| Wege aus der Krise – Wie man die Finanzkrise bewältigen könnte – Eine Vision (Teil 1) |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Donnerstag, den 20. Januar 2011 um 05:27 Uhr |
Die Finanzkrise beschäftigt uns nun bereits seit mehr als zwei Jahren. Waren es zum Beginn noch die Banken, die uns Kopfzerbrechen bereiteten, wanken in der Zwischenzeit ganze Staaten unter den Auswirkungen dieser Krise. Warum die Finanzkrise trotzdem für viele noch nicht als eigentliche Krise empfunden wird, liegt an zwei Gründen. Zum Einen veränderten sich für die meisten Menschen in diesem Land sehr wenig. Arbeitsplatzabbau und Einschränkungen bei den Gehältern sind wir hier in Deutschland schon seit Jahren gewöhnt. Man könnte davon sprechen, wir wurden auf die Krise vorbereitet. Zum Zweiten wurde bisher noch kein Privateigentum in Form von Geldbesitz zur Bewältigung der Krise herangezogen. Stattdessen pumpt die Zentralbank von Europa, die EZB, täglich neue Millionen in das System. Als Gläubiger stehen dahinter die Staaten von Europa, die nicht in finanzielle Schieflage geraten sind. Scheinbar haben wir die Krise voll im Griff, wenn da nicht immer wieder die kleinen Hiobsbotschaften wären, die wir aus der täglichen Presse entnehmen können. Es erscheint schon etwas eigenartig, wenn die Ereignisse einem Ablauf folgen, der Monate zuvor bereits angekündigt wurde. Und wenn man diesen Aussagen einen Funken Glauben schenken darf, so steht heute bereits fest, was sich in den nächsten Monaten ereignen wird. Und diese Ereignisse werden aller Wahrscheinlichkeit nach, den zweiten, bisher noch nicht eingetretenen Punkt betreffen. Dazu ein kleiner Rückblick. Anfang 2010 veröffentlichte die Bank für internationalen Zahlungsausgleich eine Grafik, auf der sie auf die gegenseitige Verschuldung der sogenannten PIIGS Staaten untereinander verwies. Damit gemeint waren die Staaten, die höchstwahrscheinlich zukünftig finanzielle Probleme bekommen würden. Es dauerte kein Jahr bis man davon sprach, diese Staaten sollten sich unter den Rettungsschutzschirm der EU flüchten, um den hohen Zinsforderungen der Gläubiger zu entgehen. Das neue Jahr ist noch kein Monat alt, als ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, sich zu folgender Äußerung hingerissen fühlte. “Der Europäische Rat muss ohne Vorwarnung für die Öffentlichkeit in einer der nächsten Sitzungen zu der Entscheidung kommen, dass die umschuldungsbedürftigen Länder im Anschluss an das Treffen vor die Öffentlichkeit treten und den notwendigen Prozess ankündigen.” Vorab erklärte er, welche Entscheidung vorab getroffen werden sollte. In einer Aussage erörterte er, die europäischen Staaten könnten sich nur aus der Krise befreien, wenn sie ihren Gläubigern gegenüber, die Zins- und Tilgungsleistungen aussetzen würden. Hierdurch würde vorerst ein staatlicher Befreiungsschlag erfolgen. Jedoch würde dies nicht zur Bewältigung der Krise genügen. Doch dazu später. Durch eine solche Ankündigung würden die größten Gläubiger der Anleger, die Staaten, ein Zeichen setzen. Mit der Durchsetzung dieser Entscheidung würden die Staatshaushalte die Umverteilung von Arm zu Reich unterbrechen, die durch die Zinsforderungen täglich statt findet. Staatsanleihen würden eingefroren werden, dies bedeutet, auslaufende Papiere würden nicht mehr ausgezahlt werden und Zinsgutschriften auf diesen Anleihen fänden nicht mehr statt. Dies würde sich automatisch auch auf den Rentenmarkt, hinter dem sich in erster Linie Staatsanleihen verbergen, und den Versicherungsmarkt für garantieverzinslichste Kapitalprodukte auswirken. Davon betroffen wären Produkte wie die klassische Kapitallebensversicherung, aber auch Rentenversicherungen mit einem Garantiezins. Ob dies automatisch dazu führen würde, anstehende Auszahlungen von ablaufenden Versicherungen zu stoppen, ist allerdings fraglich. Jedoch kann man damit rechnen, sich von Zinsgutschriften in der nächsten Zeit zu verabschieden. Einige Versicherungen würden sich zudem von ihren Lebensversicherungsgesellschaften verabschieden. Die anderen Sparten wären davon nicht betroffen, da nahezu alle großen Gesellschaften, die Sparten in eigenständige Gesellschaften gruppierten, von denen jede für sich schnell liquidiert werden könnte. Wie bereits erwähnt, wäre dies nur der erste Schritt. Denn mit der Erklärung, zukünftig keine Zinsforderungen mehr zu begleichen und die Tilgung auszusetzen, würden sich automatisch auch die Staatshaushalte in eine Schieflage begeben. Um dies zu verstehen ist es notwendig einen Blick in den Bundeshaushalt von Deutschland zuwerfen. Aufgrund der Erklärung wäre das Vertrauen in die Staaten als sicherer Gläubiger vorerst dahin. Dies würde auch Deutschland betreffen, denn ohne Deutschland könnte eine solche Erklärung nicht statt finden. Deutschland nimmt in diesem Jahr voraussichtlich rund 250 Milliarden Euro an Steuern und sonstigen Einnahmen ein. Die Ausgaben ohne die Tilgung von Zinsen belaufen sich aber auf rund 270 Milliarden Euro. Unter dem Strich fehlen somit 20 Milliarden Euro, um in diesem Jahr alle Ausgaben zu begleichen. Da nach der Erklärung kein Land der EU mehr für das andere Land gegenüber den Gläubigern bürgen würde, würde sich auch kein Investor mehr dazu veranlasst fühlen, Geld in eines dieser Länder zu investieren. Die herkömmlichen Geldquellen würden mit der Erklärung sofort versickern. Mit der Erklärung wäre es somit notwendig auch die ersten Grundzüge eines neuen Finanzsystems zu etablieren. Dies wäre die Loslösung der Staaten von den Gläubigern und den Erhalt zukünftig benötigter Geldmittel direkt von der EZB. Würde es aufgrund dieser direkten Abhängigkeit später erneut zu Zahlungsschwierigkeiten kommen, könnte die EZB bedenkenlos auf die Forderungen verzichten oder jederzeit Zins- und Tilgungsforderungen aussetzen, ohne eine erneute Krise auszulösen. Möglich ist dies dadurch, da die EZB der Geldbeschaffer in erster Instanz ist, also derjenige der praktisch das Geld druckt und dadurch unbegrenzt darüber verfügt. Man würde, wie von vielen Wirtschaftswissenschaftlern schon seit längeren gefordert, eine vierte Gewalt schaffen, die Monetative. Eine solche Entscheidung könnte auch erst einmal zur Beruhigung der Großteil der Gläubiger beitragen. Denn denkbar wäre anschließend eine Erklärung der Regierung, in der versprochen wird, sobald sich die Lage verbessert, würde man die Gläubiger auch auszahlen. Allerdings könnten die meisten Gläubiger lange darauf warten, wenn man nicht auch damit beginnt, weitere Probleme unseres Geldsystems zu beseitigen. Doch dazu mehr im zweiten Teil (erscheint am 25.01.2010). |
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