| Charles Bukowski ist wirklich tot: „Manhattan Muffdiver“ von Carl Weissner |
| Geschrieben von: Jens |
| Dienstag, den 13. Juli 2010 um 05:09 Uhr |
Wenn ein Deutscher nach New York geht um einen Roman zu schreiben, sich dabei dann in seinen E-Mails die zwischen Realität und Fiktion pendeln verliert, könnte das interessant werden.Carl Weissner war nicht nur der Übersetzer von Charles Bukowski, sondern sogar persönlich mit ihm befreundet. In einem autobiographisch anmutenden Roman, beschreibt er nun einen mehrmonatigen Aufenthalt in New York. Statt ein Buch zu schreiben, schweifen seine Gedanken immer mehr ab und treiben wie losgelöst durch Big Apple. Sein Erleben hält unser Held in E-Mails fest, die er regelmäßig aus einem McDonalds an einen unbekannten Empfänger absetzt. Entstanden sind dabei kurze Gedankenfragmente wie auch längere Texte. Das Buch wird als Werk der „Undergroundliteratur“ gesehen. Was ist das eigentlich, dieser Underground? Eine geheimnissumwitterte Szene vermeintlich besser kultivierter Menschen, die sich in Ablehnung des Mainstream möglichst intellektuell verwurstelter Texte bedienen? Offensichtlich muss man über eine geballte Ladung Insiderwissen verfügen, um die gesammelten E-Mails nachvollziehen zu können. Beim ersten Lesen hat mich das nicht überzeugen können. Das mag daran liegen, das ich Carl Weissners Gedanken schlicht nicht verstehen kann. Nun liese sich eine Debatte anzetteln, ob etwas qualitativ hochwertiges sich dieses Siegel selbst aufdrücken kann, wenn die Gruppe der Rezipienten so ausgesprochen klein ist. Kurz, ich fand die Texte langweilig. Mag sein das sie mich zu einer anderen Zeit in einem anderen Seelenzustand besser erreichen können. Ich heute ihre Güte nicht in der Lage bin zu erkennen. Im Moment empfinde ich „Manhattan Muffdiver“ nur als einen Haufen wild dahin geschriebenes geistiges Blubbern, das krampfhaft versucht die Stimmung und Sprache des Charles Bukowski zu imitieren. Das Ende des Suicid Kid ![]() Etwas an diesem Werk fand ich dennoch sehr spannend. Carl Weissner nahm an der Beerdigung von Charles Bukowski teil. Es war vor exakt 12 Jahren, als ich in einer sehr beliebten American Bar in der Dresdner Neustadt, immer wieder einen alten Mann sah. Der eine frappierende Ähnlichkeit mit Charles Bukowski aufwies. Er sprach Englisch, das gleiche vernarbte Gesicht, das Alter, der Bart, der Habitus (zumindest wie ich ihn mir vorstellte), alles passte. Nur war der „Dirty Old Men“ zu diesem Zeitpunkt schon 4 Jahre tot. Den Vogel schoß ab, als ich diesen Mann eines Tages in einem Volkswagen Käfer, mit einer mindestens 40 Jahre jüngeren Frau durch Dresden fahren sah. Für all diese Beobachtung kann ich als Zeugen meine seinerzeitige Freundin anführen. Charles Bukowski Leser werden verstehen, dass ich kaum noch an einen Zufall glauben konnte. Nun bekomme ich also ein schriftliches Dokument, Bukowski ist tot. Sogar der gute Sean Penn nahm sympathischerweise an der Beerdigung teil. Ich muss nun annehmen das meine Hoffnung, dass Bukowskis Tot von ihm nur vorgetäuscht worden ist um in Ruhe weiter Bier trinken zu können, eine Wunschvorstellung von mir war. Obwohl, so richtig glaube ich es immer noch nicht... Ploync Stars:
![]() Bildquelle: Charles Bukowski auf flick.com hochgeladen von Marco Raaphorst |
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