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Bundeshaushalt oder wie Sie als Bürger die Reichen finanzieren

bundeshaushalt2010-miniStellen Sie sich folgende schöne Situation vor. Sie möchten ihr Geld sinnvoll investieren und suchen sich jemanden, der Ihnen vier Prozent Zinsen verspricht, vier Prozent auf alle Ewigkeit. Als Sicherheit gibt er Ihnen die Garantie, dass jeder Deutsche dafür bürgen wird und notfalls sein Eigentum für Ihre Investition veräußern würde. Wäre dies nicht schön? Für einige Deutsche ist dies Realität und jeder von uns kann im Bundeshaushalt nachlesen, was wir diesen Menschen schulden. Eine Bestandsaufnahme des Bundeshaushalts 2010 oder wie viel schulde ich jemanden den ich nicht kenne und von dem ich mir niemals Geld geliehen habe.

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509 Euro Zinsen pro Kopf in Deutschland

Willkommen in 2010, dem Jahr in dem jeder von uns 509 Euro von seinen bezahlten Steuern direkt an die Vermögenden abliefern darf. Willkommen in 2010, dem Jahr in dem wir als Sparer froh darüber sind, wenn wir mehr als zwei Prozent Zinsen auf unser Sparguthaben erhalten, dafür aber als Gegenleistung 4,1 Prozent Zinsen den Vermögenden garantieren. Willkommen in 2010, dem Jahr in dem die Summe der Bundestilgung so viel beträgt, wie die Ausgaben von 10 der 16 Bundesministerien. Willkommen im Land der Superreichen.

Ich gebe zu, die genannten Aussagen klingen auf dem ersten Blick ziemlich verwirrend. Mit Zahlen um sich zu werfen ist nicht nur eine Spezialität von mir, sondern insbesondere auch derjenigen, die täglich mit Summen jonglieren dürfen oder müssen. Die meisten Deutschen schalten jedoch ab einer gewissen Zahlengröße ab. Kein Wunder, denn Mathe zählt nicht gerade zu den beliebtesten Lernfächern in der Schule. Deswegen vertrete ich die Ansicht, es ist wichtig den Menschen die Zahlen in einem Rahmen zu präsentieren, der für jeden schnell nachvollziehbar ist.

Bundestilgung = Finanzierung der Superreichen

Der Bundeshaushalt 2010 ist aufgeteilt in 17 verschiedenen Ressorts. 16 dieser Ressorts dienen der Unterhaltung von Regierungsaufgaben oder kommen der Bevölkerung Deutschlands direkt zugute. Nur ein einziges Ressort trägt direkt zur Finanzierung der Superreichen in Deutschland bei, das Ressorts mit dem Namen „Bundestilgung“. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, wie Zinstilgung der Schuldenlast von Deutschland. Verwunderlich bei der Bundestilgung ist nur eins, es liegt bereits an der zweiten Stelle der Gesamtausgaben und 13 Prozent des gesamten Bundeshaushaltes werden dafür in Anspruch genommen. In konkreten Zahlen ausgedrückt, bezahlt Deutschland 41,7 Milliarden Euro Zinsen an seine Gläubiger. Nur das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt mehr aus. Dieses Geld fliest direkt zu den Bürgern und damit in die Wirtschaft.

Um auszurechnen wie hoch die persönliche Zinslast ist, muss man nur die Summe von 41,7 Milliarden durch die Einwohnerzahl dividieren. Also 41.700.000.000 geteilt durch 81.882.342. Wenn der Taschenrechner diesen Zahlenraum nicht zulässt, hilft hier der einfache Windowsrechner schnell weiter. Das Ergebnis sieht dann wie folgt aus, 509,267309 usw. Mathematisch gerundet entspricht dies ungefähr 509,27 Euro. Dies ist die persönliche Zinslast, die jeder Deutsche 2010 zu tilgen hat, angefangen vom Säugling bis zum kurz vor dem Ableben stehenden Rentner. Dies bedeutet für eine vierköpfige Familie, 2037,08 Euro fliesen direkt als Zinstilgung an Personen die Sie nicht kennen und von denen Sie niemals einen Kredit für persönliche Bedürfnisse erhielten. Jetzt könnte man argumentieren, ich bezahle doch gar keine Steuern und deswegen betrifft mich dies nicht. Keine Sorge, die Gläubiger bekommen ihr Geld und Sie zahlen dafür ob Sie wollen oder nicht.

