| Filmtipp: John Hurt in „1984“ & Helge Schneider in „Jazzclub“ |
| Geschrieben von: Jens Färber |
| Montag, den 26. Juli 2010 um 06:02 Uhr |
Sehe ich die Anfangsszene von 1984, muss ich immer wieder an eine Episode auf einer „Sex and the City“ Party vor wenigen Jahren denken. Völlig im Regen stehengelassene Männer, irrten über eine praktisch frauenfreie Feierzone. Warum das so war? Wie in 1984, saß die Damenwelt der Veranstaltung paralysiert vor einem großen Bildschirm.Auf denen ihnen eine gewisse Carry die Schuhmode des nächsten Sommers erklärte und irgend etwas von einem „Mister Big Dick“ (oder so ähnlich) schwafelte. Big Brother und die komplette Gedankenkontrolle sind doch längst da. Er heißt nur anders und hat viele Gesichter. Er nennt sich Gucci, Loreal, D&G.... (für die Männer BMW, Porsche, Audi...). Die internationalen Großkonzerne übernehmen zu gerne die Rolle des großen Bruders. Füllen sinnentleert umherirrende Seelen, mit Ihren Heilsbotschaften aus der großen bunten Welt des Konsums. Wer zum Ausgleich etwas Kopffutter wünscht, dem seien die folgenden beiden Filme ans Herz gelegt. Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm (Deutschland 2004) Ploync Stars: Im ersten Absatz meiner Filmvorstellungen, beschreibe ich in der Regel immer ein wenig die Handlung eines Filmes. Heute haben wir es jedoch mit Helge Schneider zu tun. Die Story grob zu umreisen, könnte bei einem Helge Schneider Film eine falsche Erwartungshaltung aufbauen. Die Handlung ist in seinen Filmen lediglich das Gerüst für seine Performance. Zum Verständnis sei trotzdem erwähnt, Helge Schneider spielt in „Jazzclub“ den leidenschaftlichen Jazzer Teddy Schu. Der große Erfolg hat sich noch nicht eingestellt, doch Teddy und seine Mannen geben die Hoffnung nicht auf. Seine Brötchen verdient Teddy sich mit dem Verkauf von Fisch aus einem mobilen Verkaufsstand. Da das für den Lebensunterhalt nicht genügt, arbeitet Teddy nebenher noch als Callboy, Vorleser und Zeitungsausträger. Helge Schneider sagte, Jazzclub wäre sein bisher persönlichster Film, der starken Bezug auf sein eigenes Leben vor seinem großen Durchbruch nimmt. Der Film ist eine Abfolge von absurden und skurrilen Szenen. Helge Schneider ist sich für keinen Blödsinn zu schade. Dabei nimmt er ganz gezielt eine ganze Menge Dinge mit seiner ihm eigenen, jede Konvention sprengenden Art einen Film zu inszenieren, aufs Korn. Seien es menschliche Schrullen, Spießigkeit oder auch gesellschaftliche Probleme. Wer sich auf Jazzclub einlässt, kann darüber entweder herzlichst lachen, oder er wird den Film hassen. Mehrmaliges Ansehen und sich auf die Besonderheiten des Helge Schneider Kino einzustimmen, ist durchaus angeraten. 1984 (Großbritannien 1984) Ploync Stars: Winston Smith arbeitet in einem kafkaesken staatlichen Büro. Seine Aufgabe ist die permanente Geschichtsklitterung. Je nach aktueller behördlicher Vorgabe, schreibt er die Vergangenheit um und vernichtet historische Dokumente. Um gleich hinterher die passenden neuen „Beweise“ zu erstellen. Die Welt in der er lebt, ist ein verfallenes Armenhaus, das sich im permanenten Kriegszustand mit ständig wechselnden Gegnern befindet. Den Grund dafür kennt keiner. Das Leben wird komplett von einem übermächtigen Staat bestimmt, der seinen Bürgern auch das letzte bisschen an Persönlichkeit austreiben möchte. Permanente Videoüberwachung, auch in der eigenen Wohnung, zerstört jede Aufmüpfigkeit im Keim. Sogar die Sprache wird neu erfunden. „Neusprech“ soll verhindern, dass destruktive staatsfeindliche Gedanken überhaupt erst aufkommen können. Denn dem Bürger fehlen schlicht die Worte für diese Gedanken. Als Winston Zweifel am System kommen und er sich auf eine (staatlich verbotene) Liebschaft einlässt, bekommt er die volle Härte des System zu spüren. Sicher ist es fast unnötig zu erwähnen, dass es sich bei „1984“ um eine Verfilmung des berühmten George Orwell Klassikers handelt. Dystopien, also Visionen von einer düsteren Zukunft, mögen immer etwas übertrieben wirken. Auch wenn das Prophezeite, zum Glück, so nicht eingetreten ist, bietet der Film reichlich Stoff für spannende Debatten. Wie weit haben wir uns dieser Welt heute schon angenähert? Es muss in einem Land nicht aussehen wie in „1984“, um die angeprangerten fürchterlichen Zustände völliger Unfreiheit vorzufinden. Die verschiedenen Ausprägungen von Bervormundung und Gleichschaltung können sich mannigfaltig manifestieren. 1984 ist sicher kein klassischer Unterhaltungsfilm. Es ist ein nachdenkliches Werk, das intensiv gefilmt ist und uns in eine bedrückend faszinierende Welt teleportiert.
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