| Ein spannendes Stück Geschichte: San Franciscos Schwule gehen in „Milk“ auf die Barrikaden |
| Geschrieben von: Jens |
| Dienstag, den 01. Juni 2010 um 17:10 Uhr |
Gut. Das auf einer einsamen Farm im mittleren Westen der USA ein Schwuler nicht der liebste Gast ist, dass dürfte jedem klar sein. Doch wer hätte das gedacht: In der Stadt der Hippies und der freien Liebe, werden bis in die 1970er hinein Homosexuelle von der Polizei drangsaliert, gegängelt und verprügelt. Mit regelrechten Rollkommandos machen sich die Cops über schwule Treffpunkte her. Ein Mann stellt sich dagegen. Entfacht eine soziale Revolution, die das ganze Land veränder: Harvey Milk (Sean Penn).Eine flüchtige Bekanntschaft, erzählte mir gestern von einer unangemessen überzogenen Geldstrafe und Provokationen gegen einen homosexuellen Freund. Durch die sächsische Polizei. Der Betroffene wagte nicht sich zu wehren. Aus Scham. Sie berichtete mir auch von der durch die Stadt Dresden betriebenen konservativen Politik in diesem Bereich. Die Geschichten erstaunten und erschraken mich. Auch wenn ich ihren Wahrheitsgehalt nicht prüfen kann, so war ich überrascht, wie nahe man den in „Milk“ beschriebenen Zuständen doch in seinem eigenen Umfeld ist. Man diese Dinge nur einfach nicht wahrnimmt, da sie oft im Verborgenen passieren. ![]() Sean Penn ist dafür bekannt, anspruchsvolle Themen zu bearbeiten. So auch in “Milk“. Hier verkörpert er den schwulen Bürgerrechtler und späteren Politiker Harvey Milk. Regisseur Gus Van Sant befasst sich mit einem spannenden Kapitel der amerikanischen Geschichte, dass mit Sicherheit, wieder einmal, den meisten Europäern so unbekannt sein dürfte. In den 1970er Jahren hatten, selbst im liberalen San Francisco, viele Schwule mit erheblichen Repressalien zu kämpfen. Davon und wie durch den mutigen Einsatz einiger Menschen vieles zum Bessern gewendet werden konnte, in Bay Area, im ganzen Land, vielleicht sogar auf der ganzen Erde, erzählt uns „Milk“. Harvey Milk ist New Yorker und feiert gerade seinen 40. Geburtstag. Er führt ein bürgerliches Leben als Angestellter einer Versicherung und verheimlicht seine Homosexualität. Animiert durch seinen neuen Freund Scott, verändert er etwas in seinem Leben, will die verlogene Existenz hinter sich lassen. Angekommen im gelobten Land San Francisco, erkennt er schnell, dass auch hier nicht alles Gold ist was glänzt. Zwar ist Frisco der liberalste und fortschrittlichste Ort im Lande, an dem sich viel Schwule zusammen finden, doch von völliger Gleichberechtigung ist noch lange nichts zu spüren.Der Moment sich und sein Leben zu verändern ist genau jetzt gekommen. Harvey Milk nimmt den Kampf auf und verändert San Francisco für immer. Dabei beweist er außergewöhnliche Zähigkeit, viel Mut und bricht alte gesellschaftliche Strukturen auf. „Milk“ ist nicht nur ein Film über Schwule. Es geht in ihm um jeden von uns. Um unsere Welt in der wir leben. Harvey Milk erzählt uns von der Hoffnung auf Veränderung, auf Verbesserung, die wir Alle als Menschen benötigen. Einen Traum zu haben, eine Vision, die uns nach vorne treibt in eine besser Zukunft. „Milk“ erzählt von der Liebe zur Freiheit. Von Zivilcourage. Von Ungerechtigkeit, Kleinbürgern und Spießern. Die es immer und überall gibt. Und gegen deren verbohrten Ansichten sich der freiheitlich denkende Teil der Menschheit, in einem permanenten Prozess zur Wehr setzen sollte. Wenn wir uns nicht eines Tages in einem großen Gefängnis, einer Diktatur wiederfinden wollen. Die schauspielerischen Leistungen aller Protagonisten sind sehr gut. Sean Penn's Leistung ist absolute Weltklasse! Ich muss das viel strapazierte Wort "atemberaubend" unbedingt benutzen. Immer wieder sind Originalaufnahmen aus zeitgenössischen Nachrichtensendungen und wundervolle Außenaufnahmen aus San Francisco eingeflechtet. Ein angenehm rührendes Maß an Phatos würzt die Story. Somit vermittelt der Streifen nicht nur kurzweilig ein faszinierendes und hochrelevantes Stück Geschichte, sondern ist auch ganz große Filmkunst. Originaltitel: Milk USA 2008 Spieldauer: 127 Minuten Darsteller: Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, James Franco, Diego Luna Regie: Gus Van Sant |
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