17 Prozent der Einnahmen fliesen an Gläubiger

Kommen wir kurz zu den Einnahmen des Staates. Der größte Posten sind die Steuereinnahmen, welche 2010 rund 213,8 Milliarden Euro betragen sollen. Diese Steuern setzen sich aus all den bekannten Steuern zusammen, unter anderem auch die Mehrwertsteuer. Und genau mit dieser Steuer wird jeder Deutsche an den Zinsen beteiligt. Auch wenn Sie sonst keine Steuern bezahlen, um die Mehrwertsteuer kommt niemand herum. Sie müssen im Jahr für knapp 3.200 Euro Dinge konsumieren und schon haben Sie ihren Zinsbeitrag geleistet. Denn diese Steuereinnahmen gehen nicht an die Gemeinschaft zurück, werden nicht für soziale Projekte oder für Hilfebedürftige ausgegeben. Dieses Geld fliest zuerst an die Gläubiger und dies Jahr für Jahr. Dieser Posten verschlingt in 2010 über 17 Prozent der gesamten Einnahmen des Staates.

Die Zinstilgung ist damit genauso hoch wie die Ausgaben für folgende Ministerien: Bundesministerium der Justiz, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt, Auswärtiges Amt, Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Bundesministerium des Inneren, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es gibt nur noch fünf weitere Ministerien, von denen allerdings vier ebenfalls unterhalb der Zinsausgaben liegen.

Festgeldanlage mit über 4 Prozent Zinsen

Im letzten Abschnitt möchte ich mich der prozentualen Verzinsung zuwenden. Wie kommt man auf über vier Prozent Zinsen? Dazu ist es wichtig zwischen der Bundesschuld und der Schuldenuhr zu unterscheiden. Die Schuldenuhr zeigt die Verschuldung von Bund und Ländern. Sie wirft somit zwei Schuldenposten in einen Topf. Da jedes Land, jede Stadt und Gemeinde aber unterschiedlich verschuldet ist, kann man hier nicht von einer übergreifenden Schuld sprechen. Sie lesen richtig, sollten Sie also in einer hochverschuldeten Gemeinde oder einem stark verschuldetem Bundesland leben, kommen zu den 509,27 Euro noch ein paar Euros oben drauf. Die Schuld des Bundes, also von Deutschland und ihrer Bürger, beträgt derzeit 1.004,5 Milliarden Euro. 2010 sollen noch 86,1 Milliarden dazu kommen. Jetzt muss man die Schuld von 1.004,5 Milliarden Euro durch die Zinslast von 41,7 Milliarden Euro dividieren und schon erhält man den Zinssatz von 4,15131 Prozent. Dies ist doch kein schlechter Deal für eine festverzinslichte Geldanlage, oder?

Die Daten im Überblick
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<Einnahmen und Ausgaben>          <Grafische Verteilung der Ausgaben>
Zum Vergrößern auf das Bild oder die Beschriftung klicken

Quellen: Einwohnerzahl Deutschland – Statistisches Bundesamt, Bundeshaushalt 2010 Einnahmen – Bundesfinanzministerium, Bundeshaushalt 2010 Ausgaben – Bundesfinanzministerium, Bundesschuld 31.12.2008 – Statistisches Bundesamt, Netto-Neuverschuldung 2009 – Bundesfinanzministerium

Fragen und Antworten zum Bundeshaushalt

Woher kommen die Schulden von Deutschland?

