| Anarchie in Spanien: Land and Freedom |
| Geschrieben von: Jens |
| Samstag, den 01. Mai 2010 um 17:35 Uhr |
„No Pasaran! - Sie werden nicht durchkommen“. Mit der bekannten Kampfparole aus dem spanischen Bürgerkrieg, wirbt ein katalonischer Revolutionär für neue Mitstreiter in England. David Carr (Ian Hart) lässt sich vom Feuer der Revolution anstecken und beschließt, den Freiheitskampf des spanischen Volkes vor Ort zu unterstützen.Der Film erinnert sehr stark an das kürzlich bei Ploync vorgestellte „Mein Katalonien“ von George Orwell. Vermutlich hat Orwells Werk hier als unmittelbare Vorlage gedient, was der Film auch nicht zu bestreiten versucht.Die Enkelin des eben verstorbenen David findet in dessen Nachlass Unterlagen aus seiner Zeit im spanischen Bürgerkrieg. Über dem Studium dieser Papiere nimmt uns die junge Frau mit auf eine Reise in die Vergangenheit ihres Großvaters. Der Kommunist David begegnet noch während seiner Anreise nach Spanien den Kämpfern der revolutionär anarchistischen P.O.U.M.. Selbst ohne genaue Orientierung über die politischen Verhältnisse, schließt er sich der Truppe an. Sein Weg führt an die aragonische Front, wo er auch Blanca (Rosana Pastor) kennenlernt, mit der ihn später eine kurze Affäre verbindet. Er nimmt an den Kämpfen in Barcelona teil und erlebt auch den schlussendlichen Untergang der P.O.U.M. Und mit ihm die Chance auf echte revolutionäre Veränderungen. ![]() Wer sich das genaue Studium der Eingangs erwähnten Vorlage von George Orwell ersparen möchte und sich ein wenig Überblick über den spanischen Bürgerkrieg verschaffen will, kann dies trefflich mit „Land and Freedom“ tun. Zugegeben reißt der Film die komplexe politische Situation nur an, verdeutlicht jedoch über seine Bilder, wunderbar ergänzend zum Buch, die emotionale Seite des Konfliktes. Mir blieben besonders zwei Stellen haften: In einem eben von der P.O.U.M. eroberten Dorf debattieren die Einwohner über die weitere Vorgehensweise. Soll eine komplette Kollektivierung des Landes stattfinden, oder verteilt man das Land der Großgrundbesitzer lieber zu gleichen Teilen an die Einheimischen? Erster Neid und Missgunst ist hier unter den eben noch revolutionär Vereinten zu erkennen, der die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung einer gerechteren, hier anarchischen, Welt plastisch macht. Fürchtet der revolutionäre Teil der Einwohner eine Beibehaltung des alten kapitalistischen Geistes des Privateigentums mit all seinen Nachteilen, ängstigen sich Andere vor Ungerechtigkeiten, da sich nicht jeder gleich stark auf kollektiviertem Land engagieren wird. Beide Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. ![]() In Barcelona nimmt David an den Maikämpfen 1936 teil. Anders als George Orwell, verschlägt es ihn auf die Seite der Kommunisten. Als er in einem Straßengefecht sich einem Landsmann aus dem Vereinigten Königreich, der nach wie vor auf Seiten der P.O.U.M. kämpft, als Feind gegenüber sieht, wird die Absurdität der Situation überdeutlich. Beide Männer gingen als Freiwillige nach Spanien um die gute Sache zu unterstützen, nun feuern sie aufeinander und kennen selbst den Grund dafür nicht. Schauspielerische Leistung und filmische Umsetzung sind von solider Qualität. Ein spannendes und kompliziertes Stück Geschichte, leicht verdaulich in einem unterhaltsamen Film verpackt. Originaltitel: Land and Freedom Großbrittanien 1995 Spieldauer: 107 Minuten Regie: Ken Loach |
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