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Der Schatz von Wörgl – Die Entstehungsgeschichte
Geschrieben von: Ronny Siegel   
Samstag, den 06. März 2010 um 08:01 Uhr
woergl_peter_miniEs ist kalt in Dresden an diesem Tag im Februar. Vor wenigen Sekunden betrat ich das Cafe, in dem ich mich mit Peter Zimmermann treffen würde. Ein guter Bekannter winkt mir aus einer Ecke des Cafes zu und begrüßt mich. Er ist Finanzberater und durch Zufall am selben Ort. Ich fragte mich, ob dies für das bevorstehende Gespräch ein gutes oder schlechtes Omen ist. Ein kuren Augenblick später betritt ein Mann im mittleren Alter das Cafe. Instinktiv weiß ich, dies ist Peter Zimmermann. Ohne ein Zucken in den Mundwinkeln begrüßt er mich. Kein Wunder, denn das Thema mit dem er sich beschäftigt ist bitterer Ernst. Peter Zimmermann ist der Kopf hinter dem Comic „Der Schatz von Wörgl“ und außerdem der Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen der Humanwirtschaftspartei.

Als ich vor knapp einem Jahr den Comic in meinen Händen hielt, musste ich an vielen Stellen über die mir irgendwie bekannten Zeichnungen schmunzeln. Im Gespräch mit Peter Zimmermann erfuhr ich, warum der Stil mir so bekannt vorkam. Bewusst wählte er als Vorlage die alten Mosaikhefte, die in der DDR nahezu die einzigsten Comics waren, die es in größerer Stückzahl gab. Doch eigentlich interessierte mich mehr, wie man auf die Idee kam einen Comic über Wörgl herauszugeben. Das Thema rund um dieses Freigeldexperiment ist erst in den letzten Jahren wieder in das Bewusstsein der Menschen gelangt. Besonders die Menschen, welche sich mit unserem Geldsystem beschäftigen, erwähnen immer wieder die Geschichte von Wörgl und berichten von der sich verbesserten Wirtschaftslage in einem kleinen Ort in Österreich, in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Es muss 2003 gewesen sein, als Peter das erste Mal mit dem Gedankengut eines anderen Geldsystems in Berührung kam. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er, „Irgendetwas läuft nicht, wie es laufen sollte.“ Mit der Zeit las er sich immer tiefer in die Materie unseres Geldsystems ein. Drei Jahre später besuchte er den Ort, an dem ein Experiment stattfand, welches als Grundlage die Ideen von Silvio Gesell umsetzte. Der Name des Ortes wurde weltbekannt und erst ein Verbot der Regierung stoppte das Experiment. Allmählich geriet die Geschichte von Wörgl erneut in Vergessenheit. Peter erzählte mir, wie enttäuscht er war, als er 2006 in dem Ort ankam. Kaum ein Hinweis zeugte von der einmaligen Geschichte. Im Ort gab es nur eine Person, Veronika Spielbichler, die sich aktiv mit Michael Unterguggenberger und seinem Freigeldexperiment beschäftigte. Ansonsten waren die einzigen Hinweise ein schnell kopierter Zettel aus dem Touristenbüro und eine ein mal zwei Meter schmale Vitrine mit einer Handvoll Informationen zu diesem Thema. Peter war fassungslos und irgendwie keimte in ihm wahrscheinlich schon damals die Idee auf, diesen Zustand ändern zu wollen. Es sollte noch ein paar Monate dauern, als er entschied, ein Comic wäre das richtige Medium, um die Geschichte von Wörgl und die Idee des Freigelds zu verbreiten.