Bei den Schulden von Deutschland verhält es sich genau wie mit den Schulden im privaten Bereich. Wenn die Ausgaben größer sind als die Einnahmen, muss diese Differenz mit einem Kredit ausgeglichen werden. Allerdings gilt in unserem Geldsystem auch, wenn sich bei Menschen Geldvermögen bilden muss es auch Parteien geben, bei denen im gleichem Umfang Schulden vorhanden sind. Der Staat kann einer dieser Parteien sein.

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  1. Die Reihenfolge gibt keine Priorität wider.

    Videos:
    Money as Debt
    Wie funktioniert unser Geld
    The Money Masters
    Crash Course
    Zeitgeist (Addendum)

    Texte:
    Lindbergh, Charles H. “Banking and Currency and the Money Trust”
    Brandeis, Louis D. “Other People’s Money”
    Brown, Ellen Hodgson “Web of Debt”
    Coughlin, Charles E. “Driving out the Money Changers”
    Federal Reserve Bank of Chicago “Modern Money Mechanics”
    Irving, Fisher “The Purchasing Power of Money”
    Grem, June “The Money Manipulators”
    Zarlenga, Stephen A. “The Lost Science of Money”
    Mises, Ludwig von “On the Manipulation of Money and Credit”
    Transcript zum Film “Money as Debt”
    Nuri, Vladimir Z. “Fractional Reserve Banking as Economic Parasitism”
    und noch vieles mehr. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, sollte einigermaßen gut Englisch können.

  2. Yaaa dasss Stimmt.. zu diesem Thema gibtes vieeeeeeeeeeel Info.. du kannst dich überall informieren.. das ist sehr gut :=) !!

  3. “Jetzt muss man die Schuld von 1.004,5 Milliarden Euro durch die Zinslast von 41,7 Milliarden Euro dividieren und schon erhält man den Zinssatz von 0,0415131 Prozent.”
    Wohl eher 41,7 Mia / 1.004,5 Milliarden = 4,15%

  4. Ich bin Freiberufler und zumindest so reich, dass ich einiges Geld für meine Rente gespart habe. Wenn ich aktuell dem Staat Geld leihe, dann bekommt ich 4% Zinsen, gebe davon 1/4 an Quellensteuer ab, und verliere noch einen Teil durch Inflation. Der Staat entschuldet sich auch über Inflation – auf meine Kosten.

  5. Sie sprechen es an. Der Glaube vieler Deutscher beruht immer noch auf dem System. Man glaubt, wenn man ein bisschen Geld spart und dieses zur Bank bringt, erhält man dafür Zinsen und kann langfristig die Inflation besiegen.

    Leider ist dies ein Trugschluss, denn die Inflation wird über andere Faktoren gesteuert. Ein Beitrag hierzu ist „Geldmengenwachstum oder was sie verdienen sollten“.

    http://www.ploync.de/geld/206-geldmengenwachstum-oder-was-sie-verdienen-sollten.html

    Nach den Statistiken der EZB ist die Geldmenge im Euroraum seit 2002 um 72 Prozent gestiegen. Dies ist ein Zuwachs von jährlich sieben Prozent oder im Jahresdurchschnitt von neun Prozent.

    Theoretisch müsste jeder Einwohner der EU in demselben Zeitraum auch sein Vermögen und sein Einkommen um 72 Prozent erhöht haben. Ich denke 99 Prozent der Bürger schafften dies nicht. Die Frage ist, wo ist das Geld? Und die nächste Frage welche man sich stellen sollte ist, was passiert wenn dieses Geld in den Markt fliest?

    Die jährlich gezahlte Bundesschuld ist nur ein Teil der Einnahmen der Superreichen. Selbst bei vier Prozent schaffen es diese Personen, ihr Vermögen zu mehren. Dies liegt daran, ihre Ausgaben betragen einen Bruchteil ihrer Zinseinnahmen. Problem ist nur, mit jedem weiteren gesparten Euro erhöht sich die Geldmenge und entzieht dem Markt weiter das Geld.

