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Die Inflation frisst den Gewinn: Lohnt sich die Riester Rente?
Geschrieben von: Jens   
Dienstag, den 20. April 2010 um 17:00 Uhr
lohnt_riester_startKürzlich beleuchtete Ronny, hier auf Ploync, dass Thema der Riesterrente unter dem volkswirtschaftlichen Aspekt. Nun mag sich der Eine oder Andere vielleicht nach dem Lesen gesagt haben, alles gut und schön. Nur die Lage ist wie sie ist. Bevor ich mich selbst schädige, indem ich die aus Steuermitteln finanzierte Förderung nicht nutze, schließe ich trotz alledem doch lieber eine Riesterrente ab. Schauen wir doch einmal, ob sich das wirklich lohnt.


Ganz tief ist es mittlerweile im kollektiven Bewusstsein der Deutschen verwurzelt: Ohne private Altersvorsorge werde ich mich als Rentner oder Pensionär finanziell gehörig einzuschränken habe. Kein Wunder. Wurde doch jahrelang gebetsmühlenartig kommuniziert, dass nur eine kapitalgedeckte Altersvorsorge für  den gewohnten Wohlstand im letzten Lebensabschnitt sorgen wird. Nun will ich hier die Debatte nicht noch zusätzlich anfeuern und Öl ins Feuer gießen. Fakt ist in jedem Fall, die Einkünfte aus der gesetzlichen Rente werden, im Rahmen der derzeitigen Konstellationen, in der Tat bescheidener ausfallen als wünschenswert. Ist eine Riesterrente die Lösung?
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Dazu konstruiere ich mir einen Beispielbürger. Ich nenne ihn Fritz Schulze. Auch wenn die Daten meines Fritz nicht auf Sie zutreffen (Sie sind: jünger, älter, verdienen weniger oder mehr,  leben allein etc.), so wird eine Berechnung mit Ihren ganz persönlichen Daten, zu einem sehr ähnlichem Ergebnis führen.

Unser Fritz ist 35 Jahre jung. Er ist verheiratet und hat eine Tochter im Alter von 5 Jahren. Sein jährliches Gesamtbruttoeinkommen beträgt € 35.000. So langsam macht er sich Sorgen um seine Altersrente. Deshalb beschließt er sein Geld in eine Riesterversicherung zu investieren. Eine klassische Variante, denn darin glaubt er seine Anlagen sicherer als in einer fondsgebundenen Version. Er möchte die volle staatliche Zulage und alle Steuervorteile erhalten und dann den entsprechenden Beitrag entrichten. Seine Rente möchte er mit 67 antreten, da er keine Abzüge wünscht. Er rechnet damit, das er für seine Tochter bis zum 25. Lebensjahr die Kinderzulage erhält, da sie vielleicht studieren wird. Fritz weiß nicht genau, an wen er sich wenden soll. Deshalb gibt er bei Google „Vergleich Riesterrente“ ein. Dabei gelangt er auf die Seite „Testberichte.de“. CosmosDirekt* wird Ihm als Testsieger genannte, weshalb er sich dort ein Angebot berechnet.

Es ergeben sich für Fritz folgende Werte: monatlicher Beitrag: € 146,75. Fritz erkennt, dass der Beitrag ab dem 25. Lebensjahr seiner Tochter auf monatlich € 162,17 ansteigt, da dann die Kinderzulage entfällt. Es ergeben sich aus seinem Beitrag folgende Leistungen: flexible monatliche Rente:    € 729,46 (nicht garantierter, prognostizierter Wert anhand heutiger Überschüsse) lebenslange garantierte Rente: € 344,-

Fritz ist zufrieden. Mit € 729,46 monatlicher Zusatzrente, hat er ein respektables Einkommen. Das sollte zusammen mit seiner gesetzlichen Rente reichen.

Tut es das wirklich? Was bei diesen Überlegungen oftmals vergessen wird, ist das Thema der Inflation. Also der Wertverluste unseres Geldes. Durch sie wird die Kaufkraft der Rente entscheidend geschmälert. Außerdem garantiert Fritz niemand, dass die prognostizierte Rente von € 729,46 wirklich erreicht wird.

Wie stellt sich nun die Kaufkraft, welche Fritz aus der Auszahlung seiner Riesterrente erhält, unter Berücksichtigung der Inflation wirklich dar. Bitte schauen Sie dazu auf die folgende Tabelle (Abzüge durch Steuern sind nicht berücksichtigt).

