| Rache einer Teenagerin - Filmkritik „Hard Candy“ |
| Geschrieben von: Jens |
| Donnerstag, den 15. April 2010 um 17:22 Uhr |
Sie sind am chatten und scheinen sich schon einige Zeit zu kennen. Der 32-jährige Jeff Kohlver (Patrick Wilson) und die 14-jährige Hayley Stark (Ellen Page). Zweideutige Andeutungen gehören zu Ihrem Spiel und nun will man sich endlich auch persönlich kennen lernen. In einem Cafe findet das erste Treffen statt. Spontan entschließt man sich die Unterhaltung in Jeff's Haus fortzuführen. Doch was wollen die Beiden eigentlich voneinander?Jeff ist ein sehr attraktiver Mann und dazu erfolgreicher Modefotograf. Er hat ein Lieblingsmotiv: junge Frauen. Sein superschickes Anwesen spiegelt seinen Erfolg wieder. Die Damen dürften mit Sicherheit bei Ihm Schlange stehen. Man gewinnt wirklich den Eindruck, Jeff könnte es nur um ein nettes Gespräch mit einem Seelenverwandten gehen. Vielleicht auch ein Model für das nächste Shooting. Hayley sieht aus wie ein sportiver Teenager mit Bildungsaffinität. Sie ist weder dumbes Modepüppchen noch heruntergekommenes Ghettogirl. Trifft sie sich schlicht aus jugendlicher Neugier mit dem älteren Mann? Eine Schwingung liegt in der Luft. Kommt es zu unlauteren sexuellen Handlungen zwischen den Beiden, tut Jeff gar Hayley Gewalt an? Die beiden tänzeln umeinander herum, ohne das man einen Zweck in Ihrem Treffen erkennen kann, ein Absicht. Die Charaktere werden uns nicht vorgestellt, sondern prallen in schnellen Schnitten mit voller Wucht direkt aufeinander. Hayley erweist sich als deutlich reifer wie es ihr Alter vermuten lässt. Der Film lässt uns im ersten Akt völlig im Dunklem, was hier passieren wird. Wer von Beiden verfolgt einen Plan? Hayley hat offensichtlich schon einige Erfahrungen im mixen von Drinks, mit denen sie Jeff schließlich auch in „Reich der Träume“ schickt. Der arme Kerl findet sich gefesselt im eigenen Haus wieder. Was nun beginnt ist eine scheinbar völlig sinnfreie Folter von Hayley an Jeff. Doch ist sie es wirklich? Oder hat sich Jeff etwas zu Schulden kommen lassen. Das später gefundene Beweisstück bekommen wir nie zu sehen. Ist diese Hayley doch einfach nur völlig durchgeknallt? Vor allem der erste Teil des Films überrascht positiv und macht sehr neugierig auf die Charaktere und Ihre weiter Entwicklung. Mit der Gefangennahme von Jeff durch Hayley geht dieses Moment ein wenig verloren. Die Spannung baut sich jetzt über die Frage auf, welches Motiv hinter Hayleys Handlungen steckt und wie weit sie ihre brutale Folter treibt. Ellen Page spielt glaubhaft und dicht die rachlustige Teenagerin, die mit viel Hintergrundwissen und eiskalter Konsequenz Ihr Werk vollenden möchte. Was hinter Jeffs Fassade steckt bleibt lange Zeit unaufgeklärt und wird auch niemals völlig enthüllt. Hinter der Oberfläche des smarten und symphatischen Jungunternehmers, ist noch genug Platz für Mutmaßungen des Zuschauers, welche diabolische Energie er in sich trägt. Als Thriller bewegt sich das kammerspielartige „Hard Candy“ qualitativ im Mittelfeld des Genre. Das Spannende an dem Film ist das Spiel der Charaktere, über welche wir bis zum Schluss nur recht wenig erfahren. Die Thematisierung von Selbstjustiz, die hier durch ein minderjähriges Mädchen vollzogen wird, ist reizvoll und ungewohnt. Eine moralische Bewertung des Ganzen nimmt der Film nicht vor. Ob dies notwendig gewesen wäre, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Ich finde, dass gerade letztgenanntes Element Anlass zu interessanten Debatten nach dem Sehen des Streifens gibt. Originaltitel: Hard Candy Psychothriller – USA 2005 Darsteller: Ellen Page, Patrick Wilson Regie: David Slade |
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