  6. Wenn ich als Gläubiger jemanden mein Geld leihe, dann erwarte ich, dass der Schuldner mir für mein Geld Zinsen zahlt. Sonst würde ich mein Geld irgendwo im Wald vergraben. Ich entziehe der Volkswirtschaft, durch die Verbudelung im Wald, mein Geld. Wenn weniger Geld im Umlauf ist, dann steigt der Preis des Geldes und das führt zur Deflation. Die Deflation hat Deutschland schon mal in die Ruin getrieben und zwar bei Hitlers Machtergreifung.
    Aber jetzt zurück zur Gegenwart.
    Auch als Kleinanleger bekommt man bei jeder Sparkasse das Angebot sein Geld in Bundesschatzbriefen anzulegen. Die Streichung der Zinstilgung im Bundeshaushalt wird nicht nur die Superreichen, sondern in erster Linie die Mittelschicht, treffen – die tragende Säule unserer Gesellschaft. Es fällt immer leichter unseres System anzuprangen, doch wenn man den Bundeshaushalt genauer betrachtet, dann stellt man fest, dass den größten Posten immer noch “Arbeit und Soziales” ausmacht. Das ist ein reiner Umverteilungsposten, der den Besserverdienenden das Geld wegnimmt um den Menschen mit einem niedrigen Einkommen beizustehen. Deutschland hat immer noch eine Sparquote von 10-11%. Das ist das, was jeder Deutscher im Durchschnitt spart und zwar auch als Anlage in Staatsanleihen. Wobei man bemerken muss, dass die Sparquote der “Superreichen” höher ausfällt als die der Mittelschicht. Liegt einfach daran, dass die “Superreichen” nicht das Geld ausgeben können, das die besitzen – außer sie heißen Abramowitsch.

  7. Ich möchte nicht schon wieder kritisieren sondern noch ein paar Denkanregungen geben, denn die Ansichten des mouse-potato sind leider immer noch im Volksmund vorhanden. Es ist zum Ersten nicht korrekt, zu behaupten, man ist Zinsgewinner nur weil man Zinsen bekommt. Zinsgewinner ist man nur dann, wenn man von den Zinsen leben kann. Ansonsten erwirtschaftet man immer einen Teil seiner eigenen Zinsen selber. Ich verlinke hierzu auch noch einmal ein Video von Bernd Senf, der dies in einem interessanten Vortrag erklärte.
    http://www.dailymotion.com/video/
    x7izu3_tiefere-ursachen-der-weltfinanzkris_news

    Downloaden kann man die Videos auch über die Seite von Bernd Senf
    http://www.berndsenf.de/MenuVortraegeSeminare.htm

    Zum Zweiten ist der Grund für Hitlers Machtergreifung nicht nur in der Deflation zu suchen. Die Gründe hierzu sind vielfältiger gewesen, als sie derzeit allgemein gelehrt werden.

    Zum Schluss möchte ich noch etwas zum Kostenposten „Arbeit und Soziales“ sagen. Auf die Empfänger von Sozialtransferleistungen wird immer geschimpft, da sie Geldleistungen erhalten, ohne dafür etwas zu erbringen. Der Posten der Bundesschuld, könnte aber genauso in den Posten „Soziales“ einfliesen. Auch über diesen Posten erhalten Menschen Transferleistungen ohne dafür arbeiten zu müssen. Bei beiden Positionen ist der Steuerzahler derjenige der zahlt.

