| Erstklassiges Kino im Schatten der Blockbuster - "Nothing Personal" |
| Geschrieben von: Jens |
| Samstag, den 15. Mai 2010 um 17:06 Uhr |
Auf der Straße stehen die letzten Überbleibsel ihrer Wohnung. Einige Passanten bedienen sich gehetzt aus dem bescheidenen Fundus. Ein letzter Blick auf das traute Domizil und dann nur weg von diesem Ort. Die junge Frau nimmt Abschied ohne Wiederkehr.Nach Irland zieht es sie (Lotte Verbeek). Das sie zu Fuß durchschreitet, nur mit einem Rucksack, einem Campingkocher und bescheidenen Vorräten. Möchte sie irgend etwas hinter sich lassen? Sie streift durch das Land ohne ein bestimmtes Ziel. Eine typisch irische Landschaft, geprägt von einsamer Weite, rauen Grasnarben, Felsen und Bergen in der Ferne. Ist der Ring den sie von ihrem Finger löste, ein Hinweis auf den Grund ihres Irrlichterns? An einem Rastplatz lehnt sie die Hilfe einer Familie brüsk ab, obwohl sie diese langsam nötig hätte. Sie läuft schon fast stoisch über die grüne Insel, als sie auf einen Mann (Stephen Rea) trifft. Er bietet ihr Essen gegen Arbeit. In seinem kleinen Garten auf einer abgelegenen Halbinsel. Sie wünscht keine Fragen zu Ihrer Person. Beide lassen sich auf das Arrangement ein. Nothing Personal hat meditativen Charakter. Das ist ein Film für ruhige und entspannte Momente. Gemeinsam mit Anne und Martin, die Namen erfahren wir erst sehr spät, denn auch sie zählten zu den Tabus über die man sich nicht unterhält, bewegen wir uns durch das schroffe Land. Bei wechselhaften, fast herbstlich rauen Wetter. Die Umwelt wirkt wie ein Abbild ihrer Seelen auf der Leinwand. Ob man dieses Irland als warmherzig und natürlich oder unwirtlich-kalt zur Kenntnis nimmt, liegt im Auge des Betrachters. Und so werden wir auch über die Tief in den Protagonisten verborgenen Wünsche und Sehnsüchte nicht wirklich abschließend aufgeklärt, obwohl sich nur wenige Filme so intensiv auf ihre Handelnden fokussieren.Deshalb wage ich es mir auch nicht, in diesen wundervollen Streifen etwas hinein zu interpretieren, ihn zu kritisieren oder einen eindeutigen Sinn zu suchen. Die Absicht von Regisseur und Drehbuchautor zu erkennen. Zugegeben blieben mir einige Momente bis dato gänzlich verschlossen. Wieso wirft Martin den erjagten Hasen nach Anne, als sie erstmals seinen Namen ausspricht? Hat er doch selbst in ihren Unterlagen gewühlt. Was macht Anne am Ende des Films in der orientalischen Stadt? Ist sie eine Reisende die Orte und Menschen verbraucht? Das Werk bietet viele Auslegungsmöglichkeiten. Genau das macht diesen schweigsamen Film mit seinen wunderbaren Bildern und der meisterhaften schauspielerischen Leistung von Lotte Verbeek und Stephen Rea so spannend. Ich möchte weder in Anne noch in Martin einsame Menschen sehen, wie in einigen Kritiken geäußert. Die Szene im Pub spricht eine ganz andere Sprache. Vielleicht suchen sie auch einfach nur Ruhe in einer viel zu schnelllebig gewordenen Welt. Sind mit sich dabei vollig im reinen. Oder es geht in diesem Film um die bezaubernde Ästhetik der Schöpfung, in ihrer von der modernen Zivilisation losgelösten Schlichtheit. Ich meine, wir sollen hier auf eine Reise mitgenommen werden. Nach Irland, in die Herzen und Gedanken von Anne und Martin und in unsere eigenen Seelen. Was wir damit anfangen und darin sehen, bleibt uns selbst überlassen. Großartiges Kino ist es in jedem Fall! ![]() Originaltitel: Nothing Personal Irland / Niederlande 2009 Spieldauer: 85 Minuten Darsteller: Lotte Verbeek, Stephen Rea Regie: Urszula Antoniak |
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