Wir schreiben das Jahr 1404. Der Kirche ist immer noch bestrebt ihren Machtbereich in den Orient auszubreiten und schickt unzählige Menschen im Namen Gottes in die Vernichtung. Andere Fürsten unterstützen kleine Flotten bei der Erkundung der unzähligen weißen Flecke auf der Erde, immer in der Hoffnung ihren Machtbereich auszudehnen und ihren Reichtum zu mehren. An dieser Stelle steigt Anno 1404 in das Zeitgeschehen ein. Kurz bevor das Spiel erschien, nahm ich mir die Zeit und warf einen Blick auf den Vorgänger 1701. Da ich bisher keine Erfahrungen mit einem Spiel der Anno-Reihe besaß, half mir der Vorgänger die wichtigsten Unterschiede zu erkennen. Auf die für mich Relevantesten gehe ich später ein.
Schon im Vorfeld sorgte Anno 1404 für jede Menge Wirbel. Neben den lobenden Worten aus der Presse, gab es auch kritische Stimmen, welche den Kopierschutz und die Freischaltung des Spiels bemängelte. Laut den offiziellen Informationen kann man das Spiel maximal dreimal installieren bevor man sich an eine kostenpflichtige 0900-Nummer wenden muss, welche nur aus dem Festnetz zu erreichen ist und auch nur dann wenn 0900-Nummern nicht von vornherein durch den Telefonanbieter gesperrt sind. Neben dieser Nummer steht natürlich auch ein E-Mail Support an sieben Tagen in der Woche zur Verfügung. An dieser Stelle erkennt man sehr deutlich den Trend der Zeit, dass der persönliche Kontakt aufgrund von Kosten gemieden werden soll. Dementsprechend kritisch stand auch ich dieser neuen Sicherheitsmaßnahme gegenüber, welcher für aktuelle Spiele nicht ungewohnt ist, aber auch bei mir immer wieder für Unverständnis sorgt. Dabei geht es mir weniger um irgendwelche Programme, welche sich auf meinem Rechner installieren und diesen angeblich ausspionieren, was ist stark anzweifle, sonder mehr um das erworbene Produkt, welches zu mindestens zum Teil durch die Bezahlung eines Betrages X in mein Eigentum übergegangen ist. Durch die Aktivierung und begrenzte Registrierung wird es mir nämlich aller Wahrscheinlichkeit sehr schwer fallen ein solches Produkt bei Nichtgefallen weiter zu veräußern. Somit kaufe ich letztendlich immer die „Katze im Sack“. Doch zurück zur Installation des Spiels, denn diese konnte durch ihre Einfachheit einen Großteil der Bedenken zerstreuen und positiv überzeugen. Nachdem das Spiel installiert wurde, konnte man sofort eine Überprüfung seines Rechners durchführen lassen, wodurch sich das Spiel der zur Verfügung stehenden Rechenpower anpasste. Auch die Registrierung verlief simpel. Einzig eine offene Internetleitung fordert das Programm, über die man anschließend den Keycode eingibt. Danach kann man das Spiel offline starten.

Sieht man sich das Startmenü von Anno 1404 an, fällt einem sofort eine Neuerung auf. Neben dem Endlosspiel und einer Kampagne gibt es einen neuen Button, welcher sich „Szenarien“ nennt. Hinter diesem verstecken sich sechs Endlosspiele mit vorgegebenen Zielen und festgelegten Startbedingungen, für diejenigen welche keine Lust haben eigene Ziele in einem Endlosspiel festzulegen. Doch bevor man sich an eines dieser Szenarien wagt, empfehle ich das Durchspielen der Kampagne. Diese enthält neben den Tipps für Einsteiger auch eine gelungene Geschichte. In acht Missionen lernt man die Grundzüge des Spiels kennen und muss sich gegen einen machthungrigen Kardinal behaupten und den Kaiser vor dem Gifttod retten. In sämtlichen Missionen befinden sich neben diversen Hauptzielen auch noch eine nicht unbedeutende Anzahl an Nebenaufgaben, welche man jedoch selber entdecken muss in dem man immer wieder auf einzelne Orte und Gebäude klickt, die einen Hinweis auf eine Aufgabe enthalten. Dadurch wird das Spiel nie langweilig, sondern artet teilweise im Stress aus. Am Ende einer jeden Mission erhält man dafür als Belohnung einen Überblick, welche Aufgaben man gelöst hat und welche einem durch die Lappen gegangen sind. Um die Schwierigkeit anzupassen, kann man vor einer Mission, je nach persönlichem Bedarf, auswählen mit welchen Startbedingungen man die Mission bestreiten möchte.