    Wenn ich aber darüber entscheiden müsste, welcher Posten sinnvoller ist, würde ich mich für den sozialen Bereich entscheiden. Dabei habe ich immer die Aussage eines Bekannten aus einem Land in Lateinamerika im Kopf, dessen Eltern über genügend Geld verfügen. Leider ist die Regierung in diesem Land dermaßen korrupt, dass keine Steuerzahlung die sozial Schwachen erreicht. Deswegen müssen die Reichen zusätzlich jede Menge Geld für hohe Zäune und Sicherheitspersonal aufwenden. Der Bekannte erwähnte damals, er wäre froh darüber wenn es in seinem Land ein solches soziales Netzwerk wie in Deutschland geben würde. Dann könnte er sich auch abends auf die Straße getrauen.

  8. Mit Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen und kann mir nicht helfen – ich habe das Gefühl, dass hier ein Sachverhalt (hohe Zinslast der Bundesrepublik) deutlich verzerrt und vor allem ohne jede Ursachenforschung dargestellt wird. Woher kommt denn die hohe Zinslast? Sie resultiert aus Schulden, die der Staat über Jahre hinweg aufgebaut hat. Woher kommen die Schulden? Na ja, hierfür lassen sich viele Gründe anführen, aber ich denke es ist legitim an dieser Stelle auf die Ausgabenstruktur des Bundes zu verweisen. Und hier sind, wie richtig bemerkt wurde, die Posten Arbeit und Soziales mit Abstand die wichtigsten und teuersten im Repertoire! Das gilt ganz besonders für die Zahlungen des Bundes für die Rentensicherung, die sich allein bereits auf über 70 Milliarden Euro jährlich belaufen. Oder anders ausgedrückt: unser Sozialsystem ist maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass Deutschland in der Schuldenfalle sitzt. Wem dient denn nun dieses Sozialsystem? Den sogeannenten “Superreichen”? Ich glaube nicht, dass diese Gruppe zu den Hauptprofiteuren in diesem Bereich zählt. Geringverdiener, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner sind die Empfänger dieser Leistungen.
    Überhaupt ist die Annahme, jeder Gläubiger des Staates sei ein “Superreicher” so ziemlicher Blödsinn (genauso übrigens wie die Gegenüberstellung “Bürger”-”Reicher” aus dem Titel – Bürger sind wir schließlich alle, völlig unabhängig von unserem Vermögensstand). Schuldpapiere des Bundes sind für jeden handelbar und eine beliebte Anlage gerade für risikoaverse Anleger, die sich z.B. für die Rente absichern wollen. Reich wird mit solcherlei Anlagen so schnell niemand, dagegen wirkt schließlich die Inflation.

  9. Bürger sind wir alle. Die sozial Schwachen wie die Superreichen und der Rest in der Mitte. Nur warum wächst seit Jahren die Schicht der sozial Schwachen und parallel dazu die Geldmenge bei den Superreichen?

    Ich möchte dazu noch ein paar Denkanregungen geben, denn auch in meinen letzten Gesprächen, stellte ich immer wieder eins fest. Die grundlegenden Tatsachen sind vielen nicht bekannt.

    Woher kommt uns Geld? Geld kann durch die EZB in beliebiger Menge erschaffen werden. Zusätzlich wird heute eine nicht zu vernachlässigende Größe an Geld durch Zinsforderungen erschaffen. Die EZB ist dazu gezwungen auch diese Geldmenge in den Kreislauf zu pumpen, um einer Deflation entgegen zu wirken, sofern das Zinsgeld nicht in den Kreislauf fliest. Die eigentliche Frage die sich stellt. Wieso gibt es überhaupt noch Zinsen wenn wir als Menschen Geld in beliebiger Menge herstellen können?

