wucherei handelt oder ob das Geschäftsgebaren der Bank rechtsmäßig ist. Denn eins ist leider durch Zinswucherei ebenfalls gegeben. Dem Kunden und dem Markt wird langfristig Kapital entzogen, welches besser in den Händen des Kunden geblieben wäre. Damit kommen wir zum Problem Nummer Drei.

Warum ist es so wichtig, dass die Menschen hierzulande genügend Geldmittel besitzen? Dazu muss man sich als Erstes die Frage stellen wie unser Markt heutzutage überhaupt funktioniert. Dies möchte ich einfach umreißen. In den meisten Fällen besitzen wir alle einen Job oder gehen als Selbständige einer Tätigkeit nach mit der wir Geld verdienen. Wir arbeiten täglich und erhalten für unsere Leistung eine Gegenleistung in Form von Geld. Mit diesem Geld wiederum erwerben wir von anderen Menschen deren Arbeitsleistung in Form von Produkten oder Dienstleistungen unseres Bedarfs, man spricht in diesem Zusammenhang vom konsumieren. Durch diese Handlung sorgen wir dafür dass Geld seinem eigentlichen Zwecke dient. Wir bedienen uns diesem Medium als eine Art Trägerfrequenz unserer Arbeitsleistung. Der Sinn des Geldes ist es, den Warenaustausch zu vereinfachen. Die Höhe der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge entscheidet darüber wie viel sich jeder von uns leisten kann. Ist diese Menge hoch sprechen wir von guten Zeiten. Sinkt diese Menge jedoch, dann heißt es, wir müssen sparen. Noch einmal zur Erinnerung. Unser heutiges Geld ist an keinen Wert mehr gebunden. Es kann zu jeder Zeit in beliebiger Menge erschaffen werden. Wieso gibt es dann eigentlich eine Geldmittelknappheit?

Der eigentliche Zweck von Geld

Zum besseren Verständnis greife ich noch mal auf die Banken zurück. Die meisten Banken operieren heute international. Sie können somit gewaltige Geldmengen in kürzester Zeit von einem Kontinent auf einen anderen Kontinent transferieren. Damit befördern sie das Geld von einer Region in eine andere Region und entziehen es den örtlichen Kreislauf. Verlangen sie zusätzlich noch Zinsen auf ihre Kredite, erhöht sich diese Geldsumme weiter. Die Konsequenz daraus ist, dass das Geld letztendlich den örtlichen Gewerbetreibenden und Unternehmen fehlt. Unser Kreditnehmer dagegen wird in erster Linie seine Grundbedürfnisse vor Ort versuchen zu befriedigen. Er wird kaum bei einem Bäcker in Übersee seine Brötchen bestellen oder zum Einkaufen 100 Kilometer weit fahren. Selbst Bestellungen im Internet finden meistens im Heimatland statt. Auch wenn er Produkte kauft die im Ausland produziert wurden, stärkt er damit den Markt daheim, denn schließlich mussten diese Produkte erst einmal zu ihm oder einem Geschäft in seiner Nähe transportiert werden. Die Bank dagegen besitzt die Möglichkeit das Geld ohne Grenzen zu verschieben. Wenn sie somit ihren Gewinn woanders investieren möchte, entzieht sie mit jeder Zinsforderung dem örtlichen Markt Geld. Die Banken welche moralisch arbeiten, würden dagegen die Gewinne wieder in den heimischen Markt investieren mit allen damit verbundenen Risiken. Damit verbliebe das Geld in der Region und würde sich wieder im Umlauf befinden. Man sollte bei dieser Betrachtung immer daran denken, dass nahezu jeder von uns abhängig ist von den örtlichen finanziellen Mitteln. Die meisten von uns sind darauf angewiesen, dass andere Menschen Geld besitzen um die von uns erschaffenen Güter oder Dienstleistungen zu konsumieren. Ist kein Geld mehr vorhanden, kann niemand mehr konsumieren.

