Geschichten aus der Zone: Filmkritik – Heimatkunde

heimatkunde-martin-sonneborn-filmkritik-startMartin Sonneborn, seines Zeichens Satiriker, tritt seit Jahren für eine neue Qualität in der Politik ein. Mit schonungsloser Offenheit plädiert er als Vorsitzender “Der Partei” für ein Deutschland, das ehrlich und direkt mit Problemen wie Ostdeutschen und Korruption umgeht. Vor einiger Zeit begab er sich dazu auf Forschungsreise in die Zone. Dort leben die sogenannten Ossis. Durch jahrzehntelange russische Fremdherrschaft, hatte diese Lebensform das Denken völlig verlernt. Nun, 18 Jahre nach der deutschen Einheit, möchte Martin mit eigenen Augen überprüfen, ob es in diesem sehr suspekten Teil der Republik schon wieder intelligentes Leben gibt. Eine Umrundung Berlins, zu Fuß, wird anberaumt. Also frisch auf du junger Wandersmann: Ab in den Dschungel.




Was für ein Film erwartet den geneigten Zuschauer hier? Immerhin tritt der Parteivorsitzende Martin Sonneborn seit Jahren für die “endgültige Teilung Deutschlands” vehement ein. Wer glaubt, dass gefällt nur dem gemeinen Wessi irrt. Auch viele Bewohner der ehemaligen “sowjetischen Besatzungszone” (merke: SBZ. ab 1949 sogenannte “DDR”, niemals die Gänsefüßchen vergessen) sind von der Bewegung herzlichst angetan. Ossi und Wessi gehören nun mal nicht zusammen in einem Land.

Das beweist uns Martin Sonneborn in seinem Werk konsequent. Heimatkunde ist bitterböseste Satire, genau wie Martin Sonneborns Eigengewächs “Die Partei”. Er legt den Finger in die Wunde. In ganz bewusst gewählter, dreist arroganter “Wessiart”, durchschreitet er zu Fuß die “Zone” und provoziert dabei die Einheimischen. Die es manchmal gar nicht merken, dass Martin sie aus der Reserve locken will. Sie erfüllen auf den ersten Blick auch ganz und gar alle Klischees des Musterossi. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die von ihm Bloßgestellten jedoch als normale Menschen. Brandenburger und Berliner Originale mit freilich ein paar kauzigen Eigenschaften. Im Grunde sehr symphatische Leute.

Die beiden minderjährigen Mädchen, die er herumlungernd vorm Plattenbau trifft, kann man als heruntergekommene Verlierer der Einheit sehen. “Was macht Ihr heute Abend” fragt Martin. “Scheiße machen, wie immer.” Wisst ihr eigentlich was die DDR war?” Antwort: “DDR war sowas wie Krieg.” Später antwortet eine der Damen auf die Frage was das bessere Deutschland war: “Osten. Weil Osten besser ist”. Das kann man jetzt als Beweis für das völlige Versagen politischer Bildung und die Verkommenheit der ostdeutschen Jugend werten. Als tendenzielle Berichterstattung. Oder, so sehe ich es: das ist Deutschland heute, so wie es eben ist. Martin Sonneborn trifft auf der Straße und in Ihren Wohnungen ganz gewöhnliche Menschen der Generationen “Youtube & Facebook “, Generation “zerissener Lebenslauf”, Generation “Mc Job ich komm so um die Runden” und viele viele mehr. Ganz alltägliche Beispiele für unsere Gesellschaft: Der Pessimist kann diese Lebensverhältnisse nun bedauernd als fragmentiert, aggressiv und zusammenhaltslos bezeichnen. Der unverbesserliche Optimist euphemistisch als individuell. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

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Der Film ist extrem unterhaltsam, doch sein satirisch überhöhtes Wesen auch äußerst boshaft. Für leicht beleidigte Seelen ist das Werk mit Sicherheit nicht geeignet. Martin Sonneborn begegnet den Menschen mal überrascht, mal naiv, mal keck, mal povozierend. Stets lakonisch nimmt er die als exotisch ins Bild gerückten Lebensverhältnisse in Ostdeutschland zur Kenntnis. Eine gute Portion Zynismus sollte man verdauen können. Unsicher bin ich mir bei aller Ironie trotzdem über den Umstand, ob Martin nicht vielleicht doch ein Ossihasser ist. Sich heimlich das “Mäuerchen” wieder hochgezogen wünscht.

Originaltitel: Heimatkunde
Deutschland 2008
Darsteller: Martin Sonneborn
Regie: SMAC





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