Mit dem aus Hannover stammenden Zeichner Andreas Wehrheim und dem Dresdner Szenaristen Marian Meinhard-Schönfeld, begann er mit den Arbeiten an dem Comic. Das Ziel war einen Comic zu erschaffen, in den auf wenigen Seiten die Geschichte von Wörgl wiedergegeben wird. Während der Zeichner und der Szenarist sich mit der Umsetzung der Geschichte beschäftigten, versuchte Peter weitere Sponsoren für das Heft zu gewinnen, Sein ursprüngliches Ziel bestand darin, alle Freigeldorganisationen in dem Heft kurz vorzustellen, um somit den Leser einen Überblick zu verschaffen. Das Ziel erreichte er nicht und laut seiner Aussage ist dies auch ein Grund dafür, warum sich bisher nichts maßgeblich verändern konnte. Die Organisationen, Vereinigungen und Interessengemeinschaften sind zu eigensinnig, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. Irgendwann im Frühjahr 2009 war das Heft dann endlich vollendet und Peter verteilte ein Teil der Exemplare kostenfrei an wichtige Politiker und Endscheider. Er hätte sich mehr Feedback gewünscht, doch bis auf den ehemaligen Zentralbanker Professor Bernard Lietaer meldete sich kaum einer der im Fokus stehenden Persönlichkeiten. Umso mehr Resonanz erhielt er dagegen von den Bürgern. Viele verstanden durch den Comic sofort, um was es sich beim Freigeld handelt. Letztendlich erreichte Peter damit sein eigentliches Ziel.

Nachdem Peter seine Erzählungen zu der Entstehung des Hefts „Der Schatz von Wörgl“ beendete, fachsimpelten wir anschließenden noch etwas zum Thema Geldsystem. Schon in diesem Gespräch bekam ich mit, wie differenziert die Informationen sind. Zwar existiert die einheitliche Meinung, das heutige Geldsystem funktioniert in dieser Form nicht, trotzdem gingen unsere Lösungsansätze schon in komplett verschiedene Richtungen. Ich bin der Meinung, über die Vor- und Nachteile zu debattieren ist zwar schön, bewirkt aber gar nichts. Letztendlich kann man nur herausfinden ob etwas funktioniert, wenn man es auch ausprobiert. Ich glaube in dieser Ansicht waren Peter und ich uns einig. Zum Schluss berichtete Peter mir noch etwas von seiner derzeitigen freiwilligen Tätigkeit bei der Humanwirtschaftspartei, mit welchen Problemen man bei der letzten Wahl kämpfte und wie man sich letztendlich darüber freute, doch ein paar Wähler von dem Konzept zu überzeugen. Eine schier unzählige Anzahl an Informationen, drückte er mir zusätzlich in die Hand und letztendlich verabschiedeten wir uns und ich wusste, die nächsten Tage müsste ich erst einmal das Gespräch für mich ordnen und über die neuen Ideen sinnieren.

Links: www.humanwirtschaftspartei.de, www.unterguggenberger.org



 
Kommentare (6)
  • avatarZinsteufel  - Freiwirtschaft

    Wie weit bist du mit dem Sinnieren?
    Freigeld ist imA ein wirklich phantastisches Thema.
    Gesell wurde von Keynes als Prophet bezeichnet und ich muss ehrlich zugeben. Diese Art des Geldsystems würde zumindest bei der Frage, ob wir Diener des Geldes sind, nicht mehr zu einer ganz so eindeutigen Antwort ja führen.

    Btw. das Buch "Das große Spiel" von Claude Cueni beschäfftigt sich mit John Law, einem Mitpionier bei der Entwicklung des Papiergeldes. Es zeigt sehr eindrucksvoll, warum sich Systeme so schwer ändern lassen.
    Selbst in den schlimmsten Krisen gibt es noch genug Gewinner. Ein Punkt, warum man heute die Finanzindustrie kaum an die Leine bekommt.

  • avatarRonny  - Ich glaube dies wird nie enden ;)

    Natürlich sind in den letzten Monaten ein paar Artikel zum Thema Geld dazu gekommen. Die Erkenntnisse wachsen aber immer weiter und dies ist auch gut so. Wenn man sich die letzten hundert Jahre des Geldsystems betrachtet, gab es einen großen Quantensprung. Und dies war die Loslösung vom Edelmetall. Dieser Schritt wurde sowohl in Europa und auch in Amerika aus der Not heraus beschlossen. Jetzt existiert eine weitere Not, die durch das Geldsystem verursacht wurde. Nur weiß keiner was jetzt korrigiert werden soll. Es sind einfach spannende Zeiten.

  • avatarOle  - Ich sehe das etwas anders als Ronny

    Ich halte die Abschaffung eines Metallstandards nicht für einen Paradigmenwechsel. Der Standard selbst ist ja schon ausgehöhlt worden seitdem Edelmetalle sicher eingelagert und dafür Schuldscheine (Geld) an den Edelmetalleigentümer ausgegeben wurden.