Das wohl bedeutendste Beispiel in der Geschichte, welches aufzeigte was geschieht wenn Geldmangel herrscht, konnten die Menschen in den 30gern des 20sten Jahrhundert erleben. Damals in der Wirtschaftskrise wurden Unmengen an Nahrungsmitteln auf dem Lande entsorgt, obwohl die Menschen in der Stadt Hunger litten. Die Bauern mussten ihre Produkte vernichten, da die Verkaufserlöse geringer waren als die Transportkosten in die Städte. Die Preise hatten zur damaligen Zeit den absoluten Tiefpunkt erreicht. Trotzdem stiegen die Umsätze nicht, da die meisten Menschen keine finanziellen Mittel mehr besaßen. Das Angebot war somit vorhanden und auch an der Nachfrage mangelte es nicht. Das einzige was fehlte war die Trägerfrequenz Geld. Dadurch konnte ein Warenaustausch nicht vollzogen werden. Dies sollte man sich verdeutlichen, wenn man wieder einmal die Aussage hört, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Dies ist nur insofern der Fall, wenn auch genügend Geld vorhanden ist. Auch heutzutage könnte der Umsatz von bestimmten Produkten gesteigert werden, wenn die Trägerfrequenz dafür vorhanden wäre. Die Unternehmen besitzen die Produkte und die Nachfrage ist vorhanden. Nur leider fehlt überall das Geld. Wer auf Erspartes zurückgreifen kann, darf sich glücklich schätzen. Oder ist er für diese Misere mitverantwortlich?

Die Banken motivieren uns täglich dazu. Auch der Staat ist dafür. Sparen ist gut und sichert unsere Zukunft, so der Leidspruch aus allen Mündern. Doch schneiden wir uns damit nicht ins eigene Fleisch? Ich komme noch einmal zurück zum eigentlichen Problem Nummer Drei. Was genau ist Sparen? Versteckt sich dahinter nicht auch eine Form von Horten? Ich würde diese Frage mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten, jedoch würde ich dazu anmerken, dass sich viele Menschen welche sparen in einem Dilemma befinden. Die Einen fürchten die Belastung durch Kredite und wollen stattdessen dieser schweren Bürde durch Sparen aus dem Weg gehen. Die Anderen fürchten sich vor Armut und sparen, um schlechte Zeiten zu überbrücken. Beide Motive sind verständlich und nachvollziehbar. Trotzdem sollte man sie hinterfragen denn mit jedem Euro welchen man zur Seite legt, entzieht man diesen den Markt und arbeitet letztendlich wie eine Bank die Geld in ein anderes Gebiet verlagert. Man vernichtet somit Trägerfrequenzen, die jedoch nötig sind um Waren auszutauschen. Je nachdem wie lange man spart, kann dieser Schaden reparabel oder irrreparabel sein. Ich möchte noch einmal verdeutlichen welche Bestimmung Geld im eigentlichen Sinne besitzt. Geld wurde erfunden, um den Warenaustausch zu vereinfachen.

Das Experiment von Wörgl

Es gibt in der Geschichte der Menschheit mehrere Beispiele dafür, wie sich der unterschiedliche Umgang mit Geld auf die Wirtschaft auswirkt. Das bekannteste Beispiel der Neuzeit ist das Experiment von Wörgl. Damals in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kam der Bürgermeister von Wörgl Michael Unterguggenberger auf die Idee ein Freigeld zu erschaffen. Dieses Freigeld sorgte dafür, dass es im Dorf Wörgl wirtschaftlich aufwärts ging. Was war geschehen? Zum Ersten konnte das Freigeld von Wörgl nur in Wörgl verwendet werden. Die Gemeinde verteilte Aufträge, welche gemeinnützig waren, wie zum Beispiel den Bau von Straßen. Als Lohn empfingen die Arbeiter das Freigeld von Wörgl. Mit diesem konnten sie anschließend beim Bäcker ihr Brot einkaufen und der Bäcker konnte mit dem Freigeld seine Steuern an die Gemeinde bezahlen oder andere Waren im Dorf Wörgl erwerben. Damit niemand auf die Idee kam zu sparen, wurde das Geld zusätzlich noch entwertet, wenn es sich für längere Zeit im Besitz nur einer Person befand. Das Beispiel von Wörgl zeigt somit eins: Geld ist nur eine Trägerfrequenz oder  ein Transportmittel zum Austausch von Waren und Dienstleistungen ist. Durch den permanenten Fluss in dem sich das Freigeld befand, bestanden die einzigen Beschränkungen nur noch in der Produktivität jedes einzelnen und den vorhandenen Rohstoffen. Mit Wörgl ging es anschließend solange wirtschaftlich aufwärts bis ein Gericht den Einsatz des Freigelds untersagte, aufgrund einer Klage der Nationalbank Österreichs.

