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Im freien Fall von Joseph Stiglitz - Ein Buch über die Finanzkrise
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Mittwoch, den 14. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

wall-street-miniBanken werden gerettet, Kreditsuchenden werden die Türen verschlossen. Wer versteht noch was hinter den verschlossenen Türen der Finanzgiganten geschieht. Einer der versucht etwas Licht in das Dunkel des Finanzdickichts zu bringen ist Joseph Stiglitz mit seinem Buch “Im freien Fall”. Jospeh Stiglitz ist ehemaliger Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und seit langem einer der schärfsten Kritiker unseres Finanzsystems. Sein Buch richtet sich an die Menschen, die verstehen wollen, warum geschah was geschah und was folgen könnte.

1. Beispiel - Hauskredite in de USA

Das Buch “Im freien Fall” ist gespickt von Informationen die hierzulande nur unzulänglich bekannt sind. Man könnte jetzt im einzelnen erörtern, was das Buch beinhaltet. ich habe mich jedoch dafür entschieden, Textpassagen von Joseph Stiglitz zu zitieren. Beginnen möchte ich mit einer Information, wie das Kreditwesen in den USA beim Kauf einer Immobilie funktionierte.

Die Banken wussten, dass ein Hypothekendarlehen, bei dem die Darlehenssumme den Immobilienwert überstieg, mit einem hohen Risiko der Nicht-Rückzahlung verbunden war, insbesondere in Anbetracht des besonderen amerikansichen Systems sogenannter rückgriffsfreier Kredite, bei denen ein Schuldner, der seinen Kredit nicht zurückzahlt, höchstens sein Haus verliert.

Dies ist auch der Grund warum derzeit in den USA viele Menschen auf der Straße landen. Die Banken kassieren die Häuser, während die Menschen eine neue Bleibe suchen. Die Ursachen warum diese Menschen ihre Kredite nicht zurück zahlen konnten, lagen unter anderem auch in der Politik. Um ein künstliches Wachstum zu erzeugen wurden Kredite an Menschen vergeben, bei denen von vornherein sichtbar war, die Kredite konnten nicht zurück gezahlt werden. Dies ist auch hierzulande seit ein paar Jahren der Fall.

joseph-stiglitz2. Beispiel - Die Summe aller Vermögen und Schulden ist gleich Null

Die folgende Aussage von Joseph Stiglitz, verdeutlicht noch einmal, um den Finanzsektor zu verstehen, muss man zuerst die Basis der Finanzen verstehen.

In einer Nullsummenwelt wo die Gewinne des einen die Verluste des anderen sind, fährt der Steuerzahler schlechter, wenn die Aktionäre oder Anleihengläubiger der Banken besser fahren.

Zwei Punkte werden an dieser Stelle angesprochen. Zum einen die Summe aus Schulden und Vermögen, die Basis für unser Finanzsystem. Dies bedeutet, wenn man Vermögen besitzen und vermehren möchte, muss man dafür sorgen, dass andere Schulden machen. Der zweite Punkt spricht die Bankenrettung an, die nachfolgende Generationen noch belasten wird. Jospeh Stiglitz übt an dieser Stelle scharfe Kritik gegenüber den Politikern der westlichen Hemisphäre. Die Bankenrettung diente dazu die Gewinne zu privatisieren und die Verluste zu sozialisieren. Wer hierfür langfristig die Verantwortung übernehmen wird, ist noch offen.

3. Beispiel - Was ist ein Derivat?

Eine Wette darauf, dass der Kurs einer Aktie am kommenden Montag über zehn Dollar liegen wird, ist ein Derivat. Eine Wette darauf, dass der Marktwert einer Wette darauf, dass der Kurs einer Aktie kommenden Montag über zehn Dollar liegen wird, seinerseits über einen bestimmten Betrag liegen wird, ist ein Derivat auf der Basis eines Derivats.

Soweit verstanden? Wem es an dieser Stelle schwer fällt, zu verstehen, was mit dieser Aussage gerade beschrieben wurde, der braucht sich nicht zu wundern. Eine Erscheinung dieser Finanzkrise war es, Produkte zu entwickeln, die niemand verstehen konnte. Durch diese undurchsichtigen Finanzprodukte erreichte man eine ideale Marktverzerrung. Denn Produkte die niemand verstehen konnte, die aber große Gewinne versprachen, verkauften sich am Besten. Die Finanzinstitute wetteiferten darum solche Produkte zu entwickeln. Der Phantasie der Finanzmathematiker waren an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt.

joseph-stiglitz-im-freien-fallEin Plädoyer für einen neuen Gesellschaftsvertrag?

Joseph Stiglitz erklärt, erörtert, erläutert was scheinbar kaum ein Mensch versteht. Sein Buch ist vollgespickt mit diesen und weiteren Erörterungen. An Beispielen zeigt er, diese Krise kam nicht plötzlich, sondern war abzusehen. Er zeigt das alle bekannten Marktmechanismen ausgehebelt wurden. Er erklärt wie ähnliche Krisen bewältigt wurden und der Westen einen scheinbar leichteren Weg für sich in Anspruch nahm. Eines der interessantesten Aussagen ist jedoch die folgende:

Wem sollten wir einen höheren Stellenwert beimessen - denjenigen, mit denen wir einen “Gesellschaftsvertrag” geschlossen haben, oder denjenigen, die schlechte Anlageentscheidungen getroffen haben!

In diesem Kapitel beleuchtet Joseph Stiglitz den Umgang mit den Verlusten durch Politiker. Anstatt sich darauf zu konzentrieren den Menschen in ihrer Not zu helfen (in den USA den Menschen die ihre Haus verloren), konzentrierte man sich darauf die Panik vor Verlusten zu begrenzen. Diese Vorgehensweise zeigte eins sehr deutlich: “Wir haben nicht nur eine Finanzkrise, wir haben auch eine Sinneskrise.”

Bildquelle Flickr.com: Mathew Knott

 
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