| Warum wir in Deutschland ein Schwundgeld benötigen. |
| Geschrieben von: Ronny Siegel |
| Freitag, den 22. Oktober 2010 um 05:41 Uhr |
Irgendetwas stimmt nicht mit unserem Euro. Immer öfters höre ich von Menschen hierzulande, man glaube nicht mehr daran, dass es den Euro noch lange geben wird. Die Schlagzeilen in den Medien tragen hierzu ihr Übriges bei. Im Frühjahr traf es Griechenland und auch wenn man aus dem Land kaum noch etwas vernimmt, sind die Demonstrationen vor Ort nicht abgerissen, wie mir Urlauber berichteten, die vor kurzem dem Land einen Besuch abstatteten. Dafür hört man immer Öfters etwas von Ländern wie Portugal und Irland. Aber auch Spanien füllt unterdessen die Schlagzeilen. Italien wird folgen, sofern man die Staatsverschuldung heranzieht. Doch gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?Es könnte ihn geben, den Ausweg. Doch hierzu sollte man zuerst 300 Jahre altes Gedankengut aus dem Weg räumen und sich auf die Lehren von Aristoteles besinnen. In einem seiner bekannteren Zitate, äußerte er sich zum Thema Zins wie folgt "So ist der Wucher hassenswert, weil er aus dem Geld selbst den Erwerb zieht und nicht aus dem, wofür das Geld da ist. Denn das Geld ist um des Tausches willen erfunden worden, durch den Zins vermehrt es sich dagegen durch sich selbst. […] Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur." Aristoteles griff mit dieser Aussage bereits vor über 2.000 Jahren eine Theorie an, die heute noch unser Handeln bestimmt. Der Glaube daran, Geld für sich alleine, stelle einen Wert dar. Aus dieser Theorie heraus wurde auch in den letzten Jahrhunderten immer wieder für die Zinsnahme geworben. Denn dessen Befürworter behaupten immer noch „Das Geld gleichzusetzen ist mit Leistung und Besitz und der Verzicht auf Geld belohnt werden muss.“ Ich stelle bei diesem Thema immer eine Frage. Welchen Produktions- und Leistungswert erzeugt ein zehn Euroschein innerhalb von einem Jahr? Auf diese Frage ernte ich meistens immer nur erstaunte Gesichter. Wie kann ein zehn Euroschein einen höheren Wert erzeugen, wie zehn Euro? Dies ist leichter als man gemeinhin glaubt. Man stelle sich hierzu nur folgendes vor. Wenn ich heute früh zum Bäcker gehe und für zehn Euro Waren einkaufe, habe ich mit meiner Handlung einen Wert von zehn Euro geschaffen. Der Bäcker geht anschließend mit dem Selben zehn Euroschein zum Fleischer und holt sich eine warme Mittagsmahlzeit. Der zehn Euroschein ist jetzt schon bei einem Produktionswert von 20 Euro angekommen. Anschließend nimmt der Fleischer den zehn Euroschein und schafft diesen an die Kinokasse, weil er sich abends bei einem Film entspannen möchte. Der zehn Euroschein, der am Morgen noch nichts Wert war, schuf am Ende des Tages Waren- und Dienstleistungen in Höhe von 30 Euro. Aristoteles schien mit seiner Aussage „Geld ist um des Tauschens willen erfunden worden“ nicht gänzlich daneben zu liegen. Was geschehen wäre, wenn der Bäcker das Geld nicht ausgegeben hätte, kann man sich schnell selber zusammen rechnen. Doch heutzutage werden wir gerade in diesem Punkt immer wieder dazu angehalten, zu sparen, also unser Geld dem Kreislauf zu entziehen. Wir handeln somit gegen jede Vernunft. Wäre der Bäcker oder ich zurückhaltender gewesen, würden wir beide die nachfolgenden Geschäftstätigkeiten langfristig massiv gefährden. Der Fleischer würde sich wundern, warum er kein Fleisch mehr verkauft und vielleicht die Preise senken. Der Kinobetreiber würde sich ebenfalls wundern und glauben, es liege an der Auswahl seiner Filme. Stattdessen sind beide nur Opfer der stockenden Umlaufgeschwindigkeit des Geldes geworden. Traurig finde ich nur, dies ist keine Vision, dies ist Realität. Viele Menschen wollen Arbeit leisten, können aber