    Können alle Staaten langfristig schuldenfrei sein? Die Geschichte der Menschheit beantwortet diese Frage seit über 5.000 Jahren eindeutig mit einem Nein. Sobald eine Region, eine Stadt oder ein Staat über genügend liquide Mittel verfügte, ging es den angrenzenden Regionen schlechter. Der Grund dafür war die Ausbeutung der Regionen, um den Wohlstand bei den eigenen Bürgern zu erhalten. Beispiele dafür sind der Aufstieg Roms durch die Ausplünderung von Europa, der Aufstieg Europas im 17.Jahrhundert aufgrund der Ausplünderung und Vernichtung der Völker von Amerika und der Aufstieg der USA durch Ausplünderung von Afrika und heute dem Rest der dritten Welt. Diese Liste können sie unendlich weiter fortsetzen. Wenn jemand wirtschaftlich und finanziell gewinnt, muss jemand anderes verlieren. Eine Win-Win Situation gibt es nur im geistigen und Wissens-Bereich. Wenn aber seit der Menschheitsgeschichte dieses System nicht funktioniert, wieso denken wir dann nicht einmal über eine Alternative nach?

    Die Voraussetzungen dafür haben unsere Vorfahren bereits vor 80 Jahren geschaffen. Sie haben die Goldpreisbindung aufgehoben und damit unbegrenzt liquide Mittel erschaffen. Natürlich aus einer Notsituation heraus. Dies war in Europa die Situation nach dem ersten Weltkrieg und in den USA, die erste große moderne Staatsverschuldung der 70er.

    Wenn man somit die Frage stellt, woher kommt unsere heutige Zinslast, verwischt man die Antworten. Die Frage müsste lauten. Warum musste sich Deutschland überhaupt verschulden und was wurde mit dem Geld angestellt? Ein paar Antworten dazu finden sie in der Abschwächung des Wachstums in den 70ern und dem damit verbunden Anstieg der sozial schwachen Bevölkerung.

    Zum Schluss noch eine weitere Frage. Seit 40 Jahren wird den Altbundesbürgern versprochen, wenn wir Wachstum generieren, schaffen wir Arbeitsplätze. Dieselben Parolen hören seit 20 Jahren auch die neuen Bundesländer. Ich denke keiner streitet ab, dass die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren nicht gewachsen wäre. Doch wo sind die dazugehörigen Arbeitsplätze?

  10. Ihr allgemeiner Tenor ist schon klar, aber …. das bleibt er auch: allgemein und unpräzise. Es stellt sich die Frage, wie Sie sich bei so viel allgemeiner Ablehnung ein Finanzsystem vorstellen. Vielleicht wäre der Verzicht auf Kreditgeschäfte ja ein sinnvoller Schritt. Geld als Tauschobjekt könnte natürlich auch durch Naturalientausch ersetzt werden. Ich darf erinnern, dass einige Kulturen wagenradgrosse Steine als Währung verwendet haben, die aber sicherlich auch einer gewissen Inflation unterlegen haben.
    Ein genereller Verzicht auf Geld und damit Eigentum ist natürlich auch denkbar (im Sinne des volkseigenen Besitzes, z.B.)

    Es stellt sich nur die Frage, ob man so nur ein alternatives ( und nicht unbedingt besseres) Regelsystem schafft.

    Mit freundlichen Grüßen.

  11. In den Diskussionen, die ich zu dem Thema führe, stelle ich immer wieder eins fest. Man weicht ständig ins Extreme ab. Der Ansatz mit dem wagenradgroßen Steinen, scheint dies zu bestätigen. Doch wird dadurch das Kernproblem nicht Angriff genommen.

    Die Vorstellung Geld wäre gleich Eigentum, ist bereits die erste große Meinungsverschiedenheit. Hier differenzieren die Sichtweisen bereits auseinander. Denn wenn Geld Eigentum wäre, wieso kann es sich dann scheinbar selbständig vermehren, ohne eigenes Zutun? Mir fällt kein anderes Eigentum ein, welches diese Eigenschaften besitzt.

    Wir leben nun mal aber in einem geschlossenen System, wodurch jedes Wachstum begrenzt ist. Nur beim Geld scheint dies nicht zu stimmen. Die Sichtweise der Meisten ist, ich habe zu Wenig. Ein kleiner anderer Teil weiß dagegen nicht, was er mit dem ganzen Vermögen anfangen soll. Würde dies auf Nahrungsmittel zutreffen, hätten wir eine Revolution, wie die Geschichte mehrfach zeigte. Sobald große Umverteilungsprobleme auftreten, wird die Basis für Extremismus und Klassenkampf geschaffen.