Angenommene Inflation 1,50% 2,50% 3,50%
monatliche Kaufkraft von Fritz
"flexibler monatlicher Rente"
im Jahr 2042 (Fritz ist 67)
€ 449,74 € 324,45 € 233,28

Das ist sehr ernüchternd. Schon bei 1,5 Prozent Inflation nimmt die Kaufkraft von Fritz Schulzes Riesterrente signifikant ab. Die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland lag, insgesamt betrachtet, zwischen 1950 bis 2008 bei 1,6 Prozent (Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge, Statistisches Bundesamt Deutschland). Wollen wir hoffen, dass es bei diesen moderaten Wert auch in den nächsten Jahrzehnten bleibt. Denn die durch die Inflation ohnehin schon verminderte Kaufkraft, würde bei dauerhaft höherer Geldentwertung unseren Fritz zu weiteren Altersvorsorgemaßnahmen zwingen. Seine Kaufkraft in seinem Arbeitsleben noch mehr schmälern.

Die zweite Gefahr welche Fritz droht, sind sinkende Zinsen (korrekt gesprochen: Überschüsse) der Versicherungen. Die Gesamtrendite auf den bezahlten Beitrag hat sich für kapitalbildende Lebensversicherungen von durchschnittlich 6,17 % (1999) auf 5,19 % (2010) verringert. Das gilt jedoch nur für Verträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Für Verträge mit 12 Jahren Laufzeit sank die Rendite des Vertrages sogar von 6,22 % (1999) auf 3,36 % (2010) ab. (Quelle: Versicherungsjournal.de). Da klassische Riesterrenten ähnlich investieren wie kapitalbildende Lebensversicherungen, trifft dieser Trend nahezu 1:1 auch auf die klassische Riesterrente zu. Schon heute spüren viele Verbraucher die vor 20 Jahren eine Lebens- oder Rentenversicherung abschlossen, dass die Auszahlungen welche sie erhalten, bei weitem nicht den seinerzeit versprochenen Werten entsprechen.

Wenn wir die Angelegenheit schon so genau beleuchten, möchte ich Ihnen hier noch aufführen welches Szenario droht, so Fritz schon mit dem 60. Lebensjahr in Rente geht. Die Auszahlungswerte seiner Riesterrente gestalten sich dann wie folgt: flexible monatliche Rente: € 390,27 (nicht garantierter, prognostizierter Wert anhand heutiger Überschüsse), lebenslange garantierte Rente: € 217,33

Und hier wieder die dazu passende Kaufkraftberechnung:
Angenommenne Inflation 1,50% 2,50% 3,50%
monatliche Kaufkraft von Fritz
"flexibler monatlicher Rente"
im Jahr 2037 (Fritz ist 60)
€ 267,47 € 207,24 € 160,16

Was deutlich wird. Die sieben fehlenden Einzahlungsjahre und der geringere Zinseszinseffekt mindern die Rentenleistung gewaltig. Dieses Szenario wird Fritz zwangsläufig zum arbeiten bis 67 zwingen.

Was die Analyse zeigt: Unklare Inflations- und Überschusserwartungen machen jede Riesterrente zum spekulativen Spiel. Dies trifft ohne Abweichung genauso auf  andere Versicherungs- und Bankprodukte zu. Ob fondsgebundene Riester- oder Privatrente, Aktiensparplan,  Rüruprente und was es noch so alles an Altersvorsorgeprodukten gibt. Kein einzigstes Produkt gibt Ihnen eine wirkliche Garantie für Ihre Kaufkraft im Alter. Was der Name „Versicherung“ oder „staatlich gefördert“ ja bei Sparmaßnahmen wie der Riesterrente glauben machen könnte. Wer sich in falscher Sicherheit wiegt, weil er eine empfindlichen Teil seines Einkommens in seine private Altersvorsorge investiert, kann eine sehr böse Überraschung erleben.

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Wenn Sie mich jetzt fragen sollten, welche Alternative oder Lösung haben sie lieber Herr Autor, was empfehlen sie, dann muss ich passen. Bei der derzeitigen Gesetzeslage gibt es keine Investitionsmöglichkeit, welche ich unumwunden empfehlen kann. Alternativen sind sicher Investitionen in Immobilien und andere Wertanlagen (Stichwort: Kapital streuen). Nur bieten auch diese, wenn man alle möglichen Szenarien in Betracht zieht, keine völlige Sicherheit.

