| Filmkritik: O' Horten - Ein Film über pensionierte Eisenbahner |
| Geschrieben von: Jens |
| Donnerstag, den 28. Januar 2010 um 18:10 Uhr |
Odd Horten ist Lokomotivführer. Seit 40 Jahren. Odd liebt seine Pfeife. Gemütlich schmauchend, sitzt er entspannt im Führerstand seines Triebzuges. Fährt ihn durch die scheinbar unendliche norwegische Winterlandschaft. O’ Horten begrüßt uns mit so wundervollen Bildern, dass man augenblicklich denkt, bitte lass mich in diesem Zug bei einer Tasse Glühwein mitfahren. Hier sieht man einen ruhigen wortkargen Mann, der seine Berufung gefunden hat. Bei den Kollegen ist er beliebt und anerkannt. Doch seine eigentliche Liebe, das ist der Schienenstrang, die Lokomotiven. Odd Horten ist nicht mehr der Jüngste. Der unvermeidliche Zeitpunkt seiner Pensionierung ist gekommen. Seine Kollegen verabschieden Ihn deshalb auf eisenbahnertypische Art. Für den Zuschauer wirkt es befremdlich, wie man nach Feierabend „Zügeraten“ spielt. Auf einem alten Tonband hört man gemeinsam Geräusche vorüberfahrender Lokomotiven. Wer den zugehörigen Zug errät, hat gewonnen. Auf dem Weg zur letzten Party mit seinen Kollegen, findet er sich vor einem defekten Türschloss. Der Abend endet für Ihn in einer Kletterei am Baugerüst. Er landet im Zimmer eines kleinen Jungen, der nicht alleine einschlafen kann. Als auch Odd der Schlaf übermannt, verpasst er seinen letzten Zug vor der Pensionierung. Ein anderer Lokführer muss übernehmen. Spätestens hier beginnt Odd Hortens Weiterreise in sein neues Leben. Die für Odd so vertraute und geliebte Welt, ist mit der Pensionierung Geschichte. Der Tag den viele voller Sehnsucht herbeiwünschen, Odd Horten nimmt Ihn mit gemischten Gefühlen auf. Er ist fast allein, hat keine Frau, keine Verwandten und einige oberflächliche Bekannte. Auch der Besuch seiner Mutter bringt Ihn nicht weiter. Was soll er mit seinem Leben nun tun? Die vor seinem Fenster vorbeiziehenden Züge sind jetzt letzte Verbindung zum alten Leben. Schweigsam, staunend wie ein Kind das eine neue Welt entdeckt, geht er durch die Straßen der Stadt. Wird der Verkauf des Bootes etwas bewirken? Oder hilft eine neue Pfeife? Skurille Typen begegnen Ihm und er darf manch sonderliches beobachten. Selbst nicht wissend in welche Richtung die Reise geht, nimmt er all das mit Gleichmut und sanfter Neugier auf. Was wird der frisch pensionierte Odd Horten mit seinem, nur scheinbar sinnentleerten Leben, nun tun? Fazit: Will man sich auf diese Fahrt einlassen, sollte man Muße mitbringen. Der Film lebt nicht von der dynamischen Handlung oder der Weiterentwicklung seiner Charaktere. Alles verläuft in sehr ruhigen, besinnlichen Bahnen. Und genau darin liegt der Reiz. Er gewährt Einblick in ein stilles, langsames Leben, das wie von gestern scheint. Und in die dazugehörigen Seelen. Zeichnet schöne Bilder einer nur oberflächlich unwirtlich kalten Welt, die in Ihrem Inneren doch so viel Wärme birgt. ![]() Odd Horten wird auf Eisenbahnerart verabschiedet
Ist die Kneipe voll einsamer Männer sein neuer Lebensmittelpunkt?
Originaltitel: O’ Horten Regie: Bent Hamer Produktion: Norwegen 2007 Laufzeit: 92 Minuten Vergleichbare Filme: Schulze gets the Blues, About Schmidt |
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