    Geld ist immer noch ein von Menschenhand geschaffenes Utensil. Es wird zum Überleben nicht benötigt und sollte meiner Meinung nach, in der zweiten Reihe der Rangordnung der wichtigen Dinge stehen. Es ist dagegen eine schöne Erfindung, um den Warenaustausch zu vereinfachen und Kunst, Wissen und Kultur zu mehren. Doch derzeit wird es leider nur dazu eingesetzt, um die Vermögen der Vermögenden zu mehren. Wem dies gefällt, dem lasse ich gerne seine Meinung.

  12. Dies wollten auch schon Andere vor Ihnen wisse. Bei einer Anfrage bei diversen Banken, erhielt man nur die Auskunft, dies fällt unter das Bankgeheimnis.

    Vielleicht hilft uns hier in Zukunft die Transparenz, die durch das Internet angestrebt wird. Ich kann mir nämlich nur schwer vorstellen, wenn die Bevölkerung weiß, wer die Gläubiger der BRD sind und über welche Vermögen die Gläubiger bereits verfügen, dass man dann immer noch so freiwillig dazu bereit sein wird, die Zinsforderungen zu begleichen.

  13. Wer bekommt das Geld, das die EZB druckt. Im Grunde ist das ein legaler Diebstahl an allen, deren Euro dadurch weniger wert wird.

  14. Nicht unbedingt. Wenn die Wirtschaft wachsen möchte, ist eine Geldausweitung sehr nützlich. Problematisch wird es nur, wenn die Wirtschaft wachsen möchte, das gedruckte Geld aber für Zinsforderungen an der Wirtschaft vorbei auf die vorhandenen Geldvermögen transferiert wird.

    Die EZB verliert derzeit die Kontrolle über unser Geldsystem. Der Grund dafür sind die vorhandenen Geldvermögen, die immer schneller aufgrund von Zinsforderungen anwachsen. Dieses Problem gab es bereits mehrfach in der Geschichte der Menschheit und endete immer im Chaos.

    Ein Lösungsansatz wäre die Stärkung der EZB, indem benötigte Gelder ohne Bankenvermittlung an die Staaten ausgegeben würden. Über die notwendigen Regeln müsste man debattieren, damit keine Geldschwemme erfolgt. Einige fordern aus diesem Grund bereits eine vierte Gewalt im Staat, die monetäre Gewalt, hinter der sich eine unabhängige Zentralbank verbirgt, die alleine der Gemeinschaft verpflichtet ist.

  15. Wird auf jeden Fall Zeit umzudenken, mich nerven aber diese ganzen dämlichen Verblödungstheorien. Wir haben schlechte Regeln, die die Reichen immer reicher machen und die Armen immer ärmer. Man kann den Reichen natürlich vorwerfen dass sie bewusst davon profitieren, im Endeffekt ist aber das globale Wirtschaftssystem schuld. Warum brauchen die Leute immer einen konkreten, greifbaren Feind? Die Zusammenhänge sind doch auch abstrakt sehr gut verständlich.

  16. Woher kommen die Schulden? Ich hab gelesen (ich glaube bei Helmut Creutz), dass die Neuverschuldung der BRD seit 1970 ziemlich genau mit den Zinszahlungen der BRD seit 1970 übereinstimmt.

    1. Stimmt nicht ganz. Helmut Creutz hat Anfang der 90ziger noch vorausgesagt, dass die Zinsen weiter steigen werden. Ist aber nicht eingetreten. Stattdessen sind sie in Deutschland gesunken.
      Die Neuverschuldung ist trotzdem weiter angestiegen. Niedrige Zinsen sorgen nur dafür, dass die Neuverschuldung langsamer ansteigen kann.



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