| Grandioses Meisterwerk - „Coco Chanel & Igor Stravinsky“ |
| Geschrieben von: Jens |
| Freitag, den 21. Mai 2010 um 17:33 Uhr |
Es passiert selten, dass während eine Kinovorführung absolute Stille herrscht. Kein Zuschauer es wagt zu flüstern, sich zu bewegen. Sogar beim Abspann bleibt ein jeder bis zum Schließen des Vorhanges wie gebannt auf seinem Platz sitzen. Das Geschehen auf der Leinwand ist so fesselnd, dass jede Störung Frevel wäre, den man tunlichst vermeiden will. So geschehen bei „Coco & Igor“. Den ich im Dresdner „Programmkino Ost“ sah, in dem zugegeben ein cineastisch überdurchschnittlich interessiertes Publikum vorzufinden ist. Skandal am Théâtre des Champs-Élysées! Das Pariser Publikum mag viel gewohnt sein. Doch was zu viel ist, ist zuviel. Als Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) 1913 sein für die Zeit viel zu modernes Stück „Die Frühlingsweihe, Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Teilen“ aufführt, platzt den Parisern ganz gehörig der Kragen. Sogar die Polizei muss einmarschieren, um Ordnung in die von Tumulten erschütterte Aufführung zu bringen. Unter den Zuschauern ist auch eine junge Frau, die von Stravinskys progressiven Werk zutiefst berührt wird. Ihr Name: Coco Chanel. ![]() 1920. Stravinsky musste vor der kommunistischen Revolution flüchten. Völlig verarmt, fristet er zusammen mit seiner Familie ein tristes Dasein in einer kleinen Pariser Wohnung. Die zwischenzeitlich überaus erfolgreiche Coco (Anna Mouglalis), hat Stravinsky nicht vergessen. Sie lädt ihn, zusammen mit seiner Familie, in ihr schickes Anwesen in einem Pariser Vorort ein. Dort soll der geniale Komponist, in Ruhe und ungestört von wirtschaftlichen Sorgen, sein Werk fortsetzen. Es bleibt nicht bei einer rein freundschaftlichen Beziehung zwischen den beiden visionären Charakteren. ![]() Der Film begrüßt uns mit einer furiosen Aufführung an der Pariser Oper. Diese Musik musste polarisieren. Die ungewohnten Klänge stellen auch den Zuschauer sofort auf einen ganz besonderen Film ein. „Coco & Igor“ verführt von Beginn an mit einem Rausch aus Musik und Bildern. Er ist voll und ganz auf seine beiden Hauptprotagonisten zugeschnitten, welche eine hochgradig fesselnde, intensive Darstellung abliefern. Coco Chanel ist eine selbstbewusste und moderne Frau. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und hat sich ihren Erfolg hart erkämpft. Langfristige Bindungen geht sie nicht ein. Sie genießt ihr Leben und bringt ihre Firma, dass zukünftige globale Modeimperium, mit unerbittlicher Strenge gegenüber sich selbst und den Mitarbeitern nach vorn. Privat ist sie künstlerisch interessierter Feingeist und weltoffen. Das drückt sie mit ihrem atemberaubenden Schick aus. Mit ihrem Charme, ihre Eloquenz und Weltgewandtheit, weiß diese wunderschöne Frau die Männer und auch den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Von Selbstzweifeln geplagt und sich völlig bewusst darüber, mit seinen Werk das Publikum bis an die Grenzen des Erträglichen zu provozieren, wagt Stravinsky seine neueste Schöpfung in Paris uraufzuführen. Seine Musik geht ihm über alles, dafür riskiert der eher zurückhaltende Stravinsky viel. Sein Glück, den so wird Chanel auf ihn aufmerksam, mit welcher der nachdenkliche Künstler Jahre später eine Zeit wildester Leidenschaft und tiefster Emotion erleben darf. Hier haben sich zwei impulsive Künstlerherzen gefunden. Die Tiefe dieser Emotionen bleiben Stravinsky bei seiner Frau leider seit Jahren verwehrt. Sie duldet lange geduldig die Ausschweifungen ihres sonst so fürsorglich-familiären Mannes. Die Beziehungen, die Spannungen und Schwingungen zwischen den Charakteren werden mit solcher Klarheit und ästhetischer Präzision dargestellt, wie es schon lange im Kino nicht mehr zu sehen war. Höchstes Lob an Darsteller und Regisseur. Ein Genuss. ![]() Originaltitel: Coco & Igor Frankreich 2009 Spieldauer: 120 Minuten Darsteller: Mads Mikkelsen,Anna Mouglalis Regie: Jan Kounen |
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Hallo Jens,
diese Kommentar macht Lust auf Kino und ist super geschrieben.
Gruß
Christine