Eine weitere Neuerung ist das Spielerprofil von Anno 1404. Um die Spieler möglichst lange an Anno 1404 zu binden, haben die Programmierer ein Bonussystem in das Spiel integriert. Erfüllt man diverse Dinge, während man Anno 1404 spielt, erhält man dafür Medaillen, Auszeichnungen und Diamanten. Mit diesen kann man sein Profil zum Beispiel farblich anpassen oder sich ab sofort „Retter des Reiches“ nennen, sofern einem diese Auszeichnung verliehen wurde. Mit den Diamanten ist es zudem möglich neue Bauobjekte zu erwerben, wodurch eigene Städte ein persönlicheres Flair erhalten. Die Anzahl der zu erwerbenden Errungenschaften ist dabei so umfangreich, dass stundenlanges Spielen garantiert ist. Eine dieser wertvollen Medaille erhält man zum Beispiel erst, nachdem man 500 Stunden mit einem Profil Anno 1404 gespielt hat.

Anno 1404 hält von Beginn an eine Neuerung bereit, welches Kenner des Vorgängers erfreuen wird. In Anno 1701 konnte man immer nur Gebäude im Einflussbereich des Kontor und der Markthäuser errichten. In Anno 1404 schaltet der Marktplatz jetzt auch einen Baubereich frei. Dies ist besonders beim Auf- und Ausbau einer Siedlung sinnvoll, da man diese nicht mehr mit Markthäusern verschandeln muss, um zusätzliche Baufläche zu erhalten. Eine weitere Neuerung sind Gebäude, die auf diversen Inseln verstreut sind. Verbindet man dieses Gebäude mit einem Markthaus, erhält man Zugriff und kann mit den Bewohnern Handel treiben oder sie um Unterstützung bitten. Im Orient befindet sich zum Beispiel eine Akademie, welche sich permanent um neue Entdeckungen kümmert, sofern man die dort ansässigen Gelehrten mit Milch und Datteln versorgt.
Zudem gibt es in Anno 1404 einen weiteren „Rohstoff“, welche man unbedingt benötigt um im Spiel voranzukommen. Dabei handelt es sich um Ruhm, welchen man für gelöste Aufträge erhält oder indem man seine Stadt weiter ausbaut. Ohne Ruhm ist der Aufbau einer Handelsbeziehung zum Orient nicht möglich und dadurch wird man frühzeitig im Spiel feststecken. Zudem kann man mit Ruhm wertvolle Items erwerben. Eines der wichtigsten Items ist „Saatgut“ eine weitere Neuerung in Anno 1404. Mit diesem kann man Inseln mit einer zusätzlichen Fruchtbarkeit versehen. Doch auch hier gilt es zu beachten, dass nicht jedes Saatgut auf jeder Insel fruchten kann. Der Grund dafür ist die Teilung der Karte in nördliche Inseln und Inseln des Orients.
Als besonders gelungen empfand ich die Verteilung der Aufstiegsrechte. Je nachdem wie viel Bauern, Bürger und Patrizier in einer Stadt leben, entscheidet sich wie viel Häuser in die nächste Stufe aufsteigen können. Im Vergleich zum Vorgänger gelingt es jedoch nie, dass zum Beispiel alle Bauern zu Bürgern aufsteigen können. Diese Regel setzt sich auch in den folgenden Aufstiegsvarianten fort und verschafft damit der Stadt ein realistischeres Aussehen.