Durch den Verfall des Freigelds in Wörgl, kam niemand auf die Idee zu Sparen. Stattdessen wurde das Geld so schnell wie möglich wieder in den Umlauf gebracht. Was wäre denn geschehen, wenn man diesen Verfall nicht eingeführt hätte? Einigen Bürgern wäre es möglich gewesen ihr Freigeld zu Horten und zum späteren Zeitpunkt wieder in den Kreislauf zu bringen. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte die Gemeinde Wörgl jedoch neues Freigeld ausgeben müssen, damit das Wachstum nicht ins Stocken geraden wäre. Wenn die Bürger welche ihr Geld sparten, anschließend große Summen zurück in die Gemeinde Wörgl transferiert hätten, wäre es langfristig zu einer Inflation der Preise gekommen. Die Gemeinde könnte dies nur verhindern, wenn sie im selben Augenblick Geld wieder aus dem Markt entziehen würde. Von Stabilität in diesem Zusammenhang zu sprechen entspräche einer Lüge. Die Folgen solcher Handlungen wären die üblichen panischen Reaktionen der Bürger von Wörgl gewesen, sie hätten aus Angst vor schlechten Zeiten angefangen zu sparen. Letztendlich kann man es drehen und wenden wie man möchte. Man entdeckt immer wieder einen Hund welche sich selber versucht in den Schwanz zu beißen. Und mit diesen Problemen kämpft auch eine EZB. Die EZB ist diejenige die Geld herstellt und dafür sorgen muss, dass genügend Geld vorhanden ist, damit der Waren- und Dienstleistungsaustausch funktioniert. Wird Geld dem Markt entzogen, weil man es spart oder weil man es außerhalb der Eurozone transferiert, muss die EZB neues Geld in den Markt pumpen. Fließen Euros von außerhalb in die Eurozone zurück oder werden die Ersparnisse dem Markt zugeführt, muss die EZB Geld aus dem Markt entziehen. Was in einem kleinen Dorf wie Wörgl schon unmöglich gewesen wäre, ist für eine Region wie die EU nicht steuerbar. Die EZB befindet sich trotz alledem täglich in dieser Situation und versucht diese in den Griff zu bekommen.

Kommen wir noch einmal auf Wörgl zurück. Die Idee des Verfalls von Geld ist keine Idee, welche damals in Wörgl entstanden ist. Viele kluge Köpfe brachten diese Idee schon Jahrzehnte zuvor in Umlauf. Wörgl handhabte das Problem auf einfachem Wege. Das Freigeld wurde mit Marken beklebt damit sie sich nicht entwerten. Heutzutage ist diese Idee nicht mehr realisierbar. Zum ersten ist nur noch ein Bruchteil des Geldes welches sich in Umlauf befindet in Form von Geldscheinen im Umlauf, da der Großteil der heutigen Zahlungen Bargeldlos erfolgt und zum Zweiten wäre der Aufwand welchen man mit dem bekleben der Geldscheine betreiben würde bürokratisch nicht zu Händeln. Wie kann man es mit einfachen Mitteln schaffen, dass Horten zu unterbinden und die Menschen zum vernünftigen Sparen zu bewegen? Meiner Meinung nach lautet die Antwort darauf: Über Steuern! Nehmen wir mal an es gäbe eine Art von Steuer, welcher sich nach dem Geldbesitz richtet, also eine Art von Geldvermögensbesitzsteuer. Sobald man eine Summe X zu einem Stichtag X überschreitet, fällt diese Steuer an. Natürlich löst man dadurch nicht das Problem von Bargeldbesitz oder dem Transfer von Geld ins Ausland. Jedoch im Euroraum würde folgendes geschehen. Um dieser Steuer zu entgehen, würde man damit beginnen zu konsumieren, sobald man die Summe X überschreitet. Ein Großteil des Geldes würde in den Kreislauf zurück fließen. Die Unternehmen könnten ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen und nur die Produktivität und die vorhandenen Rohstoffe wären die ersten Grenzen. Als zweite Grenze käme anschließend die Sättigung des Marktes hinzu, welche für die endgültige Preisbildung verantwortlich wäre. Koppelt man diese Geldvermögensbesitzsteuer mit der Mehrwertsteuer, würde dem Staat über welchen Weg auch immer, Geld in das Staatssäckel fliesen. Dieses Geld würde anschließend für den Bau neuer Straßen oder der Bezahlung von Polizei und anderen öffentlichen Stellen verwendet werden. Das Geld befände sich im Fluss wenn da nicht noch das Problem der Zinsen für Staatskredite wäre.

