| Kafka - Klassiker aus Prag der 20ziger |
| Geschrieben von: Jens |
| Montag, den 01. März 2010 um 20:40 Uhr |
Durch die nächtlichen Straßen einer altehrwürdigen Stadt huscht eine verängstigte Gestalt. Nur die vorüber fahrende Pferdekutsche gibt dem gehetzten Flüchtling eine kurze Verschnaufpause. Sich schon in Sicherheit wiegend, ergreift ihn plötzlich eine fürchterlich mutierte Gestalt. Haucht ihm sein Leben aus. Doch was für eine Wunde befindet sich am Kopf des grauselig entstellten Mannes. Ist er Opfer einer fürchterlichen Manipulation? Als ein brutal dreinschauender Herr zufrieden die erfolgreiche Arbeit seines hündisch gehorchenden Zöglings registriert, beginnt man Übles zu ahnen.
Als er das Fehlen eines Freundes bemerkt, beginnt er Nachforschungen zu betreiben. Dabei kommt er in Kontakt mit der damenhaften und selbstbewussten Gabriela (Theresa Russel). Es scheint, sie könnte ihm bei seinen Anliegen helfen. Augenscheinlich verbergen sie und ihre Freunde ein Geheimnis, das sie ihm nicht sofort mitzuteilen vermögen. Kurze Zeit später bekommt Kafka von Kommissar Grubach (Armin Müller-Stahl) die Leiche seines Freundes präsentiert. An der ehrlichen Aufklärung des Falls hat Grubach erkennbar kein Interesse. Im Laufe seiner weiteren Ermittlungen, trifft Kafka auf immer neue ungeklärte Todesfälle. Und irgendwie hängt alles mit dem nebulösen Schloss auf dem Hügel zusammen. Er muss dort hin. Fazit: Im Prag Kafkas finden wir uns in einer finsteren Diktatur wieder. Die Menschen sind verängstigt, doch nicht hoffnungslos. Funktionieren als unterwürfige Befehlsempfänger. Der Alkohol und das Kabarett sind die Ablenkungen des einfachen Mannes. Nachdenken ist nicht erwünscht. Genauso wenig wie Fragen. Eine Welt voller Unbehagen und Düsternis. Gefilmt in schwarz weiß. Kafkas Arbeitsplatz ist ein menschenverachtendes, fabrikhaftes Büro. Erschaffen und am Laufen gehalten von kleinen Speichelleckern und resignierten Chefs, deren Existenz ein einziger Kompromiss ist. Jeder denunziert jeden. Ob etwas sinnvoll ist oder nicht, steht nicht zur Debatte. Auf seinem Weg begegnen Ihm Mitspieler, die sich mit der Situation, wie Kafka selbst, nicht abfinden wollen. Passiven oder aktiven Widerstand leisten. Wie eine Drohung schwebt über der ganzen Szenerie das Prager Schloss am Hradschin. Was hinter dessen Mauern vorgeht, kann man nur erahnen. Hier scheint eine gnadenlose Bürokratie ohne Zweck und Humanismus zu walten, deren verschwörerische Machenschaften man sich in der bedrückenden Stimmung nur zu gut vorstellen kann. Jeremy Irons verkörpert den verängstigten und verwirrten Kafka intensiv und fesselnd. Er hat sich tief im Inneren seine Menschlichkeit und Ideale bewahrt, die er im aufgezwungenen Schauspiel, an seinem Arbeitsplatz und den Behörden gegenüber, doch täglich verraten muss. Immer wieder spürt man, wie er sich die elementaren Fragen nach Sinn und Zweck seiner Existenz in dieser grauen, kalten Welt stellt. Ob er sich anpassen soll oder seinen eigenen Weg geht. Kafka ist ein atmosphärisch dichter, anspruchsvoller Film mit einer hervorragenden Schauspielriege, die voll in Ihre Rollen hineinwächst. 98 anspruchsvolle und doch kurzweilige Filmminuten, in einer schrecklichen und entmenschlichten Stadt. Willkommen in der Welt des Franz Kafka. ![]() ![]() Originaltitel: Kafka Drama – Frankreich, USA 1991 Darsteller: Jeremy Irons, Theresa Russel, Armin Müller-Stahl, Joel Grey Regie: Steven Soderbergh |
| Zeitgeschehen |
| Reiseberichte |
| Klettersteige |
| Filmkritiken |
| Buchrezensionen |
| Geschichtsdokumente |
| Leckere Rezepte |
| Geldfalle |
| Neues aus dem Internet |
| Vermischtes |