Um alle Bürger nachhaltig von der Angst vor der Altersarmut zu befreien, ist ein völliger Paradigmenwechsel in der Politik und Wirtschaft vonnöten. So lange sich mit der Angst der Bürger jedoch noch Milliarden verdienen lassen, sehe ich diese Option nicht in greifbarer Nähe.

Wie ein Systemwechsel exakt ausschauen soll, kann auch ich nicht sagen. Ich meine jedoch, dass unser bisheriges Umlagesystem (Generationenvertrag) der gesetzlichen Rentenversicherung nach wie vor der gesündere Weg ist. Es bietet einen besseren  Inflationsausgleich als die kapitalgedeckte Vorsorge. Ob sich mit einigen Modifizierungen innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, nicht vielleicht doch eine optimale Lösung finden lassen kann? Ich bin fest davon überzeugt.


* Ich möchte die Firma CosmosDirekt weder empfehlen noch negativ über selbige berichten. Die Nennung dieser Versicherung ist als absolut wertfrei zu betrachten. Zur Seite „Testberichte.de“ kann ich ebenso keine wertende Aussage treffen. Ich nenne und verwendete die o.g. Webseiten, da ich auf dem beschriebenen Weg  am 12.04.2010 zu diesen Seiten gelangte und bei CosmosDirekt ein Angebot berechnete. So sind für jeden Leser die Berechnungsgrundlagen transparent nachvollziehbar.

Alle Bilder stammen von: www.pixelio.de
Mann: RainerSturm. Fotograf: Rainer Sturm
Schild Elend: dido-ob, Fotograf: Dieter Schütz
Sofa: hofschlaeger, Fotograf: S.Hofschlaeger

 
Kommentare (4)
  • avatarMatthias  - Lob

    Sher aufschlussreich, gut recherchiert und gute Quellenangaben. Welche Zeitung kann das noch von sich behaupten? Vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe leider auch so einen Vertrag abgeschlossen, dann habe ich mir die ganzen Bedingungen mal genau durchgelesen und prompt gekündigt. Allein die Abzüge (10% +x+y; ich beziehe mich hier auf die DEVK) überstiegen die Zinsen und die Staatszulage (eigentlich lächerlich, wenn man das mit einer herkömmlichen Geldanlage mit einem festen Zinssatz vergleicht) bei weitem. Unterm Strich hätte ich da ja nur Miese gemacht. aber bei Versicherungen ist das ja auch normal, ist ja ne Versicherung und keine Geldanlage im eigentlichen Sinne. Eine wirkliche Alternative habe ich leider auch noch nicht gefunden. Unerwähnt blieb im Artikel, dass, egal, wie man seine Altersvorsorge betreibt, sich so oder so nichts an der Tatsache ändert, dass das Geld immer nur für einen bestimmten Wert steht, den irgnedjemand erwirtschaften muss. Aber wer soll das noch sein in 50 Jahren? Idee: Geld auf einem Konto in der Schweiz anlegen und seine Rente in einem Entwicklungsland verbringen -> niedrige Lebenskosten und ein kleiner Beitrag zur Wiedergutmachung der Ausbeutung gerade dieser Staaten.

  • avatarRonny  - Der letzte Satz bringt es auf den Punkt

    Ein sehr schöner Kommentar über die Verantwortung eines jeden Einzelnen. Danke.

    Denn wie viele Menschen sind sich darüber im Klaren, dass sie durch Zinsforderungen unter anderem auch Entwicklungsländer in ihrer Entwicklung hemmen?

  • avatarJens Färber

    Danke schön.

    Könnte klappen. Wenn der Franken die nächsten 50 Jahre überlebt. ;-)

  • avatarRainer  - Naaaaja

    Die Essenz dieses Artikels ist: Mit Berücksichtigung der Inflation kommt bei der Investition am Ende weniger Kaufkraft heraus als wenn man die Inflation ignorieren würde.
    Wieso ist das "ernüchternd"? Warum sollte man wegen dieser Binsenweisheit sofort zu dem Schluss kommen, dass diese Investition folglich schlecht ist?
    Sollte man nicht lieber nachrechnen, ob bei einem solchen Vertrag eine bessere oder schlechtere Rendite zu erwarten ist als bei anderen Investitionsmöglichkeiten, und dann halt die Möglichkeit mit dem besten Erwartungsprofil wählen?

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