Der Staat als Unternehmen

Wieso bezahlen wir als Bürger über unseren Staat eigentlich Zinsen an eine Institution, welche vom Staat legalisiert wurde? Dazu sollte man sich noch einmal verdeutlichen woher unser Geld kommt. Der Erzeuger unseres Geldes ist die EZB. Diese verleiht das von ihr geschaffene Geld an die Geschäftsbanken und diese verleihen das Geld weiter, unter anderem an den Staat. Bei jedem Verleih fallen Zinsen an. Würde alles Geld an die jeweiligen Verleiher zurückfliesen und diese würden es vernichten, wäre am Ende kein Geld mehr vorhanden. Leider blieben als Schuld immer noch die Zinsen, die niemand tilgen kann, weil eben dieses Geld nicht erschaffen wurde. Wenn ein Staat also Schulden aufnimmt, muss dieser am Ende immer mehr zurückzahlen wie er eigentlich dem Verleiher schuldet. Der Staat soll nach Meinungen gängiger Wirtschaftstheoretiker wie ein Unternehmen arbeiten. Nach dessen Theorie muss der Staat Geld investieren, um anschließend daraus Gewinne in Form höherer Steuereinnahmen zu erzielen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, wir sprechen vom Staat also von dem Konstrukt den wir als Bürger bilden und den wir als Bürger tragen. Wenn der Staat Schulden aufnimmt, nehmen wir als Bürger diese Schulden auf. Zahlt der Staat Zinsen, zahlen wir als Bürger diese Zinsen. Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde die Monarchie abgeschafft, damit die Bewohner eines Landes selber über ihre Geschicke bestimmen können. Sind wir dazu eigentlich immer noch in der Lage, wenn wir als Staat jemanden etwas schulden?

Ein Unternehmen muss wirtschaftlich arbeiten mit allen damit verbundenen Risiken. Verkalkuliert es sich oder trifft es falsche Entscheidungen, geht das Unternehmen Pleite. Kann das Unternehmen nicht saniert werden, wird es liquidiert oder verkauft und verschwindet vom Markt. Auch im Privatbereich ist ein bankrott möglich, was meistens mit einer Privatinsolvenz endet. Bei beiden Versionen trägt das Risiko entweder der Besitzer des Unternehmens oder die Privatperson für sich selber. Die Gläubiger gehen zudem ebenfalls ein Risiko ein, denn beim Bankrott müssen auch diese auf ihr Geld verzichten oder sehen nur einen Bruchteil davon. Doch wie soll dies bei einem Staat funktionieren? Wenn der Staat pleite ist, bedeutet dies dann, dass wir alle auswandern müssen? Oder bedeutet dies, dass all unser Eigentum gepfändet wird und an die Gläubiger überschrieben wird? Spinnen wir diese Faden mal weiter und stellen uns vor, dass ein Teil der Gläubiger gleichzeitig Bürger des bankrotten Landes ist? Müsste dann dieser Bürger ebenfalls seinen Besitz pfänden lassen um sich selber auszubezahlen? Es ist verwirrend und auf lange Sicht kann dieses System nicht funktionieren. Um seine Schulden zu tilgen, müsste ein Staat seinen Besitz verkaufen oder die Steuern erhöhen. Meistens geschieht Beides gleichzeitig. Der Leidtragende ist am Ende immer der Staat oder genauer gesagt, wir die Bürger.

Gibt es einen Weg aus diesem Dilemma? Ja nur leider fand bisher noch niemand den Stein der Weisen. Ich vertrete die Meinung, dass wir uns immer noch im Entwicklungsprozess unseres monetären Systems befinden. Der letzte große Entwicklungssprung fand zum Beispiel erst vor wenigen Jahrzehnten statt, als unser Geld von der Goldbindung losgelöst wurde. Bis dahin war Geld immer fest verbunden mit der vorhandenen Menge an Gold und Silber, ein Fehler welchen man Jahrtausende nicht korrigierte. Der nächste Schritt ist sicherlich zu definieren, was Geld eigentlich ist und anschließend Regeln für den Umgang mit Geld zu schaffen. Ich könnte mir vorstellen, dass man dabei folgende Fragen beantworten wird.

1. Wie kann gewährleistet werden, dass die zur Verfügung stehende Gesamtsumme des Geldes nicht höher ist wie die für die freie Verwendung produzierte Geldsumme samt der geforderten Zinsen?
2. Wie kann vermieten werden, dass Banken unkalkulierbare Risiken vergeben, ohne Gegenleistungen dafür zu erbringen?
3. Wie können wir verhindern, dass Geld aus dem Kreislauf entzogen wird und damit seine Bestimmung nicht erfüllen kann?
4. Und wer sollte letztendlich über unser Geldsystem wachen und bestimmen unter welchen Bedingungen es funktioniert?

Wer Ideen zu diesen Fragen liefern möchte, den lade ich gerne ein mit zu philosophieren und zu diskutieren über die Zukunft unseres Geldsystems.