    Nur haben damals schon die Einlagernden mehr Schuldscheine ausgegeben als Edelmetall eingelagert war.

    Was wir heute tun, ist diesen Weg konsequent fortzusetzen. Wir haben den Metallstandard abgeschafft und die Mindestreserve von Banken auf 2 % der Einlagen beschränkt.

    Das bedeutet:

    Banken können ihre Bilanz fast nach Belieben verlängern. D.h.: Zahle ich 1 € ein, machen die daraus € 48. Diese € 48 schaffen Sie risikolos aus dem nichts, verleihen es und kassieren dafür Zinsen und Gebühren.

    Die dadurch entstehende Not betrifft ganze Gesellschaftssysteme. Der Zinseszins bricht Ihnen irgendwann das Genick. Die 2% - Mindestreserve nach dem Basel II - Abkommen führt zu Fehlallokationen auf den Geldmärkten.

    Nicht auszudenken, wenn ein paar Leute Gerüchte der nächsten Krise in den Standardmedien streuen könnten, um dann Bankenflashmobs über soziale Netzwerke zu initiieren...

    Ich hab's bei meiner Bank mal im Kleinen versucht. Die werden nervös, wenn man die anderen Kunden über die Mindestreserve von 2% aufklärt und dazu aufruft 3 % des Vermögens abzuheben.

    Währung heißt Währung, weil sie währt.

    Sie soll Arbeitsleistung konservieren. Das tut Geld nicht in ausreichendem Maße.

    Wir brauchen daher m.E. eine sinnvolle Verrechnungseinheit, die nicht Edelmetall sein muss und "Bilanzierungsgrundsätze" im Geldsystem, welche eine exzessive Geldmengenerhöhung unterbinden.

    Dies fördert nicht unbedingt Wirtschaftswachstum sorgt allerdings für Effizienzerhöhung bei der Nutzung zur Verfügung stehender Ressourcen. Das macht die Welt, die Gesellschaft und die Wirtschaft nachhaltiger und humaner.

    Wir brauchen des Weiteren in den Schulen ab der 10. Klasse eine Aufklärung darüber was Geld eigentlich ist und welche Theorien dazu existieren. Auch solch abstrakte Themen sind derart darstellbar, dass Jugendliche sie verstehen.

    Vielen Dank!

  • avatarRonny  - Hallo Ole,

    danke für deine ausführlichen Ausführungen.

    In der Zwischenzeit sind auch bei mir ein paar neue Erkenntnisse hinzugekommen und die grundlegenden Probleme hast auch du bereits in deinem Kommentar angesprochen.

    Jedoch bin ich mir nicht mehr so sicher, dass die Ausweitung der Geldmenge durch die Banken ein wirkliches (mal von der EZB abgesehen) Problem darstellen könnte. Zumal sich viele über diesen Punkt uneinig sind, ob dies überhaupt möglich ist. Ich persönlich glaube auch an diese Vorgehensweise.

    Dass eigentliche Problem sind jedoch die Zinsen und die Zinseszinsen, denn diese sorgen direkt für die Umverteilung von arm nach reich und zudem für eine Ausweitung der Geldmenge, damit die Wirtschaft nicht zusammen bricht, wenn wieder einmal große Summen gehortet werden. Über diesen Punkt herrscht auch Einigkeit und ich glaube, sofern diese Kernprobleme der Zinsen und Hortung von Geld überwunden sind, werden sich auch ein Großteil der anderen Probleme auf einmal in Luft auflösen.

  • avatarNorbert  - Korrektur

    Ich empfehle: Geldmonopol aufheben.
    Ergebnis: Wettbewerb der Währungen. Unterschiedlich konfigurierte und eingesetzte Währungen werden ausprobiert, die besseren überleben und gewinnen. Wettbewerb führt darüber hinaus meist zu sinkenden Kapitalrenditen, was im Fall der Währungen bedeutet: Sinkende Zinssätze.
    Deshalb: Regiogeld machen!

  • avatarFreiwirt  - Comic bei youtube

    Kurzer Nachtrag - das Comic hat jetzt ne Seite auf youtube:
    http://www.youtube.com/user/MrUnterguggenberger

    Beste Grüße!

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    Den Aufstieg fand ich sehr schön. Ich habe mit ...
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    Hallo Ronny,

    das ist wirklich eine sehr schöne...