Etwas schwieriger wie im Vorgänger ist die Befriedigung der Bedürfnisse. Jede Bevölkerungsgruppe besitzt umfangreichere Bedürfnisse wie ihr Vorgänger. Diese sollten möglichst vollzählig zur Verfügung stehen, damit sich die Bewohner in der Stadt wohl fühlen, denn je besser es den Einwohnern einer Stadt geht, desto höher steigen die Steuereinnahmen. Fehlt eines der Bedürfnisse kann es geschehen, dass die Bewohner die Stadt verlassen oder mit Plünderungen und Brandschatzungen beginnen. Die neue Schwierigkeit in der Erfüllung der Bedürfnisse besteht darin, dass nicht alle Bedürfnisse von Beginn an frei geschalten sind. Entscheidend hierfür ist die Anzahl der in einer Stadt befindlichen Patrizier Adelsleute oder Gesandten. Je nachdem wie viel Einwohner sich von diesen Personengruppen in der Stadt befinden, je nachdem werden weitere Bedürfnisse aktiviert. Dadurch geschieht es immer wieder, dass gerade zufrieden gestellte Einwohner einer Stadt erneut unzufrieden werden, weil plötzlich neue Bedürfnisse hinzugekommen sind und diese erst einmal fehlen. Da zudem mit der Aktivierung der neuen Bedürfnisse auch erst die jeweilige Produktionskette frei geschalten werden, kann diesem „Dilemma“ bei bester Planung auch nicht vorgebeugt werden.
Wie auch schon der Vorgänger bietet Anno 1404 auch die Möglichkeit sich in kriegerische Auseinandersetzungen zu begeben. Zum einem wären da die Korsaren, welche von einem immer wieder Tribut fordern, damit sie die Handelsschiffe nicht angreifen. Zahlt man diesen Tribut nicht, begeben sie sich auf Jagd und sorgen für jede Menge Ärger, sofern man die Schiffe nicht vorher mit eigenen Kriegsschiffen zerstört. Das Spiel treibt man solange bis die Korsaren ein letztes Aufgebot los schicken. Wird auch dieses vernichtet, verbünden sie sich mit einem und man kann fortan bedenkenlos Handeln. Weitere Gegner sind die Computerspieler, mit denen man im Laufe des Spiels irgendwann immer aneinander gerät, weil diese Inseln besetzt halten auf denen man notwendige Rohstoffe vorfindet. Statt einzelner Truppen schickt man in Anno 1404 nur Heerlager und Trebuchetstellungen in den Kampf. Hier zeigt sich, dass die Programmierer eindeutig eine Vereinfachung gegenüber dem Vorgänger schufen. Trotzdem sollte man die Kampfhandlungen nicht unterschätzen, denn statt den Gegner einfach in wenigen Sekunden zu überrollen, muss man auch bei einer eindeutiger Übermacht viel Geduld mitbringen. Wer auf solche kriegerischen Handlungen verzichten möchte, sollte im Endlosspiel gegnerische Spieler und die Korsaren deaktivieren.

FAZIT: Anno 1404 ist größer, komplexer und umfangreicher wie sein Vorgänger. Wer eine Wirtschaftssimulation sucht mit der er sich stundenlang beschäftigen kann, dem kann ich Anno 1404 nur empfehlen. Zu schnell vergisst man die Zeit und wundert sich beim Hinweis „Sie spielen bereits seit vier Stunden“ wohin die Zeit verschwunden ist. Zu sehr ist man mit dem organisieren der Handelsrouten und der Erfüllung der Bedürfnisse beschäftigt. Nebenbei darf man sich noch um die kleinen „Bitten“ kümmern, welche einem immer wieder zugetragen werden. Wer mit diesen Aufgaben gut zu recht kommt und sich mehr „Action“ wünscht, kann sich anschließend noch als Kriegsheer austoben und Mitbewerber von Insel vertreiben oder sich auf Korsarenjagd begeben.