nicht, weil die monetären Mittel hierzu fehlen. Es scheint fast so, als ob sich unser Geldkreislauf in einer Sackgasse befindet. Doch wie könnte eine Lösung aussehen? Auf einen Ansatz brachte mich ein Abend mit Franz Galler, dem Initiator des Sterntalers im Berchtesgadener Land. Sogenanntes Schwundgeld kannte ich schon seit längerem. Das berühmteste Experiment mit Schwundgeld ist das Experiment in Wörgl gewesen, welches in der Region für einen Aufschwung in Zeiten größter Not sorgte. In diesem Ort kam ein Schwundgeld zum Einsatz, mit der man auch seine Steuerschuld begleichen konnte. Wörgl schuf somit seine eigene Schwund-Währung, sehr zum Leidwesen der österreichischen Zentralbank. Die Idee die hinter dem Schwundgeld steckt ist eine Weiterentwicklung der Theorien von Aristoteles und Silvio Gesell. Wenn laut Aristoteles Geld zum Tausch von Waren und Dienstleistungen erfunden wurde, ist es auch notwendig, die Menschen zur Ausgabe des Geldes zu bewegen. Deswegen versehen die Befürworter des Schwundgeldes ihr Geld mit einem „schwarzen Peter“. Das Geld verliert an Wert, solange es sich im Besitz derselben Person befindet. Franz Galler löste dieses Problem mit einem täglichen Minuszins auf den Konten seiner Sterntalerkunden. Durch diesen kleinen Eingriff, ist niemand mehr daran interessiert, größere Geldsummen zu sparen oder zu horten. Stattdessen versucht ein jeder sein Geld schnellstmöglichst wieder loszuwerden. Was würde dies langfristig verändern? Zum Beginn würde „Arbeit sich wieder lohnen“, wie es die großen Volksparteien immer propagieren. Wer viel arbeitet wäre ein direkter Gewinner in diesem System, denn bei ihm würde sich ein Großteil des Schwundgeldes ansammeln. Dadurch dass dieses Geld jedoch an Summe verlieren würde, müsste derjenige sein Geld schnell wieder unter die Leute bringen. Da jedoch die Grundbedürfnisse eines jeden Einzelnen bereits heute weitgehend abgedeckt sind, müsste neue Arbeit geschaffen werden, an die heute noch nicht zu denken ist. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Aufschwung des Handwerkes und des Dienstleistungssektors. Erst wenn auch in diesen Bereichen eine Sättigung erfolgte, würde der wahre Reichtum eines Landes zum Tragen kommen. Wenn niemand mehr weitere Dienstleistungen benötigen würde, würde man sich fragen, warum man dann überhaupt noch so intensiv arbeitet? Letztendlich könnte man sich den schöngeistigen Dingen zuwenden oder einfach über mehr Freizeit verfügen, was wiederum zu einem Anstieg des allgemeinen Wohlstandes führen würde. Bildquelle: Wikipedia von Giovanni Dall'Orto |
Die Ideen der Freigelddenker gehen dahin, Geld welches man langfristig verleiht, nicht zu bestrafen. Man kann somit auch in Zukunft sparen, nur erhält man hierdurch keine Geldvermehrung, sondern entflieht der Geldminderung.
Ein wichtiger Mittler zwischen Personen die langfristig ihr Geld anderen zur Verfügung stellen und denjenigen, die es benötigen, wäre dann wieder die Bank, die dafür eine Vermittlergebühr vom Empfänger des Geldes kassieren würde.
Langfristig verliehenes Geld wird nicht bestraft? ;-)
Das klingt mir nach nen ziemlich bürokratischem System mit viel Manipulationsmöglichkeiten.
Muss ich dann mit nen bestimmten Ziel auf ein bestimmtes Produkt sparen?
Nein, der Zeitraum in dem man sich von seinem Geld verabschiedest, bestimmt den Zahlenverlust des Geldes. Letztendlich gibt man damit den „schwarzen Peter“ nur weiter. Schließlich soll man nicht dafür bestraft werden, wenn man mal viel verdiente und diesen Verdienst nicht verkonsumieren kann.
Die prozentuale Absenkung auf das Geld bleibt aber auch über den Zeitraum gleich. Nur wird sie dann von demjenigen getragen, der als Nächstes das Geld erhält und dieses nicht weiter ausgibt.