 
Kommentare (3)
  • avatarhaku  - Verfall des Geldes

    In unserem derzeitigem monetärem System haben wir doch auch das Prinzip des Verfalls des Geldes. Allgemein bekannt als Inflation. Und es hat genau denselben Zweck: Geld wird nicht gehortet, sondern bleibt im Umlauf. Kaum jemand, der noch massenhaft Bargeld unter der Matratze versteckt, sondern jeder trägt sein Geld auf die Bank, die sich darum kümmert, dass es dort nicht brach im Safe liegt, sondern eben genau darum, dass neue Projekte damit finanziert werden, Firmen gegründet, neue und hoffentlich nützliche Produkte auf den Markt gebracht werden (z.B. dieser Computer, der mich mit Euren Ideen verbindet). Kann mir wer erklären, wo da jetzt der fundamentale Unterschied zu der Freigeld-Idee besteht? Wenn's nur die Lokalität des Geldes ist (Geld bleibt in Wörgel, Wien, wo auch immer) dann mag das eine gute Sache sein für schwer wirtschaftlich geschädigte und abhängige Volkswirtschaften, um dazu beitragen, sich aus den Abhängigkeiten zu befreien und ihre eigene Wirtschaftsfähigkeit aufzubauen. Generell lehne ich die Idee aber ab. Ich möchte bei meiner Fahrrad-Tour nach Wörgel auch dort beim Wirten einkehren können, und ich möchte mir technische Produkte aus anderen Ländern leistbar kaufen können, und nicht warten, bis es hier jemand gerafft hat, ein ähnliches und gleichwertiges Produkt herzustellen und zu vertreiben. Ich fände es schon okay, wenn es z.B. lokal hergestellte Güter, zb. und vor allem Lebensmittel, auch vom Wirtschaftsystem bevorzugt werden, indem z.B. höhere Transitsteuern, die auch stärker die eigentlichen externalen Kosten berücksichtigen, eingeführt werden. Aber wofür dann ein neues Geldsystem? Bitte klärt mich auf.

  • avatarJens  - Inflation funktioniert so nicht.

    Die Inflation wird zwar als Geldentwertung wahrgenommen, doch glaubt die Bevölkerung, dass die Inflationsrate niedriger ist, als der Zins den das Geld auf der Bank/bei der Versicherung erwirtschaftet.Ob dies wirklich so ist steht nicht zur Debatte, denn es wird geglaubt. Somit existiert auch der Anreiz zum horten weiter.

  • avatarRonny  - Stimmt, ist ein kompliziertes Thema

    Man könnte an diesem Punkt wirklich eine größere Abhandlung des Themas anbringen. Aber ich möchte nur kurz auf die Inflation eingehen. Es ist richtig, es gibt eine Inflation. Aber warum? Diese kann es nur geben, wenn die Menge des verfügbaren Geldes im Markt höher ist, wie die verfügbaren Waren. Bedenkt man dabei, Geld kann unbegrenzt erschaffen werden, so kann damit auch die Inflation unbegrenzt angeheizt oder eine Deflation erzeugt werden. Und genau dies liegt in den Händen von Wenigen, würde aber Viele belasten.

    Zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte eine Inflation oder Deflation durch die EZB gesteuert werden, indem sie mehr Geld in den Markt pumpt oder eben dies verhindern. Im letzteren Fall würden die Zinsforderungen automatisch zu einer Deflation führen.
    Die zweite Komponente sind Spekulanten. Diese könnten eine Währung allmählich aus dem heimischen Markt herausziehen, was zur Folge hat, die Landeszentralbank müsste Geld nachdrucken, damit der Markt nicht zusammen bricht. Sobald die Spekulanten genügend Geld zusammengehortet haben, bringen diese es in den Markt wieder ein. Damit würde automatisch eine Inflation erfolgen, da die Zentralbank nicht in der Lage sein wird, dass Geld so schnell wieder dem Markt zu entziehen. Dieses Szenario geschah im Übrigen mit den italienischen Lire.

"Kommentar schreiben

[b] [i] [u] [s] [url] [quote] [code] [img]   

Sicherheit

Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.

Folge uns

rss-mail

Facebook Button

twitter_newbird_boxed_blueonwhite

Neuste Kommentare

  • Ronny said Mehr...
    @s: Sehr gerne. Die meisten E-Mail Adressen sin...
  • s said Mehr...
    "verwende niemals eine existierende Mailad...
  • Susann said Mehr...
    Den Aufstieg fand ich sehr schön. Ich habe mit ...
  • Ronny said Mehr...
    @Susann: Schön das ihr gesund wieder runter gek...
  • Susann said Mehr...
    Hallo Ronny,

    das ist wirklich eine sehr schöne...