Also das heisst, auch wenn ich mein Geld spare, auf der Bank, verliert es an Wert?
Persönliches Sparen bedeuten Verluste. Langfristige Rücklagen, sollen dagegen belohnt werden.
Sparen würde zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr sinnvoll sein, wenn man zum Beispiel einen Wertverlust von 5 Prozent jährlich hinnehmen muss, aber ein Kreditvertrag nur noch 2 Prozent oder eine Gebühr kostet.
Es ist wichtig immer daran zu denken. Geld ist ein von Menschenhand geschaffenes Ding, welches unbegrenzt verfügbar ist.
Wenn ein Kreditvertrag 2 % Zinsen kostet, spiele ich den Banken wieder für die Geldschöpfung Zinsen zu. Also sollte es eine Gebühr sein.
Nun schön. Sparen ist Geldentwertung. Geh ich mit.
Doch 1: Wer legt fest was "langfristige Rücklagen" sind und wie sollen diese belohnt werden?
2. Geld kann unbegrenzt geschaffen werden. Ich bekomme es zum Kauf einer, sagen wir Immobilie, also zur Verfügung gestellt gegen eine Gebühr. Und das muss dann ja jeder bekommen, da, sparen darf ich nicht.
Ich glaube in dem System sind noch paar Knackpunkte.
Natürlich wird auch das nächste System Probleme mit sich bringen. Dies sollte auch jedem klar sein.
Diese werden zu Tage kommen, wenn man es ausprobiert. Vorher alle Eventualitäten durchzudenken ist schier unmöglich. Trotzdem sehe ich es als wichtig an, dass möglichst viele Menschen über Alternativen nachdenken und Schwachstellen erkennen.
Doch bereits heute weiß man eins, mit dem neuen System wird die Umverteilung von Arm zu Reich nicht mehr in diesem Maße statt finden, wie sie heute statt findet. Zu mindestens nicht mehr über den Faktor Zins.
Hallo Ronny, ich lese nach ARISTOTELES,'durch den Zins vermehrt es sich dagegen durch sich selbst. [….
Wenn jemand 100 € als Einlage in der Bank hat, dann hat er bei 2 % Zins am Jahresende 102 €. Das Geld hat sich vermehrt. Frage, woher hat die Bank die 2 € her? Indem sie die 100 € zu einem Zinssatz von 5 ½ verborgt hat. Der es geborgt hat, hat am Jahresende 5 € weniger, davon hat die Bank 3 € und der Jemand 2 € Das Geld hat sich doch dabei nicht vermehrt, es ist von einer Tasche in die andere gewandert, oder?
Ich lese, 'Der zehn Euroschein, der am Morgen noch nichts Wert war, schuf am Ende des Tages Waren- und Dienstleistungen in Höhe von 30 Euro.' Das heißt, wenn ich zehn € habe und stecke sie 3 mal von einer Tasche in die andere, habe ich 30 € Wert geschaffen?
MfG
@alterknabe: Deinem ersten Absatz kann ich nur zu stimmen. Eine Ausweitung der Geldmenge kann nur die Zentralbank veranlassen. Ich frage mich aber, wie viele Menschen sich darüber bewusst sind, dass jede erhaltene Zinsgutschrift auch irgendwo herkommen muss. Und wenn man dies schon weiß, dann sollte man doch auch hinterfragen, woher?
Deinem zweiten Absatz kann ich jedoch nicht folgen. Wenn der Geldschein von einer Tasche in die Andere wandert, ohne dass man dafür einen Gegenwert erhält, verbrennt er maximal bei dieser Aktion ein paar Kalorien. Der Wert des Geldes ist jedoch abhängig von seiner Umlaufgeschwindigkeit. Desto geringer diese ausfällt, desto weniger Wert besitzt Geld. Oder wie in einem alten Kinderlied schon besungen: "Taler, Taler du musst wandern."
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Hallo Ronny, reizvoller Gedanke, da sind wir uns einig.
Nun gehen wir mal in den privaten Haushalt. Wie sollen Investitionen wie, sagen wir ein Motorroller zu € 1500,- finanziert werden, von einem Kraftwagen spreche ich noch gar nicht, wenn jegliches sparen bestraft wird?